Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Mysteriöses Totenritual am Pig Point

Archäologen rätseln: Welcher Indianerstamm bestattete jahrhundertelang seine Toten im US-Bundesstaat Maryland? Und warum finden sich nur Arme, Beine und Schädel? Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: eine alte Privat-Uni und ein kaputter Tempel.

Was geschah am Pig Point? Die diesjährigen Ausgrabungen der Stätte in Maryland stellen Archäologen vor Rätsel. Mindestens fünf große, ovale Gruben von sechs bis sieben Meter Länge fanden die Ausgräber. Sie waren randvoll mit Asche, Perlen, Keramik - und menschlichen Knochen. Offenbar bestatteten die Indianer hier jahrhundertelang ihre Toten. Die bisherigen Datierungen liegen zwischen 230 vor und 620 nach Christus, dabei wurden die Gruben über lange Zeiträume hinweg immer wieder erneut geöffnet und gefüllt.

Ausgrabungen am Pig Point: Gruben über lange Zeiträume hinweg geöffnet und gefüllt

Ausgrabungen am Pig Point: Gruben über lange Zeiträume hinweg geöffnet und gefüllt

Foto: Lost Towns Project

Doch die Indianer begruben ihre Vorfahren nicht einfach in der Erde und ließen es dann gut sein. Die Archäologen bargen lediglich Arm- und Beinknochen sowie Schädel aus den Gruben - von Beckenknochen, Wirbeln oder Rippen keine Spur. Und alles - die Knochen wie auch die Artefakte - waren vor der Beisetzung mutwillig zertrümmert worden.

Es ist bekannt, dass viele Indianer, wie zum Beispiel die Irokesen, ihre Toten einige Zeit nach der ersten Beisetzung noch einmal durch die Gegend transportierten und erneut begruben. Doch sie zerstückelten die Toten nicht - die Rituale von Pig Point scheinen also anderer Natur gewesen zu sein.

Es ist auch noch nicht klar, welcher Stamm seine Vorfahren hierher brachte. Die Vermessung der Knochen ergab jedenfalls, dass sie kleiner waren als die meisten Prärie-Indianer. Was auch immer hier geschah, Pig Point war schon immer ein heiliger Ort. Ganz in der Nähe der Gruben fanden die Archäologen eine Stelle, deren Boden von Wigwam-Pfostenlöchern durchbohrt war. Die ältesten Löcher können bis zu dreitausend Jahren alt sein, die jüngsten stammen noch aus dem 16. Jahrhundert nach Christus.

Kupferne Fundstücke am Pig Point: Es ist nicht klar, welche Indianer dort lebten

Kupferne Fundstücke am Pig Point: Es ist nicht klar, welche Indianer dort lebten

Foto: Lost Towns Project

+++ Kaiser Hadrians Privat-Uni wieder zugänglich +++

Ausgrabungen am Athenäum (2009): "Größter Fund in Rom seit Entdeckung des Forums"

Ausgrabungen am Athenäum (2009): "Größter Fund in Rom seit Entdeckung des Forums"

Foto: andrew Medichini/ AP

Kaiser Hadrian liebte die Bildung und die Kunst. Für diese ließ er im Jahr 123 nach Christus eine Bildungsstätte errichten: das Athenäum, benannt nach der griechischen Hauptstadt Athen, Wiege der damals bekannten Philosophie. In drei großen Hallen genossen und diskutierten der Kaiser und die Elite des römischen Reiches hier Gedichte, Reden und philosophische Abhandlungen.

Auch der Kaiser selbst dürfte hier einst seine Werke vorgetragen haben. Hadrian verfasste Gedichte auf Latein und Griechisch. Bis zu 900 Leute fanden auf den Sitzen des Athenäums Platz, die gewölbte Decke erhob sich elf Meter über dem Hauptraum.

Vor drei Jahren wurden die Reste bei Bauarbeiten zu einer neuen U-Bahn Linie gefunden - jetzt sind die Ausgrabungsarbeiten beendet und das Athenäum wird für Besucher geöffnet. "Hadrians Athenäum ist der größte Fund in Rom seit der Entdeckung des Forums in den zwanziger Jahren", sagte Grabungsleiterin Rossella Rea bei der Bekanntgabe. Ruhe und Muße herrschen in den Räumen des Athenäums heute allerdings nicht mehr. Es liegt in 5,5 Metern Tiefe an der Piazza Venezia, einer heute vielbefahrenen Kreuzung, eingequetscht zwischen einem Taxistand, einer Barockkirche und dem Denkmal für Vittorio Emanuele II.

+++ Tote unter dem Fußboden +++

In manchen Kulturen ist es üblich, die Toten so dicht bei sich haben zu wollen, wie möglich. Die Zapoteken aus dem Süden Mexikos beispielsweise begruben sie unter den Fußböden ihrer Häuser. Im Boden eines Hauses in der Archäologischen Zone von Atzompa im Bundesstaat Oaxaca haben Archäologen des mexikanischen National-Instituts für Anthropologie und Geschichte (INAH) eine Begräbnisstätte für zwei Menschen gefunden. Zwischen 750 und 900 nach Christus starb erst das eine Individuum. Nach einiger Zeit wurde das Grab erneut geöffnet und ein zweiter Toter über den Resten des ersten bestattet.

Der Raum, unter dem die beiden lagen, war der Hauptraum des Hauses. Auch Beigaben wurden den Toten mit ins Grab gelegt. Die Ausgräber fanden vier verzierte Keramiktöpfe. Zwei davon stellen den Gott Cocijo dar, den Regengott der Zapoteken. Sein Gesicht hat die Form eines Reptils. Grabungsleiterin Laura Mendoza Escobar vermutet, dass es sich bei den Toten um Handwerker handelt, weil in dem Haus Poliersteine gefunden wurden.

Unter der Terrasse des Hauses lag übrigens noch eine dritte Tote, eine Frau. Sie bekam jedoch kein großartiges Begräbnis - sondern wurde mit einem großen Sandstein zugedeckt.

+++ Römerfreundliche Engländer +++

Verziertes Objekt: Was es ist, ein Möbelteil etwa, müssen Experten noch klären

Verziertes Objekt: Was es ist, ein Möbelteil etwa, müssen Experten noch klären

Foto: Bill Horner/ Devon County Council

Wo bald die neue Umgehungsstraße um das südenglische Städtchen Kingskerswell verlaufen soll, stand einst ein römerfreundliches Dorf. Bei den Bauarbeiten fanden Archäologen eine rund 2000 Jahre alte Siedlung. Die Menge und Qualität der Funde zeugt davon, dass es den Bewohnern unter der römischen Herrschaft sehr gut ging. Unter anderem fanden die Ausgräber so exotische Stücke wie importierte Keramik aus Südeuropa. Sie gehörte der lokalen Elite Südenglands. Im ersten Jahrhundert hatten sich die Römer hier breitgemacht. Doch dann zogen sie weiter nach Norden, um die dort lebenden Stämme zu unterwerfen.

Die Einheimischen, die zurückblieben, waren zu dem Zeitpunkt bereits "romanisiert" - sie hatten sich an die römische Lebensweise und den römischen Lebensstandard gewöhnt. Aus dieser Zeit stammen die Sachen aus Kingskerswell. "Es ist ein aufregender Fund", sagte Ausgräber Bill Horner der "BBC". Ganz friedlich wird es allerdings nicht immer zugegangen sein, denn die Archäologen fanden auch Verteidigungsgräben. Zumindest aber bestand das Dorf noch lange weiter, als die Römer schon längst wieder abgezogen waren. Neben den römischen Resten standen die Ruinen mittelalterlicher Gebäude.

+++ Kranke waren gut versorgt in Sri Lanka +++

Tempel in Anuradhapura (im Dezember 2010): Noch heute wichtiges Pilgerziel

Tempel in Anuradhapura (im Dezember 2010): Noch heute wichtiges Pilgerziel

Foto: ANDREW CABALLERO-REYNOLDS/ REUTERS

In Sri Lanka haben Archäologen die Ruinen eines 2000 Jahre alten Krankenhauses gefunden. Es liegt in der Nähe der alten Hauptstadt der Nördlichen Zentralprovinz, Anuradhapura. Die Ausgräber entdeckten Baderäume, Behandlungsräume und Gerät wie Mahlsteine und Messer. Auch über eine Latrine verfügte das Krankenhaus.

Aus Anuradhapura sind noch mehrere solcher Krankenhauskomplexe bekannt. Die antike Stadt ist heute noch ein bedeutendes Pilgerziel für Buddhisten. Viele kommen, um den Sri Mahabodhi zu sehen, eine Pappelfeige, die angeblich aus einem Zweig des Baumes gewachsen sein soll, unter dem Siddhartha Gautama, der Buddha, seine Erleuchtung erlangt haben soll.

+++ Partygäste beschädigten Maya-Tempel +++

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Ausgegraben: Partygäste beschädigten Maya-Tempel

Foto: JOHAN ORDONEZ/ AFP

Bei einer "Ende-der-Welt-Party" in der Maya-Stätte Tikal in Guatemala haben Partygäste einen der großen Tempel beschädigt. Normalerweise ist es verboten, den Tempel II - eine 38 Meter hohe Pyramide am Hauptplatz der Stadt und eine der höchsten Stufenpyramiden Mittelamerikas - zu besteigen. Doch bei den Feierlichkeiten in Erwartung des Endes der Welt hielten sich viele nicht an die Regeln - und fügten den Stufen der Anlage so irreparablen Schaden zu.

Tikal - rund 500 Kilometer nördlich der Hauptstadt Guatemala City gelegen - war zur spätklassischen Periode (3. - 9. Jahrhundert nach Christus) eine der bedeutendsten Städte der Maya-Kultur. Über 7000 Weltuntergangspilger feierten hier am vergangenen Freitag das vermeintliche Ende der Welt. Zu dem Anlass hielten Maya-Priester eine farbenfrohe Zeremonie ab.

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