New York Ölmulti Exxon angeklagt - wegen falscher Angaben über Folgen des Klimawandels

Vor Gericht in New York hat ein spektakulärer Streit um die Auswirkungen des Klimawandels begonnen. Angeklagt ist der Ölkonzern Exxon. Er soll Auswirkungen der Erderwärmung bewusst verschleiert haben.
Protest vor einem Gericht in New York: Auch der frühere Exxon-Chef und spätere US-Außenminister Rex Tillerson wird wohl vor Gericht auftreten

Protest vor einem Gericht in New York: Auch der frühere Exxon-Chef und spätere US-Außenminister Rex Tillerson wird wohl vor Gericht auftreten

Foto: Justin Lane/ EPA-EFE/ REX

Welche Daten hatte der Erdölkonzern Exxon schon vor Jahren über den Klimawandel und was davon hat er an seine Anleger herausgegeben?

Diese Fragen sind nun Gegenstand in einem aufsehenerregenden Prozess in den USA. Die Staatsanwaltschaft New York wirft dem Konzern vor, Kunden und Anleger über die finanziellen Risiken der Erderwärmung getäuscht und ihnen gegenüber falsche Angaben gemacht zu haben. So sollten sie weiter zu Investitionen ermuntert werden.

Dabei sollen Exxon bereits vor Jahrzehnten Daten vorgelegen haben, die den Verlauf der Erderwärmung wesentlich dramatischer prognostiziert hatten. Dem Konzern wird vorgeworfen, zwei unterschiedliche Prognosemodelle zum Klimawandel erarbeitet, aber nur eines davon öffentlich kommuniziert zu haben.

"Investoren waren besorgt über die Klimawandel-Auswirkungen und wollten Informationen", sagte Anklagevertreter Kevin Wallace in seinem Eröffnungsplädoyer. "Exxon hat ihnen viele Erklärungen geliefert, aber sie waren weder wahr noch korrekt." Der Schaden für Anleger betrage zwischen 416 Millionen und 1,16 Milliarden Dollar.

Noch 1997 hatte der Mineralölkonzern eine Anzeige in der "New York Times" geschaltet. Der Inhalt: Die Wissenschaft könnte nicht mit Sicherheit vorhersagen, ob und wie stark Temperaturen ansteigen. Welche Rolle vom Menschen verursachte Treibhausgase bei der Erderwärmung spielten, sei unbekannt.

Zudem habe Exxon behauptet, dass die Berechnungen zur klimatischen Entwicklung realistischer als jene der Konkurrenz seien, weil mögliche Schritte der Regierung zur Begrenzung des CO2-Ausstoßes eingerechnet würden.

Exxon-Anwalt Ted Wells wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete sie als "politisch motiviert". Der Konzern habe zwar zwei verschiedene Methoden angewandt, um die finanziellen Risiken des Klimawandels zu bestimmen. Es sei aber nicht darum gegangen, Anleger zu täuschen. Vielmehr hätten die verschiedenen Projektionen unterschiedlichen Zwecken gedient: Zum einen einer Prognose zu den Energiepreisen und der Nachfrage nach Energie, zum anderen zur Bestimmung möglicher Investitionskosten.

Schon 1982 Vorhersagen zum CO2-Anstieg

In dem Prozess, der von Umweltrechtsexperten als historisch beschrieben wird, dürfte auch der frühere Exxon-Chef und spätere US-Außenminister Rex Tillerson auftreten. Er arbeitete von 1975 bis 2016 bei Exxon.

Schon 2015 hatten Journalisten aufgedeckt , dass Exxon wusste: Ihr Geschäftsmodell fördert den Klimawandel. Der Konzern hatte die Vorwürfe damals bestritten. Aber auch eine Untersuchung von Forscher der Harvard University aus dem Jahre 2017 deckten die Recherchen der Reporter. Dafür wurden 72 wissenschaftliche Fachartikel von bei Exxon angestellten Forschern analysiert und mit Aussagen aus 36 bezahlten Anzeigen verglichen.

Und im Mai bestätigen Forscher die Daten erneut. Demnach habe Exxon bereits 1982 Prognosen zum CO2-Gehalt der Atmosphäre getroffen, die ziemlich genau den heutigen Messwerten entsprechen. Auch beim Temperaturanstieg lagen die Exxon-Experten nah an der Realität. Für das Jahr 2019 hatten sie die Temperatur um 0,9 Grad höher als zur vorindustriellen Zeit vorhergesagt. Dieser Wert wurde von der amerikanischen Wetter- und Ozeanbehörde NOAA 2017 tatsächlich gemessen.

joe/AFP
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