Neue Strategie Regierung will sich besser um Gesundheit von Kindern kümmern

Weniger Unfälle, weniger Übergewicht, weniger Alkohol und Tabak: Die Bundesregierung hat eine "Strategie zur Förderung der Kindergesundheit" beschlossen. Auch Solarienbesuche hat Ministerin Ulla Schmidt als Übel ausgemacht.


Berlin - Alle Kinder sollten die Chance auf bestmögliche Gesundheit haben, sagte Bundesministerin Ulla Schmidt bei der Vorstellung des Papiers. "Die Bedingungen unter denen Kinder und Jugendliche aufwachsen, prägen ihr ganzes Leben", so die Ministerin.

Spielende Kinder: "Die motorische Leistungsfähigkeit hängt unter anderem vom Sozialstatus ab"
DDP

Spielende Kinder: "Die motorische Leistungsfähigkeit hängt unter anderem vom Sozialstatus ab"

Die neue Strategie führt im Wesentlichen bereits bekannte Programme zusammen. So wird der Ausbau der Untersuchungen zur Früherkennung genannt, auf den sich Bund und Länder bereits Ende 2007 verständigt hatten. Schmidt bestätigte, dass es bald eine zusätzliche "U7a" für Kleinkinder geben soll. Der konkrete Vorschlag des Gemeinsamen Bundesausschusses werde allerdings noch geprüft, sagte sie.

Außerdem sollen falsche Ernährung, Bewegungsmangel und der Konsum von Alkohol, Zigaretten und Cannabis mit verschiedenen Programmen zurückgedrängt werden. Auch Solarienbesuche stehen in der Kritik der Gesundheitsexperten. Der regelmäßige Gang auf die Sonnenbank unter 18 erhöhe das spätere Hautkrebsrisiko erheblich. Das bisherige System freiwilliger Zertifikate habe nur begrenzten Erfolg.

Sieht man in die Statistiken des Robert-Koch-Instituts, finden sich dort erschreckende Zahlen zur Kindergesundheit in Deutschland: So sind 15 Prozent der Kinder zu dick, 800.000 Mädchen und Jungen krankhaft übergewichtig. Auch psychische Probleme nehmen zu. Bei 17-Jährigen leidet fast jedes dritte Mädchen unter Essstörungen. Insgesamt zeigen etwa 12 Prozent der Mädchen und 18 Prozent der Jungen Verhaltensstörungen, jedes zehnte Kind hat eine Angststörung, jedes zwanzigste eine Depression.

Kinder in armen oder zerrütteten Familien haben häufig gesundheitliche Probleme. Das gilt sowohl für die psychischen Belastungen, als auch für die Beweglichkeit und sogar die Unfallgefahr. "Die motorische Leistungsfähigkeit hängt unter anderem vom Sozialstatus ab", heißt es in dem Strategiepapier. Dass arme Kinder auch mehr Unfälle haben, erklärt das RKI damit, dass sie vermutlich häufiger in der Nähe belebter Straßen wohnen.

dme/chs/dpa/AP



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