Gletscher-Analyse Die größte Wirtschaftskatastrophe der Geschichte

Kein Börsencrash, sondern eine Krankheit führte zur größten wirtschaftlichen Krise aller Zeiten. Außerdem in den Wissenschaftsnachrichten aus den USA: Gedankenleser und schlechte Nachrichten für Außerirdische.
Punta Gnifetti in den italienischen Alpen

Punta Gnifetti in den italienischen Alpen

Foto: imago/ robertharding
Foto: DER SPIEGEL/ Rick Friedman

Johann Grolle berichtet als Korrespondent für den SPIEGEL aus Boston. "Das ist die Welthauptstadt der Wissenschaft", sagt der langjährige Leiter des SPIEGEL-Ressorts Wissenschaft/Technik. An dieser Stelle schreibt er, was Forscher am MIT, der Harvard University und anderswo in den USA bewegt.

+++ Die größte Wirtschaftskatastrophe der Geschichte +++

Es war ein ökonomisches Weltenbeben, an dem gemessen die Weltwirtschaftskrise als Bagatelle gelten darf: Die größte Wirtschaftskatastrophe der Geschichte ereignete sich vor 668 Jahren, und ihre Spuren wiesen jetzt Historiker der Harvard-Universität nach. Gesucht hatten sie an einem der wenigen Orte, an dem die Menschen seinerzeit wohl wenig von der allgemeinen Untergangsstimmung merkten: im italienischen und im Schweizer Hochgebirge. Mit einer neuen, hochsensiblen Lasertechnik analysierten die Forscher die Bleikonzentration in Eiskernen aus Alpengletschern .

Die neue Methode erlaubt es, selbst in hochkomprimiertem Gletschereis die abgelagerten Schichten mit großer Zeitauflösung zu untersuchen. Das Ergebnis: Unabhängig von allen historischen Wechselfällen verunreinigt der Mensch schon seit dem Altertum die Atmosphäre mit Blei. Nur ein einziges Mal im Verlaufe der letzten Jahrtausende fiel die Konzentration in der Luft praktisch auf null: In den Pestjahren 1349 bis 1353. Eindrücklich belegt dieser Befund, dass nicht nur viele Millionen Menschen der Seuche zum Opfer fielen, sondern dass auch das wirtschaftliche Leben praktisch zum Stillstand kam.

+++ Kaum Chance auf außerirdisches Leben in der Milchstraße +++

Schlechte Nachrichten für Außerirdische: Viele Planeten der Milchstraße könnten unwirtlicher sein als erhofft. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler , die Daten aus zehnjährigen Beobachtungen des "Galex"-Satelliten durchforstet haben . Sie interessierten sich dabei für Materiestürme von Roten Zwergen.

Die Planeten dieser eher kleinen und im roten Wellenbereich leuchtenden Sterne gelten als bevorzugte Orte, um nach außerirdischen Lebensformen zu suchen. Denn Rote Zwerge sind die mit Abstand zahlreichsten Sterne der Milchstraße, und viele von ihnen werden von erdähnlichen Planeten umkreist.

Als Garten Eden taugen diese Himmelkörper möglicherweise trotzdem nicht, meinen nun die "Galex"-Forscher. Denn das regelmäßige Lodern von Plasma an der Oberfläche ihrer Muttersterne könnte die Atmosphäre dieser Planeten schwer schädigen und langfristiges Leben unmöglich machen.

+++ John F. Kennedy als Vorsitzender des Raucherclubs +++

Zum 100. Geburtstag von John F. Kennedy feiert die Harvard-Universität "ihren" US-Präsidenten. Unter dem Titel "JFK's Harvard - Harvard's JFK"  präsentiert sie in einer Ausstellung Dokumente, die belegen sollen, welch zentrale Rolle die Harvard-Universität  im Leben von John F. Kennedy spielte. Zu sehen sind Fotos, die "Jack" als Chairman des studentischen Raucherklubs oder inmitten seines Football-Teams zeigen. Vor allem aber wird die große Rede gewürdigt, die der damalige Senator des Bundesstaats Massachusetts vor den Studienabgängern des Jahres 1956 hielt.

Ganz selbstverständlich spricht Kennedy die frisch Graduierten als politische Elite der Zukunft an: "Ich bin zuversichtlich, vor den Herrschern Amerikas zu stehen." Mit Pathos beschwor er die Geistesverwandtschaft der politischen und der akademischen Welt: "Die ersten großen Politiker unserer Nation zählten zugleich zu den ersten großen Dichtern und Denkern unserer Nation. Die Begründer von Amerikas Verfassung waren auch die Begründer von Amerikas Wissenschaft."

Man mag bewundern, mit welchem Selbstbewusstsein Kennedy hier Intelligenz und Macht verknüpft. Oder man mag den elitären Akademiker-Dünkel tadeln. Sicher aber ist: Es spricht aus diesen Worten eine Geisteshaltung, die derjenigen von Kennedys gegenwärtigem Nachfolger im Weißen Haus nicht unähnlicher sein könnte.

+++ Fehlender Anstand, fehlende Reife +++

Irgendwo in den USA gibt es jetzt zehn Schüler, die ihren Harvard-Dünkel bereuen dürften. Sie hatten zu den 2056 Auserwählten gezählt, die für das nächste Semester eine Zusage der Elite-Universität erhalten hatten. Nun sind sie ihren Studienplatz wieder los.

Grund dafür sind Beiträge, die sie in einer Chatgruppe für "geile Harvard-Teenager" gepostet haben. Sie hielten es wohl für witzig, vom Sex mit Kindern zu prahlen, über den Holocaust zu albern oder einen Namen für das Hängen von Mexikanern zu erfinden: "pinata time". Das Zulassungs-Komitee der Harvard-Universität fand, dass diese Sprüche es an "Anstand, Reife und moralischem Charakter" fehlen ließen, wie sie fürs Studium unabdinglich seien.

Nicht gerechnet hatte das Harvard-Management damit, dass die Entscheidung, den zehn Schülern die Zulassung zu entziehen , eine heftige Debatte entfachen würde. Denn auch manch einer, der die Posts der Teenager widerwärtig findet, fragt sich nun: Verstößt eine so harte Bestrafung nicht gegen die Meinungs- und Redefreiheit?

+++ Forscher lernen Gedankenlesen +++

Niemand ist dem Ziel, Gedanken zu lesen, bisher näher gekommen als Doris Tsao vom Caltech in Pasadena. Sie hat Makaken Bilder von Gesichtern gezeigt und währenddessen die Signale von 205 Nervenzellen in der Großhirnrinde der Tiere aufgezeichnet. Sie konnte daraus ein Phantombild erstellen, das dem Bild, das die Affen sahen, verblüffend ähnlich sieht.

Möglich wurde dies, weil Tsao den Code geknackt hat, den das Gehirn bei der Analyse von Gesichtern verwendet . Auch das menschliche Hirn geht ihrer Hypothese zufolge demnach folgendermaßen vor: Begegnen wir irgendeinem Unbekannten, so vergleichen wir sein Gesicht mit einem abgespeicherten Durchschnittskonterfei. Jede einzelne Nervenzelle misst dabei die Abweichungen eines bestimmten Merkmals - etwa des Augenabstands, der Nasenbreite oder der Höhe der Wangenknochen. Aus der Gesamtheit von rund 50 solcher Parameter setzt das Gehirn dann den Gesamteindruck zusammen.

Der Algorithmus, den die Neuronen dabei benutzen, ähnelt übrigens auf bemerkenswerte Weise demjenigen, der auch in Programmen zur Gesichtserkennung verwendet wird. Es sieht also so aus, als hätten Programmierer und Natur denselben Trick zur Lösung desselben Problems gefunden.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.