Neue Statistiken Alkoholmissbrauch nimmt zu - bei Jung und Alt
Alkoholtrinker: Immer mehr Erwachsene haben Alkoholprobleme
Foto: Z5456 Arno Burgi/ dpaWiesbaden - Es werden immer mehr: Das Statistische Bundesamt hat für das Jahr 2008 die Zahl der akuten Alkoholvergiftungen bei Kinder und Jugendlichen bekanntgegeben. Im vergangenen Jahr mussten 25.700 junge Menschen im Alter zwischen 10 und 20 Jahren stationär im Krankenhaus behandelt werden. Das sind elf Prozent mehr als 2007. Wirklich alarmierend aber ist der Vergleich mit dem Jahr 2000 - damals waren es nur 9500. Somit hat sich die Zahl der jungen Komasäufer in acht Jahren fast verdreifacht.
Der zunehmende Alkoholmissbrauch ist nach den Erhebungen des Bundesamts aber nicht auf junge Menschen beschränkt, sondern in fast allen Altersgruppen deutlich ausgeprägt. Immer mehr Erwachsene haben Alkoholprobleme. Die Zahl der stationären Aufnahmen wegen einer Alkoholvergiftungen stieg laut Bundesamt bei Erwachsenen ab 20 Jahren von 2007 auf 2008 um elf Prozent. Gegenüber 2000 betrug der Anstieg sogar 88 Prozent. Bei Senioren stiegen die Fallzahlen um 207 Prozent (70- bis 75-Jährige) und 230 Prozent (80- bis 85-Jährige) - jeweils bezogen auf das Jahr 2000.
Alkoholmissbrauch war mit dem Krankheitsbild psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol mit insgesamt 333.800 stationären Aufnahmen auch der zweithäufigste krankheitsbedingte Grund für einen Krankenhausaufenthalt überhaupt. Der häufigste Krankheitsgrund Herzinsuffizienz lag mit 350.700 Fällen nur knapp darüber. Insgesamt wurden im Jahr 2008 laut Statistischem Bundesamt knapp 18 Millionen Menschen im Krankenhaus vollstationär behandelt.
Drogenbeauftragte fordert entschiedenes Handeln
Die Zahl der 10- bis 14-Jährigen, die wegen einer Alkoholvergiftung stationär behandelt werden mussten, nahm im Durchschnitt im Vergleich zu 2007 um 19 Prozent zu (Mädchen plus 22 Prozent, Jungen plus 16 Prozent). Gegenüber dem Jahr 2000 verdoppelte sich die Gesamtzahl. In der Altersgruppe der 15- bis 20-Jährigen lag die Zunahme gegenüber 2007 bei 10 Prozent (Mädchen) und 9 Prozent (Jungen). Bezogen auf das Jahr 2000 verdreifachte sich ihre Gesamtzahl.
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, forderte entschiedenes Handeln: Gegen das Rauschtrinken der immer größer werdenden Gruppe von Kindern und Jugendlichen müsse mehr getan werden. Es würden zwar immer mehr, aber dennoch seien sie nur eine Minderheit. Insgesamt ging laut der FDP-Politikerin der regelmäßige Alkoholkonsum unter Jugendlichen in den vergangenen Jahren zurück.
Offenbar reichten die bisherigen Präventionsmaßnahmen aber nicht aus. Notwendig seien Ausweiskontrollen bis zu einem geschätzten Alter von 25 Jahren an allen Alkoholverkaufsstellen. Dies wolle sie in Kürze mit dem Hauptverband des deutschen Einzelhandels diskutieren, betonte Dyckmans. Weiter nötig sind nach ihrer Auffassung eine bessere Alkoholprävention an den Schulen und eine bessere Einbeziehung der Eltern in die Aufklärung.