Neue Theorie Ötzi starb im Nahkampf

Ötzi wurde nicht hinterrücks ermordet, sondern starb im Nahkampf mit mehreren Feinden. Diese Theorie, die bereits seit längerem kursiert, wollen australische Forscher nun anhand von Blutspuren an Waffen und Kleidung des Eiszeit-Mannes bewiesen haben.


Ötzi: Tod nach dramatischem Nahkampf?
DPA

Ötzi: Tod nach dramatischem Nahkampf?

Seitdem Ötzi vor zwölf Jahren in den Alpen entdeckt wurde, ranken sich die unterschiedlichsten Hypothesen um seine Todesursache. Australische Forscher wollen nun per DNS-Analyse den 5300 Jahren Fall aufgeklärt haben. Ötzi wurde demnach nicht etwa hinterrücks erschossen, wie die in der Eismumie gefundene Pfeilspitze nahe legte, sondern fand in einem Nahkampf mit mehreren Gegnern sein Ende.

"Wir haben Proben von seinem Messer, seiner Axt und seiner Jacke analysiert", sagte Genforscher Ian Findlay von der University of Queensland der britischen BBC. "Alles weist darauf hin, dass die Blutspuren von mehreren Individuen stammen." An einer Pfeilspitze, die neben Ötzi gefunden worden sei, habe das Blut zweier Menschen geklebt.

Die Forscher glauben, dass der Eiszeit-Jäger nicht hinterrücks ermordet wurde, sondern in das Gebiet eines fremden Stammes eindrang und angegriffen wurde. Tom Loy, Direktor des Instituts für Molekularbiologie, sprach von einem dramatischen Kampf: Ötzi habe einen seiner Feinde mit einem Pfeil getroffen, das kostbare Projektil aus dem Körper gezogen und danach einen zweiten Gegner beschossen.

Die Blutspuren an Axt, Messer und Kleidung lassen nach Meinung der Wissenschaftler darauf schließen, dass sich anschließend ein wilder Nahkampf entwickelt hat. Diese Theorie, die bereits seit längerem im Raum steht, war zunächst durch die Entdeckung von Verletzungen an den Händen der Eismumie aufgekommen.

Der Bozener Pathologe und Ötzi-Experte Eduard Egarter sprach kürzlich im Gespräch mit dem SPIEGEL von einem Schnitt am Daumen, der zweieinhalb Zentimeter tief bis zum Mittelhandknochen reicht. Er lasse vermuten, dass Ötzi einen Messerstich mit der bloßen Hand abzuwehren versucht habe.

"Es sieht in der Tat so aus, als habe sich Ötzi Wunden und stumpfe Verletzungen an seinen Händen in einem Nahkampf zugezogen", meint jetzt auch Loy. Trotz starker Gegenwehr aber habe er sich am Ende nicht retten können. "Nach dem Scharmützel", sagte Loy, "wurde er von einem Pfeil in den Rücken getroffen."



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