Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Frisur-Rätsel der vestalischen Jungfrauen gelöst

Sex war ihnen verboten - dafür aber gehörten die Vestalinnen zu den mächtigsten Frauen im alten Rom. Jetzt ist das Rätsel ihrer komplizierten Frisuren gelöst. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: Der älteste Eisenbahntunnel der Welt und Carin Görings Knochen.

Wer auf der nächsten Party für Gesprächsstoff sorgen will, sollte sich vorher einen Friseurtermin bei Janet Stephens besorgen. Die Friseurin und Amateurarchäologin aus Baltimore hat die Geheimnisse der Hochsteckfrisur der römischen Vestalinnen ergründet. Auf dem Jahrestreffen des Archaeological Institute of America in Seattle stellte sie nun die Ergebnisse ihrer Forschungen vor.

Haus der Vestalinnen in Rom: Zopf-Geheimnis ist entschlüsselt

Haus der Vestalinnen in Rom: Zopf-Geheimnis ist entschlüsselt

Foto: ? Max Rossi / Reuters/ REUTERS

Die vestalischen Jungfrauen genossen im alten Rom einen besonderen Status. Zu ihren Aufgaben gehörte es unter anderem, das heilige Herdfeuer im Tempel der Vesta zu hüten und Wasser aus der Quelle der Nymphe Egeria zu holen, mit dem der Tempel der Göttin geputzt wurde.

Eine Vestalin wurde im Alter zwischen sechs und zehn Jahren für diesen Dienst ausgewählt und durfte ihr Leben lang ihre Jungfräulichkeit nicht verlieren. Kam sie doch abhanden, war Rom in Gefahr - und die Sünderin wurde lebendig begraben.

Dafür aber gehörten die Vestalinnen zu den mächtigsten Frauen in Rom. Ihre Haare trugen sie in komplizierten Verflechtungen. Stephens hatte die Frisur auf dem Kopf einer Porträtbüste im Walters Art Museum in Baltimore gesehen und versucht, sie zu rekonstruieren. Doch es dauerte sieben Jahre, bis sie den Trick herausgefunden hatte. Das Problem war unter anderem, dass die Frisur auf den meisten Darstellungen teilweise unter einer Kopfbedeckung versteckt ist.

Schließlich aber gelang es ihr, sieben verschiedene Zöpfe in unterschiedlichen Flechttechniken ausfindig zu machen, die dann noch untereinander verdreht und verschränkt werden. Eine Person mit geübten Händen braucht 35 bis 40 Minuten, um alle Haare entsprechend einzuflechten. Die Vestalinnen hatten dafür allerdings mehrere Sklaven, so dass es vermutlich wesentlich schneller ging. Wer allerdings keine vollen Haare bis mindestens zur Taille hat, kann sich den Besuch bei Janet Stephens  gleich sparen.

+++ Archäologen wollen ältesten Eisenbahntunnel der Welt freilegen +++

Heute denken wir bei dem Wort Eisenbahn an einen schnittigen ICE. Doch das Wort bezeichnet nicht viel mehr als ein Fahrzeug, das auf Schienen aus Eisen läuft. Als die Eisenbahn gegen Ende des 18. Jahrhunderts erfunden wurde, zogen noch Pferde die Wagen über die Gleise.

In der englischen Grafschaft Derbyshire wollen Archäologen nun den womöglich ältesten Eisenbahntunnel der Welt freilegen. Er wurde 1793 auf rund zweieinhalb Kilometer Länge zwischen den Ortschaften Crich und Bullbridge durch den Berg getrieben. Auf den Schienen schafften Pferdewagen Kalk aus den Steinbrüchen in Crich zum Cromford Canal in Bullbridge. Von dort gelangte das Gestein über den Kanal nach Ripley, wo es in den Butterley Works zur Eisengewinnung gebraucht wurde.

Benjamin Outram, der Gründer der Butterley Company, war als Ingenieur für den Bau des Tunnels verantwortlich. Er hatte gute Arbeit geleistet: Bis in die dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts war der Tunnel noch in Benutzung. Heute sind beide Enden mit Erde blockiert. Archäologen der Firma Wessex Archaeology planen zunächst, Kameras und Laserscanner in die noch bestehenden Hohlräume einzuführen. So können sie eine erste Bestandsaufnahme zum Erhaltungszustand machen.

+++ Freiwillige Sklaven +++

Knochen neben der Cheops-Pyramide: In Ägypten gab es offenbar freiwillige Sklaven

Knochen neben der Cheops-Pyramide: In Ägypten gab es offenbar freiwillige Sklaven

Foto: ? Tarek Mostafa / Reuters/ REUTERS

Begaben sich einige Ägypter freiwillig in die Sklaverei? Davon erzählen 2200 Jahre alte Verträge, die der Ägyptologe Kim Ryholt von der Universität Kopenhagen analysiert hat. Und nicht nur das: Anscheinend zahlten die Ägypter auch noch für das Privileg, als Sklave dienen zu dürfen. "Von diesem Tage an bin ich dein Sklave, ich werde jeden Monat zweieinhalb Kupferstücke als meine Sklavengebühr zahlen an Soknebtunis, den großen Gott", heißt es beispielsweise in einem der Texte. In einem anderen Fall weitete der freiwillige Sklave den Dienst sogar noch auf seine Kinder und Kindeskinder aus.

Woher die Unfreien allerdings das Geld nahmen, ist unklar. Sklaven hatten immerhin die Möglichkeit, Zweitjobs anzunehmen. So ist von einem Sklaven namens Ptolemäus bekannt, dass er als Traumdeuter Geld dazuverdiente. Ryholt vermutet, dass es sich bei den Unterzeichnern der Verträge um arme Leute handelte, die auf diese Weise der schweren körperlichen Zwangsarbeit entgehen wollten. Als Tempelsklaven mussten sie nur vergleichsweise leichte Tätigkeiten wie Ackerbau verrichten. Als Zwangsarbeiter aber hätten sie beim Bau von Tempeln und Kanälen schuften müssen. Das juristische Schlupfloch, sich durch den freiwilligen Sklavendienst im Tempel von der Zwangsarbeit freizukaufen, scheint es rund 60 Jahre lang - zwischen 190 und 130 vor Christus - gegeben zu haben.

+++ Carin Görings Knochen identifiziert +++

Knochen von Carin Göring: Per DNA-Analyse identifiziert

Knochen von Carin Göring: Per DNA-Analyse identifiziert

Foto: A. Kjellström

Schwedischen Wissenschaftlern ist es gelungen, die sterblichen Überreste von Carin Göring zu identifizieren, der Frau des Nazi-Verbrechers Hermann Göring. Der spätere Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe hatte die fünf Jahre ältere Frau im Jahr 1920 auf dem schwedischen Schloss Rockelstad kennengelernt. Obwohl sie damals noch mit dem Berufsoffizier Niels Gustav Freiherr von Kantzow verheiratet war, begann sie mit Göring ein Verhältnis. Schon wenig später folgte sie ihm nach München. Unmittelbar nach der Scheidung heirateten Göring und von Kantzow im Jahr 1923. Als Frau des aufstrebenden Politikers genoss sie später hohes Ansehen in der Nationalsozialistischen Partei.

"Adolf Hitler mochte sie", schreibt die Leiterin der Untersuchung, die Forensikerin Marie Allen von der schwedischen Universität Uppsala, in der Zeitschrift "PLoS ONE". "Sie wurde auch das Maskottchen der Nazi-Partei genannt." Im Gegenzug bezeichnete Carin Göring Hitler als "Genie voller Liebe zur Wahrheit" und nannte ihn "ritterlich".

1931 starb sie bei einem Besuch in ihrer schwedischen Heimat an Herzproblemen. Ihr Mann ließ ihre Reste in einem Zinksarg und einem Blechsarg auf seinem Landsitz Carinhall - benannt nach seiner Frau - bestatten. Als der Krieg zu Ende war, sprengte er sowohl den Landsitz als auch Carins Mausoleum. 1991 aber fanden Schatzsucher die Sarkophage auf dem Gelände. Die 26 darin verbliebenen Knochen kamen nach Schweden zur Untersuchung. Ein DNA-Abgleich mit Proben von ihrem Sohn aus erster Ehe, Thomas von Kantzow, erbrachten den Beweis, dass es sich tatsächlich um die sterblichen Reste Carin Görings handelt.

+++ Jüdisches Gemeindeleben in Afghanistan +++

Die Taliban dürfte diese Entdeckung kaum freuen: In einer Höhle im von ihnen kontrollierten Gebiet im nördlichen Afghanistan sind 1000 Jahre alte Manuskripte aufgetaucht. Sie zeugen vom regen Leben einer jüdischen Gemeinde in der Region im 11. Jahrhundert. Vergangene Woche machte die israelische Nationalbibliothek, in deren Besitz die Schriften sich jetzt befinden, die Entdeckung publik. Es handelt sich um Bibelkommentare, persönliche Briefe sowie finanzielle Notizen.

Die Dokumente stammen aus einer sogenannten Genizah, einem Lagerraum, der zu einer Synagoge oder einem jüdischen Friedhof gehört. Da Schriften, die den Namen Gottes enthalten, nicht vernichtet werden dürfen, wurden sie in der Vergangenheit oft eingemauert und überdauerten so die Jahrhunderte.

Die diversen Sprachen, in denen die Texte verfasst sind, reichen von Aramäisch über Judäo-Arabisch bis hin zu Judäo-Persisch, das im hebräischen Alphabet geschrieben wurde. "Es war das Jiddisch der persischen Juden", erklärt Haggai Ben-Shammai, Direktor der israelischen Nationalbibliothek. Die aufbewahrten Schriften dokumentieren unter anderem auch die Betätigung der Juden als Händler auf der antiken Seidenstraße von Europa nach Asien, die durch Afghanistan verlief. Die genauen Umstände der Entdeckung der Manuskripte sind jedoch unklar. Ben-Shammai erklärte, das Museum sei von verschiedenen Antiquitätenhändlern kontaktiert worden.

+++ Römische Seeschlachten in der britischen Provinz +++

Römisches Amphitheater in Chester:

Römisches Amphitheater in Chester:

Foto: Corbis

Die Römer hatten für blutrünstiges Entertainment ihr Kolosseum. Doch auch die Truppen im nasskalten Britannien wollten unterhalten werden. Also bauten sie sich Theater in Londinium, Deva Victirx (Chester) oder bauten in Durnovaria (Dorchester) auch schon mal eine kreisförmige neolithische Henge-Anlage in ein Amphitheater um. Jetzt haben Archäologen auch in Feversham in der Grafschaft Kent ein solches Theater entdeckt. Es ist wie eine Hahnenkampfarena angeordnet, mit steinernen Sitzreihen um eine tieferliegende Grundfläche.

Es ist die erste Anlage dieser Bauart, die in Großbritannien gefunden wurde. Die 50 Sitzreihen boten bis zu 12.000 Zuschauern Platz. Die Archäologen fanden den Orchestergraben sowie die Bühne. Charakteristische Löcher deuten darauf hin, dass die Anlage wahrscheinlich auch geflutet wurde - wenn es zum Beispiel galt, eine Seeschlacht nachzuspielen. Die Stätte selber wurde bereits seit der Bronzezeit genutzt, wahrscheinlich handelte es sich um einen Ort mit religiöser Bedeutung. Zu den Kulten könnten auch zwei Badehäuser gehört haben, die die Archäologen ebenfalls fanden.