New York Anti-Tabak-Kampagne wirkt

Tabaksteuer rauf, Zigaretten weg vom Arbeitsplatz, Warnplakate und Werbespots mit Kranken: Jedem fünften New Yorker Raucher ist da die Lust auf Zigaretten vergangen. Doch dem New Yorker Gesundheitsreferenten reicht das nicht.

New York - "Nichts wird je wieder so sein wie früher": Ronaldo Martinez, der Mann auf dem Plakat, das im vergangenen Jahr in den U-Bahnen New Yorks hing, war Raucher - bis bei ihm Rachenkrebs diagnostiziert wurde. Nun kann der US-Amerikaner nur noch durch ein künstliches Loch in seinem Hals atmen und mit einem Spezialgerät sprechen. "Gib heute das Rauchen auf", forderte der Mann in der Fotokampagne der New Yorker Stadtregierung.

In den USA ist der Griff zur Zigarette fast schon ein Tabu. Doch in New York, der vielleicht hektischsten Stadt der Welt, rauchen deutlich mehr Menschen als in anderen US-Großstädten. Bereits vor fünf Jahren läutete deswegen die Metropole den Kampf gegen das Rauchen ein - und hat Erfolg.

1,3 Millionen New Yorker hätten im Jahr 2002 geraucht, im vergangenen Jahr waren es 240.000 weniger, teilte die US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) heute mit. Etwa jeder achte Raucher und fast jede vierte Raucherin habe seit 2002 dem Glimmstengeln abgeschworen.

Mit dem Rückgang von fast 20 Prozent in fünf Jahren könnten dem CDC-Bericht  zufolge nun jährlich Tausende Todesfälle verhindert werden, die im Zusammenhang mit dem Rauchen stünden. "Es gibt nicht viele Programme, die 80.000 vorzeitige Tode so schnell verhindern können", sagte New Yorks Gesundheitsbeauftragter Thomas Frieden.

Raucherquote in New York City so niedrig wie noch nie

Für Frieden liegt der Erfolg der Kampagne in der Kombination der Interventionen: "Äußerst kritische Anzeigen wirken, besonders, wenn sie mit einer Tabaksteuer und einem Gesetz für rauchfreie Luft gepaart sind." 2002 wurde die Tabaksteuer auf das höchste Niveau in den USA abgehoben - eine Schachtel Zigaretten verteuerte sich um 32 Prozent. Im Folgejahr wurden rauchfreie Arbeitsplätze eingerichtet. Besonderen Erfolg habe jedoch eine TV-Kampagne gehabt, in der Raucher zum Aufhören aufgefordert wurden, so das CDC.

Nun greifen nur noch 17,5 Prozent der mehr als acht Millionen New Yorker zu Kippen. Die Raucher-Quote ist damit auf dem geringsten je registrierten Stand. Das sei sogar weniger als in allen US-Bundesstaaten mit Ausnahme von Kalifornien, Washington, Idaho, Utah und Connecticut, heißt es in dem CDC-Bericht. Doch der Vergleich hinkt ein wenig, geht es doch um New York City und nicht um den Bundesstaat New York.

"Einen Rückgang von 1,3 Millionen auf gut eine Million Raucher in New York muss man auf dem Broadway nicht unbedingt bemerken", sagt Raphael Gaßmann von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. Der Soziologe bezweifelt, dass Interventionen wie Tabaksteuer-Erhöhungen einen langfristig abhängigen Menschen vom Rauchen abbringen oder abhalten werden: "Vier Wochen nach einer Steuererhöhung für Zigaretten kann man schon sehen, dass weniger Menschen rauchen, aber nach einem Jahr steigt die Zahl der Raucher wieder." Viele würden rückfällig.

Jeder vierte Deutsche raucht - und wird es wohl weiterhin

Das scheint auch New Yorks Gesundheitsreferent Frieden klar: "Trotz des großartigen Fortschritts müssen wir noch viel weiter gehen." Noch immer rauchten mehr als eine Million New Yorker und es würden jedes Jahr fast 9000 Einwohner vorzeitig wegen Raucher-Folgekrankheiten sterben. Außerdem sei wegen der Inflation der reale Preis für Zigaretten seit 2002 um mehr als 60 Cent zurückgegangen. Frieden: "Die Zeit ist reif für eine weitere Tabaksteuer-Erhöhung."

Ob in Deutschland das neue Nichtraucherschutzgesetz und andere Anti-Tabak-Aktionen wie Rauchverbote in Gaststätten einen ähnlichen Erfolg haben werden? Immerhin haben die Raucher hierzulande trotz der Debatten um Rauchverbote und Gesundheitsgefahren im ersten Quartal 2007 deutlich mehr Zigaretten gekauft als ein Jahr zuvor. Immerhin heißt es nach dem Beschluss des Bundestages auch hierzulande ab September: Keine Kippen mehr in Bus, Bahn und Behörden. Außerdem darf Tabak ab 2009 nicht mehr an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft werden, bis dahin gilt noch die Altersgrenze von 16 Jahren.

"Die Anzahl der gerauchten Zigaretten wird sinken", prophezeit Tabak-Experte Gaßmann, denn man könne abends nicht alle Zigaretten nachholen, die man tagsüber nicht mehr rauchen darf. "Aber die Anzahl der Raucher wird sich nicht verändern." Dabei bezeichneten sich 27 Prozent der Deutschen als Raucher, so das Ergebnis des jüngsten Mikrozensus von 2005. Welche Auswirkungen das neue Gesetz hat, so Gaßmann, könnte man erst in drei Jahren wissen.

fba/Reuters

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