Klimaschutz New York will Glasfassaden an Wolkenkratzern verbieten

Sie prägen das Bild der Stadt: Gläserne Türme, die in den Himmel über Manhattan ragen. Jetzt sagt Bürgermeister Bill de Blasio: Das ist klimaschädlich und muss sich ändern.

Stadtteil Manhattan in New York: Viel Glas, wenig Wärmedämmung
kolderal/ Getty Images

Stadtteil Manhattan in New York: Viel Glas, wenig Wärmedämmung


In New York sollen in Zukunft keine Wolkenkratzer mit Glasfassaden mehr gebaut werden. Bürgermeister Bill de Blasio plant ein Gesetz, das eine deutlich höhere Gebäudeeffizienz vorschreibt. Wolkenkratzer mit Glasfassaden seien "unglaublich ineffizient", weil so viel Energie durch die Fenster entweiche, sagte der Politiker von den Demokraten. Die schlechte Wärmedämmung mache New Yorks Häuser schon jetzt zum größten Produzenten von Treibhausgasen in der Stadt.

"Beim Bau neuer Wolkenkratzer darf nur noch dann Glas verarbeitet werden, wenn die Bauherren Emissionen auf anderem Weg reduzieren", sagte de Blasio. "Nicht mehr geduldet wird, dass Unternehmen sich selbst Monumente errichten, die unserer Erde schaden und unsere Zukunft gefährden."

Auch für bestehende Gebäude mit einer Fläche von mehr als 2250 Quadratmetern sollen die neuen Effizienzkriterien gelten. Das betrifft nach Angaben der Stadt gut 50.000 Häuser in ganz New York. Sie müssen in Zukunft saniert werden, um die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Wer die neuen Auflagen nicht erfüllt, muss mit empfindlichen Strafen rechnen.

Die neuen Effizienzwerte für Gebäude sind Teil eines "Green New Deals", mit dem Bill de Blasio die Treibhausgasemissionen in New York bis 2030 um 30 Prozent senken will. Bis zum Jahr 2050 soll die Stadt ihren Kohlendioxidausstoß sogar vollständig kompensieren. "Jeden Tag nähert sich unser Planet dem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt", sagte de Blasio. "Wir handeln jetzt, bevor es zu spät ist."

Unter anderem sollen alle städtischen Einrichtungen von New York mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt werden. Geplant ist die Nutzung von Wasserkraft aus Kanada. Der Bürgermeister will Mülltrennung zur Pflicht machen und eine Innenstadtmaut einführen. Außerdem soll in städtischen Betrieben zunehmend auf die Nutzung von Plastikgeschirr und verarbeiteten Fleischprodukten verzichtet werden.

Insgesamt plant die Stadt im Rahmen des "Green New Deal" mit Investitionen in Höhe von 14 Milliarden Dollar (knapp 12,5 Milliarden Euro). Ziel sei es, damit auch die soziale Ungleichheit in der Stadt zu bekämpfen. Um die Klimaziele zu erreichen, würden mehrere Zehntausend neue Jobs geschaffen.

jki/AP



insgesamt 60 Beiträge
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spon-1169332508199 24.04.2019
1.
Fällt da der Trump-Tower rein ;-)
fahrgast07 24.04.2019
2. Es geht um Sommerhitze
Die Wärmedämmung ist nicht das Problem: Es geht um sommerlichen Wärmeschutz! Klimaanlagen brauchen extrem viel Energie um die Aufheizung der Glasfassaden zu kompensieren, das aber führt zu einer Aufheizung der Umgebung. Gut dass endlich jemand gegensteuert. Auch in Deutschland sind solche Aufglasungen nicht mehr zeitgemäß. Da können wir uns von italienischen Städten was abschauen.
bretone 24.04.2019
3. Endlich mal ...
... eine gute Nachricht aus den USA!
weltgedanke 24.04.2019
4.
Zitat von fahrgast07Die Wärmedämmung ist nicht das Problem: Es geht um sommerlichen Wärmeschutz! Klimaanlagen brauchen extrem viel Energie um die Aufheizung der Glasfassaden zu kompensieren, das aber führt zu einer Aufheizung der Umgebung. Gut dass endlich jemand gegensteuert. Auch in Deutschland sind solche Aufglasungen nicht mehr zeitgemäß. Da können wir uns von italienischen Städten was abschauen.
Danke für diesen Tipp. Ich hatte mich gerade gefragt, wie es sein kann, dass in Deutschland für Passivhäuser viel Glas verwendet wird, um Energie zu sparen, und in New York soll just das verboten werden, um Energie zu sparen. Aber ja, Klimaanlagen sind das Problem. In New York wird öfter gekühlt als geheizt. Diesem Problem könnte man aber durch Außenjalousien begegnen. Es klingt glücklicherweise so, als würde das Gesetz Spielraum lassen, genau das zu tun ("Bauherren Emissionen auf anderem Weg reduzieren"). Und die Aufheizung der Glasfassaden lässt sich vermutlich auch verringern, indem Doppelverglasung genutzt wird, bei der nur die äußere Scheibe getönt ist.
Markstein 24.04.2019
5. Früher sagte man "Gott
Früher sagte man "Gott" und war im Recht und konnte alles behaupten und fordern. In unseren Tagen sagt man "Klima", um sich mit was auch durchzusetzen. Wann brennen wohl die ersten Scheiterhaufen und was wird bloß aus den armem Frauen, die auf ihren Besen, sich an den Glasfronten orienteiernd, um die Wolkenkratzern in New York schweben?
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