Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Kinderknochen erzählen von Maya-Tragödie

In Mexiko sind Archäologen auf die Spuren eines Dramas gestoßen: 47 Skelette aus der Maya-Zeit, die meisten stammen von stark unterernährten Kindern. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: Uralte Kulturen um Zweistromland und die Ruinen eines verrufenen britischen Klosters.
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Kulturgeschichte: Maya ließen sich vom Regen einlullen

Foto: REUTERS/ Penn State/ Douglas Kennett

In der Yok-Balum-Höhle in Belize hinterließ das Klima ein Archiv der besonders langfristigen Art: einen Stalagmiten. Der mächtige Zapfen wuchs von 40 v. Chr. bis zum Jahr 2006 und archivierte so das Klima der Region. Der Sauerstoffgehalt in den Schichten des Stalagmiten gibt Auskunft über die Niederschlagsmenge jedes einzelnen Jahres seiner Wachstumszeit. So konnten die Anthropologen um Douglas Kennett von der Penn State University ablesen, wie das Klima die Maya beeinflusste.

Offenbar begann die Kultur in einer regenreichen Periode von 440 bis 660 zu blühen. Als es nach 660 trockener wurde, fanden zunehmend Kriege statt. Während der Dürreperiode zwischen 1020 und 1100 verließen schließlich die letzten Maya die Region des heutigen Belize. "Es sieht so aus, als ob die Maya sich von der einzigartigen Regenperiode in der frühklassischen Zeit in dem Glauben einlullen ließen, dass es ewig genug Wasser geben würde", schreibt Kennett im Fachblatt "Science".

+++ Mit der Dürre kamen die Spanier +++

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Maya-Skelette: Mit der Dürre kamen die Spanier

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Weitere Zeugen aus der Endzeit der Maya fanden Archäologen des National Institute of Anthropology and History. In der Nähe der Hotelburgen des mexikanischen Cancún entdeckten sie 47 Bestattete aus dem 16. Jahrhundert. Die Skelette zeigen deutlich, dass hier nicht nur das Klima, sondern auch die Spanier den Maya zusetzten.

Die Spanier siedelten damals im Westen an der Küste und schnitten wichtige Handelsrouten ins Hinterland ab. Dadurch war die Versorgung des Hinterlandes nicht mehr gewährleistet - und die Maya nagten am Hungertuch. Die Kindersterblichkeit wurde extrem hoch, die Knochen zeigen Spuren schwerer Mangelernährung und Anämie. Unter den 47 Beisetzungen aus der Spätzeit der Siedlung waren 30 Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Vor Ankunft der Spanier war die Siedlung ein großes Handelszentrum gewesen. Am Ende aber wurde sie einfach aufgegeben.

+++ Mesopotamische Hochkultur war nicht allein +++

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Zweistromland: Indus-Kultur fast zeitgleich mit Sumer

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In Mesopotamien entstand die erste Hochkultur - doch sie war nicht allein. Neue Forschungen haben gezeigt, dass die Indus-Kultur gut 2000 Jahre älter ist als bislang angenommen - und damit schon zur etwa gleichen Zeit entstand wie die mesopotamische. Bisher glaubte man, die Anfänge der Indus-Kultur lägen erst um rund 3750 vor Christus. Neue Datierungen weisen nun eher auf eine Zeit um 6000 vor Christus.

Die neuen Daten wurden von B.R. Mani, Generaldirektor des Archaeological Survey of India, und seinem Amtsvorgänger K.N. Dikshit auf einer Konferenz in Chandigarh präsentiert. Sie stammen aus den Regionen Ghaggar-Hakra und Belutschistan. Sumer im Süden des mesopotamischen Schwemmlandes gilt als erste Hochkultur der Menschheit. Von hier aus gelangten, so Mani und Dikshit, die ersten Bauern rasch mit der Kenntnis des Ackerbaus und ihrer eigenen Sprache ins Indus-Tal und ließen sich dort nieder.

+++ Tempel als Viehstall +++

Ein Aufschrei der Empörung ging durch die Welt, als im März 2001 die Taliban die Buddha-Statuen von Bamian sprengten. Doch die Zerstörung von Heiligtümern feindlicher Religionen ist kein neues Phänomen.

In Israel haben Archäologen jetzt ein Beispiel dafür aus dem 11. Jahrhundert vor Christus gefunden. Sie entdeckten einen Tempel nahe der Siedlung Beth-Shemesh, der von den anhaltenden Konflikten zwischen Israeliten, Kanaanitern und Philistern in der Region erzählt. Der Name Beth-Shemesh ("Haus der aufgehenden Sonne") weist darauf hin, dass es die Kanaaniter waren, die ihn erbauten. Die Ausgräber fanden Scherben von kostbaren, bemalten Trinkgefäßen, die bei Ritualen benutzt wurden. Zu der Anlage gehörten drei Altarsteine. Um einen lagen viele Knochen von kleinen Tieren herum. Zwei weitere hatten Rinnen, in denen Flüssigkeiten - zum Beispiel Blut von Opfertieren - gesammelt werden konnten.

Doch dann wurde der Tempel offenbar zerstört. Eine Analyse des Bodens ergab, dass in der Folgezeit Vieh in den Tempelruinen gehalten wurde. Die Archäologen glauben, dass die Philister damit bewusst den Tempel entweihen wollten. Dann jedoch wurden Öfen, sogenannte Tabuns in den Ruinen gebaut.

Die Ausgräber Zvi Ledermann und Shlomo Bunimovitz von der Universität Tel Aviv mutmaßten auf dem Jahrestreffen der American Schools of Oriental Research in Chicago, dass die Öfen von den Nachfahren der Tempelerbauer stammen könnten, die den Ort zurückeroberten. Sie könnten darin Brote für religiöse Feste gebacken haben, die in dem alten Tempel erneut abgehalten wurden.

+++ Verrufenes Kloster in Oxford +++

Was trieben die Nonnen im 16. Jahrhundert in Oxford? Das versuchen derzeit Archäologen und freiwillige Helfer in den Ruinen der Littlemore Priory zu klären. Das Kloster wurde im Jahr 1110 gegründet und 1525 von Kardinal Wolsey aufgelöst, angeblich wegen des liederlichen Lebenswandels der Nonnen. Sie sollen regelmäßig ihre Betten mit Männern geteilt und auch Kinder mit ihnen gezeugt haben.

Doch Wolsey, der als Lordkanzler unter Heinrich VIII. diente, war bekannt dafür, viele Klöster unter Vorwänden zu schließen, um sich persönlich an den Klosterschätzen zu bereichern. Mit dem Geld finanzierte er unter anderem den Bau mehrerer Schulen und Colleges, darunter das heutige Christ Church College in Oxford. Teile des Klosters der Littlemore Priory stehen noch heute und beherbergen einen Pub. Die Ausgräber fanden weitere Mauern, Fußböden und Herdstellen sowie reichlich mittelalterliche Keramik und Kacheln, die mit Greifen verziert waren. Aus der Analyse der Funde hoffen sie nun, mehr über das Leben und auch die Ernährung in den Klostermauern zu erfahren.

+++ Frühe Mormonen-Taufkapelle gefunden +++

Ihre Religion ist noch nicht sonderlich alt, doch Funde aus den frühen Tagen der Mormonen sind ein Fall für die Archäologen. In Provo im US-Bundesstaat Utah gräbt ein Team um Richard Talbot von der Brigham Young University ein Baptisterium aus der Zeit um 1875 aus. Das Gebäude war zu seiner Zeit erst die zweite mormonische Taufkapelle, die überhaupt außerhalb von Salt Lake City von Pionieren errichtet wurde.

Dass an der Stelle einst ein Baptisterium lag, vermuteten die Archäologen bereits wegen der alten Kirchenbücher und Feuerversicherungskarten. Doch dass sie dann tatsächlich die Grundmauern, Leitungen und das Fundament eines Ofens fanden, mit dem das Taufwasser im Winter erwärmt werden konnte, übertraf ihre Erwartungen bei weitem. Die Wände waren einst mit erdbraunem und himmelblauem Putz verstrichen. "Von den Überresten können wir sagen, dass sie sich viel Mühe gegeben haben", sagte Talbot der Zeitung "Desert News". "Sie wollten ein ganz besonderes Gebäude errichten für die Taufen, die hier stattfanden."

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