Neurowissenschaft Die sieben größten Rätsel der Hirnforschung

Von Hauke Friederichs und Sebastian Witte

5. Teil: Wodurch wird der Geist krank?


Nicht jeder, der gerade eine Mozart-Arie hört, hat sein Radio eingeschaltet. Manche Menschen hören Stimmen, die sie für "echt" halten, die dennoch nicht real sind. Solche akustischen Halluzinationen können auf eine Schizophrenie hinweisen – eine der schwersten psychischen Störungen: Jeder Hundertste ist mindestens einmal im Laufe seines Lebens davon betroffen.

Doch wie eine schizophrene Psychose oder viele andere Hirnleiden im Einzelfall konkret entstehen, ist nach wie vor weitgehend ungeklärt. Sicher ist nur, dass neben psychosozialen Faktoren vor allem die erblichen Grundlagen eine entscheidende Rolle spielen: Wenn ein eineiiger Zwilling an Schizophrenie leidet, besteht für seinen genetisch identischen Bruder ein etwa 50-prozentiges Risiko, ebenfalls daran zu erkranken – bei zweieiigen, also genetisch nicht völlig gleichen Zwillingen, sinkt die Gefahr dagegen auf 17 Prozent.

Die Hoffnung vieler Forscher, das Schizophrenie-Gen zu finden, hat sich jedoch zerschlagen. Vermutlich sind etliche Risiko-Gene daran beteiligt. Sie steuern meist die Produktion bestimmter Proteine, mit deren Hilfe die Gehirnzellen miteinander kommunizieren. Ist die Signalübertragung durch einen Gen-Defekt gestört, kann es leicht zum Ausbruch der Schizophrenie kommen. Auch bei anderen psychischen Störungen, etwa der Manischen Depression, bestimmen Gene das Risiko erheblich mit.

Schon in zehn Jahren aber hoffen Forscher die wichtigsten genetischen Grundlagen der Geisteskrankheiten verstanden zu haben.



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