Neurowissenschaft Die sieben größten Rätsel der Hirnforschung

Von Hauke Friederichs und Sebastian Witte

2. Teil: Wie rechnet das Gehirn?


Bereits Säuglinge können die unterschiedlichen Größen kleiner Mengen erfassen. Kindergartenkinder lösen schon einfache Rechenaufgaben, und einige Menschenaffen können kopfrechnen.

Was so simpel klingt, läuft im Gehirn als komplexer Vorgang ab. Selbst bei der Lösung leichter mathematischer Aufgaben arbeiten zahlreiche Hirnregionen zusammen – im Gehirn gibt es nicht den einen Ort der Zahl. Welche Netze von Nervenzellen daran beteiligt sind, wissen die Forscher jedoch nur in Ansätzen.

Wie allen geistigen Leistungen liegen dem Rechnen neuronale Strukturen und Prozesse zugrunde. Mit bildgebenden Verfahren können Forscher diese sichtbar machen. So entdeckten sie, dass Rechnen viel mit Sprache zu tun hat: Erwachsene arbeiten beim Addieren und bei Einmaleins-Aufgaben mit auswendig gelernten Lösungen, die sie aus dem Gedächtnis abrufen. Im Gehirn werden dabei sprachverarbeitende Regionen aktiviert.

Dies geschieht in verschiedenen Kulturkreisen vermutlich unterschiedlich. Hirnforscher aus den USA und China stellten Versuchspersonen aus den jeweiligen Sprachräumen einfache Rechenaufgaben. Die Wissenschaftler entdeckten, dass bei den Probanden mit der Muttersprache Englisch andere Bereiche im Gehirn aktiv waren als bei denen, die mit Chinesisch aufgewachsen sind.

Unklar ist, ob dies an den Sprachen selbst und ihren jeweiligen Schriftsystemen oder an kulturellen Faktoren und schulischen Lernmethoden liegt.



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