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Trockeneis: New York macht seine Ratten kalt

Foto: DON EMMERT/ AFP

Schädlingsbefall New York kämpft mit Trockeneis gegen Ratten

Seit Jahren leidet New York unter einer Rattenplage. Nun setzen Schädlingsbekämpfer erstmals Trockeneis gegen die Tiere ein - mit Erfolg. In Deutschland ist die Methode derzeit noch nicht zugelassen.

Laut einer Studie der Columbia University gibt es in New York etwa zwei Millionen Ratten. Seit Jahren sind die Tiere eine Plage in der 8,5-Millionen-Metropole. Die Nager überleben meist nur sechs bis sieben Monate in der Großstadt. Dennoch vermehren sie sich rasend. Ein Weibchen kann pro Jahr bis zu hundert Junge zur Welt bringen.

Derzeit arbeiten Schädlingsbekämpfer mit eine neue Methode, um die Ausbreitung der Tiere zu verhindern. Trockeneis - das ist die neuste Waffe der New Yorker Gesundheitsbehörden gegen die Rattenplage. Dabei wird die Substanz in den Rattentunnel geschaufelt - die Nager ersticken.

Rick Simeone, der Chef für Schädlingsbekämpfung, war zusammen mit seinem Team zuletzt auch im Sara D. Roosevelt Park an der Lower East Side in Manhattan im Einsatz. Zunächst hatten die Männer drei Stunden lang alle Eingänge zu den unterirdischen Höhlen der Nager ausfindig gemacht. 67 haben sie gefunden. Das bedeutet, dass mehr als 250 Rattus norvegicus, so der lateinische Name der Wanderratte, in dem Park zu Hause sind.

Im Video: Rattenplage in New York

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Loch für Loch arbeitet sich der Trupp voran und füllt es mit weißen, geruchslosen Trockeneis-Brocken, die wie Schneeklumpen aussehen. Die Lufttemperatur sorgt dafür, dass sich die Brocken - Kohlenstoffdioxid in fester Form - in Gas verwandeln, das in das Tunnelsystem der Nager eindringt. Die Ratten, die zu dieser Tageszeit gewöhnlich schlafen, ersticken. Erfolgsquote für die Schädlingsbekämpfer: 90 bis 100 Prozent. "Die Methode ist in Grünanlagen sehr effektiv", sagt Simeone. "Sonst heißt es immer, dass die Ratten den Kampf gewinnen. Aber damit ist es andersherum."

Trockeneis wird überwiegend als Kühlmittel eingesetzt. Aber 2012 experimentierte der Schädlingsbekämpfer John Stellberger als erster damit gegen Ratten, seit Sommer vergangenen Jahres ist es in den USA offiziell zugelassen. Nach ausgiebigen Tests hat sich New York Anfang des Jahres entschlossen, genauso wie Boston, Chicago und Washington, die Methode anzuwenden.

In Deutschland ist dieses Vorgehen noch nicht erlaubt. "Hier wäre das derzeit illegal. Es gibt kein zugelassenes Produkt zur Bekämpfung von Nagetieren mit Trockeneis", sagt Erik Schmolz, Experte für Schädlingsbekämpfung beim Umweltbundesamt. "Aber wir sind immer auf der Suche nach neuen, umweltfreundlicheren Methoden." Im Gegensatz zu Rattengift stellt Trockeneis keine Gefahr für andere Tiere dar.

In Berlin werden Ratten nach Angaben des Deutschen Schädlingsbekämpferverbandes hauptsächlich mit Gift und Schlagfallen bekämpft. 20.000 Einsätze gebe es etwa pro Jahr in der Hauptstadt, sagt der Berliner Verbandsvorsitzende Mario Heising.

Auch in New York ist die neue Methode nicht die Lösung für alle Rattenprobleme. Auf bebauten und zubetonierten Flächen sei es zu schwierig, die Rattenlöcher ausfindig zu machen, sagt Simeone. Im Juli stellte Bürgermeister Bill de Blasio einen 32 Millionen Dollar (27,6 Millionen Euro) teuren Plan gegen die Nagetiere vor. Der wichtigste Ansatzpunkt: Die Ratten vom Futter abschneiden. Mülleimer bekommen Deckel und sollen öfter geleert werden.

Robert Corrigan, Chef einer Firma für Schädlingsbekämpfung, bekannt als New Yorker "Rattenzar", unterstützt den Plan. "Wenn ich viele Ratten in einem Wohnblock sehe, frage ich nicht, 'Wo soll ich das Gift ausbringen?', sondern: 'Woher bekommen die Ratten ihr Futter?'", beschreibt Corrigan den neuen Ansatz.

Oder wie es Simeone formuliert: Beseitige den Müll, dann brauchst du kein Gift. Genau das raten auch die Berliner Behörden den Hauptstadtbewohnern zur Prävention: Keine Essensreste über die Toilette in den Kanal spülen und nirgendwo Müll liegen lassen.

Video: Rattenplage in Berlin

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joe/AFP