Neue Prognose Im Jahr 2048 wird jeder US-Amerikaner dick sein

Die Zahl der Dicken in den USA steigt konstant an. Jetzt haben Forscher ausgerechnet: Wenn alles so weiterläuft wie bisher, dann ist im Jahr 2048 jeder einzelne Amerikaner übergewichtig - und das Gesundheitssystem pro Jahr um fast eine Billion Dollar ärmer.


New York - Wer als Forscher existierende Datenreihen linear fortschreibt und auf diese Weise Erkenntnisse für die Zukunft gewinnen will, muss sich kritische Fragen gefallen lassen. Denn besonders wissenschaftlich ist die Annahme nicht, die Parameter der Welt um uns herum würden sich niemals ändern. Das weiß auch Lan Liang von der US-Behörde für Gesundheits- und Qualitätsforschung.

Trotzdem hat sie die etwas wackelige Art der Zukunftsvorhersage eingesetzt. Sie hat sich Datenreihen zum stetig steigenden Gewicht der US-Bürger angesehen - und linear in die Zukunft verlängert. Extrapolation nennen das die Wissenschaftler. Dabei kommt sie zu folgendem Schluss: Wenn sich der Trend der vergangenen 30 Jahre fortsetzt, dann ist theoretisch in 40 Jahren jeder Amerikaner übergewichtig oder gar fettleibig. Im Jahr 2030 läge die Rate der Betroffenen bei 86 Prozent, 18 Jahre später wäre dann im Prinzip das ganze Land betroffen.

Natürlich wird die 100-Prozent-Marke nie erreicht werden, das gibt auch Liang zu. Aber darum geht es auch nicht. Bereits jetzt schleppen zwei Drittel aller US-Bürger zu viele Pfunde mit sich herum. Es sei zwar "genetisch und physiologisch" unmöglich, dass eines Tages tatsächlich die gesamte Bevölkerung betroffen sei, sagte Liang, doch es zeige sich ein klarer Trend für die Zukunft. Außerdem habe sich auch gezeigt, dass Menschen mit Übergewicht über die Zeit auch immer dicker und dicker wurden.

Einige Bevölkerungsgruppen seien besonders stark betroffen, schreiben Liang und ihre Kollegen in einem Artikel im Fachmagazin " Obesity". Unter afroamerikanischen Frauen seien zum Beispiel derzeit 78 Prozent zu schwer. Auch Amerikaner mit mexikanischen Wurzeln hätten eine überdurchschnittliche Tendenz zum Übergewicht.

"Das ist ein Weckruf, der zeigt, wo wir landen, wenn nichts passiert", sagte Liang. Die Dicken-Schwemme könnte die USA in der Tat teuer zu stehen kommen. Einmal im Jahrzehnt, so schätzen die Forscher, verdoppeln sich die Krankheitskosten im Zusammenhang mit dem Übergewicht. Im Jahr 2030 könnten sie bei 957 Milliarden Dollar liegen - und würden dann 15 bis 17 Prozent des gesamten US-Gesundheitsbudgets auffressen. Die Gründe sind bekannt: Wer dick ist, hat ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Mit den Problemen sind die USA freilich nicht allein: Mindestens jeder zweite Deutsche ist zu dick, auch in China steigt die Zahl der Übergewichtigen stetig.

Es reiche wohl nicht aus, den Menschen zu sagen, dass sie weniger essen und mehr Sport treiben müssten, sagt Liang. Um das Problem der ausufernden Verfettung zu stoppen, seien tiefgreifende soziale Veränderungen nötig. So müssten Städte und Dörfer fußgängerfreundlicher werden und sich die Industrie auf gesündere und kalorienärmere Nahrungsmittel umstellen.

chs/Reuters



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