Neue Untersuchungen Stonehenge 200 Jahre jünger als gedacht

Wann wurde Stonehenge erbaut? Neueste Radiokarbondatierungen ergeben: Es ist nicht ganz so alt, wie bisher angenommen. Ungelöst bleibt aber nach wie vor, ob Stonehenge ein Heilort oder eine Totenstadt war.


Die Archäologen Tim Darvill und Geoff Wainwright haben Grabungsmaterial aus Stonehenge datieren lassen. Aus den Radiokarbonmessungen geht hervor, dass die mysteriöse Stätte nahe Salisbury im Süden Englands rund 200 Jahre jünger ist als man bislang geglaubt hatte.

Bislang waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass der innere und älteste Steinkreis zwischen 2600 und 2400 vor Christus errichtet worden war. Ein genaues Datum wurde jedoch nie festgelegt. Darvill und Wainwright hatten organisches Material aus dem Untergrund der Steine an der Oxford University mit der Radiokarbonmethode datieren lassen. Das Material stammt aus der Zeit von 2400 bis 2200 vor Christus, ergaben die Messungen. Der Durchschnittswert, 2300 vor Christus, sei nach Ansicht der Forscher nun die verlässlichste Datierung für die Errichtung der ersten Steine.

Ein noch genaueres Datum wollen die Forscher in den kommenden Monaten präsentieren. "Wir haben der Welt versprochen, dass wir Stonehenge datieren würden", sagte Darvill der britischen BBC. "Das war ein Risiko, aber ich war stets zuversichtlich."

Die beiden Archäologen hatten Anfang April zwei Wochen lang an der legendären Stätte gegraben. Es waren die ersten Grabungen in Stonehenge seit 44 Jahren gewesen. Stonehenge zählt zum Weltkulturerbe der Unesco und lockt jährlich zahlreiche Touristen an.

Die Wissenschaftler halten die neue Datierung für besonders bemerkenswert, weil sie in etwa mit der Datierung des Amesbury Archer zusammenfällt. Im Mai 2002 hatten Archäologen die Überreste eines Bogenschützen in dem Ort Amesbury gefunden, 13 Kilometer von Stonehenge entfernt. Das Alter der auf Amesbury Archer getauften Überreste des Mannes schätzt man auf 4300 Jahre. Er müsste also etwa 2300 vor Christus gestorben sein. Der Mann war verletzt, hatte ein kaputtes Knie. Seinem Zahnschmelz zufolge stammte er aus den Alpen.

Wainwright und Darvill vermuten, dass Stonehenge eine Pilgerstätte war, eine Art steinzeitliches Lourdes, zu dem Kranke in der Hoffnung auf Heilung kamen. So wie der Amesbury Archer trotz seiner Verletzung den langen Weg bis nach Stonehenge auf sich nahm, weil er hoffte, dort geheilt zu werden. Beide Archäologen sehen sich aufgrund der neuen Datierung in ihrer Vermutung bestätigt.

Eine weitere populäre Theorie über den Zweck von Stonehenge ist die des Archäologen Jeffrey Parker Pearson. Er vertritt die These, dass Stonehenge ein gigantischer Friedhof, eine Stadt für die Toten war, weil zahlreiche Gräber von Feuerbestattungen in Stonehenge gefunden wurden.

Wainwright und Darvill wollen ihre Grabungsergebnisse bald publizieren.

lub



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