Neurologie des Kicherns Schon der Klang von Gelächter steckt an

Gelächter nur zu hören reicht schon: Von ganz alleine heben sich die Mundwinkel, Menschen fangen an zu kichern - selbst wenn sie niemanden lachen sehen. Neurowissenschaftler haben herausgefunden, warum schon der Klang des Lachens ansteckend wirkt. Gesund ist das obendrein.


Der "Witz" des Radiomoderators hat diese Bezeichnung eigentlich gar nicht verdient – und doch müssen wir lachen. Allein das Geräusch von Lach-Konserven und kichernden Menschen veranlasst das Gehirn, die Gesichtsmuskeln automatisch aufs Mitlachen vorzubereiten. Das kennt jeder Mensch aus eigener Erfahrung: Lachen sei selbst dann ansteckend, wenn der Grund für die Fröhlichkeit unbekannt ist, belegen britische Forscher in der Fachzeitschrift "Journal of Neuroscience". Denn sie haben erforscht, was dahintersteckt.

Infektionsquelle Gelächter: Selbst wenn man den kichernden Mund nicht sieht, grinst man mit
DDP

Infektionsquelle Gelächter: Selbst wenn man den kichernden Mund nicht sieht, grinst man mit

Das Team um die Neurowissenschaftlerin Jane Warren vom Hammersmith Hospital in London hatte Freiwilligen verschiedene emotionale Laute vorgespielt und dabei die Hirnaktivität beobachtet. Lachen, Jubeln und andere positive Gefühlsäußerungen lösten in einer bestimmten Region der Hirnrinde eine sehr starke Antwort aus, welche die akustischen Gefühlsausdrücke widerspiegelt, fanden die Forscher heraus.

Der sogenannte prämotorische Cortex ist für die Planung von Bewegungsabläufen der Gesichtsmuskulatur zuständig, so auch für das Lachen. Außerdem finden sich in dieser Hirnregion sogenannte Spiegelneuronen: Nervenzellen, die allein dann aktiviert werden, wenn man die Bewegung anderer Menschen betrachtet, und so die Bewegung auf nervlicher Ebene nachvollzieht. Die Forscher wollten wissen: Reagieren diese Spiegelneuronen auch bei rein akustischen Signalen automatisch?

Der Klang von Triumph, Spaß, Angst und Ekel

Um das herauszufinden spielten Warren und ihre Kollegen den Probanden menschliche Äußerungen vor, die vier Emotionen ausdrückten: Triumph, Spaß, Angst und Ekel. Alle Hörbeispiele hätten dafür gesorgt, dass der prämotorische Cortex aktiv werde.

Mithilfe eines funktionellen Magnetresonanztomographen konnten die Forscher die entsprechenden Stoffwechselvorgänge sichtbar machen. Dabei zeigte sich den Neurowissenschaftlern zufolge auch: Bei positiven Gefühlsausdrücken war die Hirnrinde aktiver als bei Ekel und Angst. Geräusche positiver Emotionen seien demnach ansteckender, schreiben die Forscher.

Bislang galt als Grund für die Ansteckungsgefahr eines Lachenden vor allem, dass Menschen stets ihresgleichen nachahmen: In Mimik, Gestik und sogar in der Sprachmelodie passen wir uns an - meistens unbewusst und um unserem Gegenüber Wohlgesonnenheit zu signalisieren. Und während bis zu 80 Muskeln uns schmunzeln, kichern oder hemmungslos lachen lassen, wird das Immunsystem gestärkt und die Atmung tiefer; zugleich werden chronische Schmerzen gelindert. Nach der Erkenntnis der Londoner Forscher müsste dieser Effekt auch schon bei Gelächter per Radio, Fernsehen oder Telefon eintreten.

fba/ddp



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