Neue These zu Tutanchamun-Tod Pharao starb nach Reitunfall

Der junge ägyptische Herrscher Tutanchamun ist möglicherweise nach einem Sturz vom Pferd gestorben. Das schließt ein internationales Forscherteam aus der Untersuchung eines Bruchs am Oberschenkel des Pharaos. Ist der bekannteste Kriminalfall des Alten Ägypten damit aufgeklärt?

Der frühe Tod des Pharaos beschäftigt Archäologen, Historiker und Mediziner seit Jahrzehnten. Bereits 1925, drei Jahre nach Entdeckung seiner Mumie im Tal der Könige bei Luxor in Ägypten, gab es die ersten Spekulationen. Starb Tutanchamun an einer Krankheit? Wurde er vergiftet oder erschlagen?

Mehr als 3000 Jahr nach seinem Tod will ein internationalen Forscherteam nun die Todesursache geklärt haben: Der junge Herrscher soll an den Folgen eines Reitunfalls gestorben sein, berichtet die britische Tageszeitung "The Guardian" am heutigen Dienstag. Diese These habe ein Wissenschaftlerteam unter Leitung des ägyptischen Radiologen Ashraf Selim auf einem Kongress der Radiology Society of North America am Montag in Chicago vorgestellt.

Demnach ergab eine Untersuchung der weltbekannten Mumie per Computertomografie, dass sich Tutanchamun vermutlich beim Sturz vom Pferd den linken Oberschenkel brach. Die offene Wunde hatte dann möglicherweise eine tödliche Blutvergiftung zur Folge.

Der Bruch am Oberschenkel war bereits vor zwei Jahren bei der Auswertung von insgesamt 1700 Einzelaufnahmen der Mumie mit einem Computertomografen entdeckt worden. Der Pharao müsse sich kurz vor seinem Tod das Bein gebrochen haben, hatte damals der Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung Zahi Hawass erklärt. Das allein könne aber nicht die Todesursache gewesen sein.

Tod binnen weniger Tage ohne Antibiotika oder Operation

Das Team des Radiologen Selim glaubt jedoch, dass dieser Bruch tödliche Folgen hatte. Die Wissenschaftler zerlegten die Mumie des knapp 1,80 großen Mannes mithilfe eines Computertomographen in rund 1900 dreidimensionale Einzelbilder. Die Aufnahmen zeigten den komplizierten Bruch des Oberschenkels - erlitten möglicherweise bei einem Sturz vom Pferd beim Sport oder beim Jagen.

"Aus meiner Sicht war das ein tödlicher Bruch", sagte einer der beteiligten Forscher, der Schweizer Frank Rühli vom Anatomischen Institut der Universität Zürich. "Die Verletzung hat vermutlich ein wichtiges Blutgefäß zerrissen und war offen. Das ist unter Reitern eine verbreitete Verletzung. Ohne Antibiotika oder eine Operation kann er innerhalb weniger Tage an einer Blutvergiftung gestorben sein."

Gesicht bereits rekonstruiert

Dass der Oberschenkel bereits vor dem Tod des Pharaos und nicht etwa danach gebrochen war, glauben die Forscher beweisen zu können. An der Bruchstelle haben sie Reste einer Substanz entdeckt, die sie für Balsamiercreme halten, mit der die Leiche behandelt wurde.

Dass der Pharao, der im 14. Jahrhundert vor Christus während der 18. Dynastie regierte, wahrscheinlich nicht erschlagen wurde, hatten Wissenschaftler bereits vor zwei Jahren bei der Untersuchung im Computertomographen herausgefunden. Eine angebliche Verletzung am Hinterkopf - vor Jahren hatte eine Röntgenaufnahme dort Knochensplitter gezeigt -, wurde nicht gefunden. Später wurde anhand diese Aufnahmen sogar sein Gesicht rekonstruiert.

Ein Mitarbeiter der ägyptischen Altertümerverwaltung, der ebenfalls an der Untersuchung beteiligt war, räumte am Dienstag auf dpa-Anfrage in Kairo ein, die Todesursache lasse sich zwar nach wie vor nicht zweifelsfrei feststellen. Ein Reitunfall sei jedoch nicht unwahrscheinlich, "wenn man zum Beispiel Knochenbrüche am Knie und an der Hüfte findet".

hda/dpa

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