Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Blut des geköpften Königs Ludwig entdeckt

König Ludwig XVI. endete in der Französischen Revolution unter der Guillotine - jetzt fanden Forscher seine Blutspuren. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: die Munition einer historischen Familienfehde, dekadente Mönche und Opfergaben im Vulkanschlund.

Am 21. Januar 1793 tauchte Maximilien Bourdaloue sein Taschentuch in eine Blutlache. Es war das Blut, das aus dem kopflosen Hals des französischen Königs Louis XVI. tropfte. Dann steckte Bourdaloue das Tuch in einen ausgetrockneten Kürbis, der mit den Köpfen der Revolutionshelden verziert war. So unglaublich die Geschichte klingt - sie ist wahr. Das konnte jetzt der Pathologe Philippe Charlier nachweisen.

Frankreichs König Ludwig XVI. (1754-1793): Tuch im Kürbis

Frankreichs König Ludwig XVI. (1754-1793): Tuch im Kürbis

Foto: Corbis

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Forensic Science International" veröffentlichte er die Ergebnisse seiner Untersuchungen des Kürbisinneren. Tatsächlich fand er in der DNA aus den Blutspuren eine seltene genetische Signatur. Dieselbe trug sein Vorfahr Henri IV.

Henri IV. und Louis XVI. liegen sieben Generationen auseinander, doch die auffällige Gensignatur gab der Herrscher über seine männlichen Nachkommen weiter: "Sie haben über die Väter eine direkte Verbindung", schreibt Charlier. In den Wirren, die Louis XVI. und seine Königin Marie-Antoinette das Leben kosteten, wurde auch das Grab seines Vorfahren geschändet.

Die Knochen Henri IV. begruben die Revolutionäre in einem Massengrab. Nur den Kopf schnappte sich jemand als Souvenir. Erst im Jahr 2010 konnte er tatsächlich anhand von typischen Gesichtsmerkmalen als der Kopf Henris IV. identifiziert werden. Sein letzter Besitzer, ein französischer Finanzbeamter, gab ihn daraufhin zur Wiederbestattung in Saint-Denis frei.

+++ Waffen historischer Familienfehde +++

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Hatfield und McCoy: Historische amerikanische Familienfehde

Foto: Corbis

Zwischen 1878 und 1891 tobte tief in den Appalachen an der Grenze zwischen West Virginia und Kentucky die blutige Fehde der Familien Hatfield und McCoy. Angeführt von den beiden Patriarchen Ole Ran'l McCoy und Devil Anse Hatfield brachten die beiden Clans insgesamt mehr als ein Dutzend Familienmitglieder um.

Auslöser war zunächst ein entlaufenes Schwein gewesen, später ging es unter anderem um eine Affäre von Johnse Hatfield mit Roseanna, einer McCoy. Einer der Höhepunkte des blutigen Konfliktes geschah am Neujahrstag des Jahres 1888, als die Hatfields die Hütte der McCoys in Brand steckten und zwei McCoys erschossen.

Jetzt haben Archäologen nicht nur die Hütte ausfindig machen können, sondern sogar noch Munition, die die McCoys bei der Verteidigung der Hütte abgeschossen haben, sowie Scherben von Fensterglas und Keramik. Die Munition liegt so, dass sie eindeutig von der Tür und den Fenstern der Hütte nach draußen abgeschossen wurde.

Die McCoys verfügten den Funden nach über mehrere Waffen unterschiedlichen Kalibers sowie über eine Schrotflinte. In den USA steht die Hatfield-McCoy-Fehde sprichwörtlich für lang anhaltende Feindschaften. Um die Fehde ranken sich auch viele Legenden, wie zum Beispiel die Spukgeschichte des "Sprechenden Brunnens", an dem Alafair McCoy starb, als sie vor den Hatfields floh.

+++ Opfer des Batavia-Massakers +++

Nachbau der Batavia in den Niederlanden: Mehr als hundert Menschen massakriert

Nachbau der Batavia in den Niederlanden: Mehr als hundert Menschen massakriert

Foto: Ferdy Damman/ dpa

Es klingt wie eine Erwachsenen-Version des "Herrn der Fliegen": Am 4. Juni 1629 lief die Verenigde Oostindische Compagnie (VOC) Retourschip Batavia auf das Morning Reef, rund 65 Kilometer vor der Küste Westaustraliens. An Bord befanden sich 316 Menschen: Männer, Frauen, Kinder und ein ganzes Kompartment Soldaten. Der Kapitän machte sich auf nach Jakarta, um Hilfe zu holen, und überließ Jeronimus Cornelisz das Kommando über die Zurückgebliebenen auf der kleinen Insel Beacon Island.

Für die Überlebenden begann der Horror: Cornelisz lebte seine Macht auf brutalste Weise aus. Als Wasser und Essen knapp wurden, begann er - unterstützt von einer Handvoll Schergen - systematisch Leute umzubringen. Sie wurden ertränkt, erschlagen und zerstückelt. Einige der Frauen zwang er zur sexuellen Sklaverei. Am Ende starben durch seinen Befehl zwischen 110 und 124 Menschen.

Einige der Gräber sind im Laufe der Jahre auf Beacon Island gefunden worden, darunter ein Massengrab mit sechs Individuen. In der November/Dezember Ausgabe des International Journal of Osteoarchaeology hat Daniel Franklin von der University of Western Australia nun erstmals die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung der Knochen veröffentlicht.

Das jüngste Opfer von Cornelisz' Gewaltexzessen war gerade eben acht Monate alt, das älteste zwischen 35 und 49 Jahren. Vor ihrem Tod lebten die Gestrandeten ein gesundes Leben - die Knochen der Toten, so Franklin, zeigten aus ihrem Leben vor dem Schiffbruch weder gravierende Spuren von Mangelernährung noch von Krankheit oder Traumata.

+++ Dekadente Mönche überführt +++

Kloster St. George nahe Jerusalem: Über Gebot hinweggesetzt

Kloster St. George nahe Jerusalem: Über Gebot hinweggesetzt

Foto: © Baz Ratner / Reuters/ REUTERS

Offenbar lebten die byzantinischen Mönche in Jerusalem im fünften bis siebten Jahrhundert nicht so asketisch, wie sie sollten. Das ergaben Untersuchungen von Lesley Gregoricka und Susan Guise Sheridan von der University of South Alabama in Mobile. Sie untersuchten die Knochen von 55 Mönchen, die unter dem Kloster des Heiligen Stephan in Jerusalem begraben lagen. Dabei fanden sie heraus, dass viele der Knochen zwar tatsächlich für eine überwiegende Ernährung der Mönche von Brot, Wasser sowie gelegentlich Obst und Gemüse sprachen.

Doch nicht alle: Einige der Überreste waren im Gegensatz dazu reich an dem Isotop Stickstoff-15 - eindeutiger Beleg dafür, dass diese Mönche zu Lebzeiten viel tierische Proteine zu sich nahmen. Tierische Produkte sollten die Mönche aber nach ihren asketischen Lebensvorschriften meiden.

Die byzantinischen Klöster lagen oftmals sogar extra an sehr abgelegenen Orten wie in Wüsten oder entlegenen Bergschluchten, damit die Mönche nicht in die Versuchung weltlicher Genüsse kamen. Das Kloster in Jerusalem war mit seiner Lage in der Stadt eine Ausnahme - und offenbar schafften die Mönche es prompt auch nicht, den weltlichen Verlockungen zu widerstehen.

Mit dem Konsum von tierischem Protein verstießen sie nicht nur gegen die Ernährungsvorschriften. Wie die beiden Forscherinnen in einem im Druck befindlichen Artikel für das "Journal of Anthropological Archaeology" berichten, waren Milchprodukte und Fleisch im Jerusalem des sechsten Jahrhunderts sogar Luxusgüter. Damit setzen sich die gierigen Mönche deutlich auch über das Gebot der Armut hinweg.

+++ Fortschrittlicher Pekingmensch +++

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Innovationen vor 750.000 Jahren: Cleverer Pekingmensch

Foto: Anonymous/ ASSOCIATED PRESS

Der Pekingmensch, der rund 200.000 bis 750.000 Jahren in der Region des heutigen China lebte, war geschickter als bislang angenommen. Der Zeitgenosse des europäischen Homo heidelbergensis wusste das Feuer zu nutzen, Holz zu bearbeiten, konnte Speere bauen, Löcher bohren - und verwendete offenbar große Mühe auf seine Kleidung.

Diese neuen Einsichten in das Leben des 1923 entdeckten Pekingmenschen präsentierten Forscher der Chinesischen Akademie der Wissenschaften auf einer Konferenz im Dezember im Royal Ontarion Museum in kanadischen Toronto. Die Forscher untersuchten die nähere Umgebung der alten Fundstelle und fanden dabei unter anderem einen etwa 300.000 Jahre alten "Activity Floor" mit einer Feuerstelle.

Sie fanden auch Steinwerkzeuge, mit denen Peking Man seinen Alltag meisterte. Dazu gehörten Spitzen, die er wahrscheinlich auf kurze Äste montierte. Zum Jagen waren diese wohl nicht geeignet. Der Holzgriff erleichterte aber die Nutzung als Werkzeug zum Beispiel zum Schaben.

Funde aus Afrika belegen aber, dass sein Zeitgenosse Homo heidelbergensis vor 500.000 Jahren bereits mit Speeren jagte. Es ist also gut möglich, dass auch Peking Man diese Technologie beherrschte.

Zu den überraschenden Funden gehörten Bohrwerkzeuge. Kurator Chen Shen erklärte auf der Konferenz, er und seine Kollegen wüssten noch nicht, in welches Material Peking Man gebohrt hätte, nur dass er diese Technik beherrscht habe. Einige der Werkzeuge dienten offensichtlich zur Bearbeitung von Tierhäuten. Die Häute wurden sorgfältig abgeschabt, bevor sie zu Kleidung weiterverarbeitet wurden.

+++ Opferplatz im Vulkanschlund +++

Vulkan Nevado de Toluca in Mexiko: Skulptur eines geköpften Menschen

Vulkan Nevado de Toluca in Mexiko: Skulptur eines geköpften Menschen

Foto: Paul Kiernan/ AP

Einst erklommen die Otomis und Matlatzincas den mexikanischen Vulkan Nevado de Toluca, um dort in der Laguna del Sol und der Laguna de la Luna Opfergaben abzulegen. Sie schafften Gaben für die Götter nach oben: Keramik, Räucherkegel aus Kopal, Agaven-Dornen und Stöcke in Schlangenform, so genannte Tlaloc-Szepter.

Dort, auf 4200 Meter Höhe, fanden Taucher eines Archäologieprojektes nun die Opfergaben. Roberto Juncto, der Direktor des Projekts, erklärte, dass die Dornen und Stöcker nur aus tiefer gelegenen Regionen stammen können, weil auf der Höhe der Seen diese Pflanzen nicht mehr vorkommen.

Der Nevado de Toluca diente mindestens zwischen 650 und 900 n. Chr. - zur Spätklassischen Periode - als Opferstätte. Bei ihren Begehungen des Vulkans entdeckten die Archäologen auch die Skulptur eines geköpften Menschen am Nordufer der Laguna de la Luna.

Sie gehörte zu einer kleinen kreisförmigen Struktur mit etwa vier Metern Durchmesser, in deren Umgebung Räuchersteine, Stuck und Felszeichnungen gafunden wurden. Wahrscheinlich stand hier ein kleines Heiligtum, das die Herren der nahen Stadt Teotenango aber erst in der Epiklassischen Periode zwischen 700 und 900 nach Christus errichteten.

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