Gehirn von Fußballern Neymar kickt auf Autopilot

Der brasilianische Starfußballer Neymar verdankt seine Ballkontrolle ungewöhnlicher Routine. Das zeigt eine Untersuchung seiner Hirnaktivität. Im Vergleich zu anderen Profis vollführt er komplexe Tricks fast automatisch.
Perfekte Ballkontrolle: Bewegungen im Fuß laufen bei Neymar automatisch ab

Perfekte Ballkontrolle: Bewegungen im Fuß laufen bei Neymar automatisch ab

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Was geht im Gehirn von Profisportlern vor, während sie die für ihren Sport typischen Bewegungen ausführen? Japanische Forscher haben die Hirnaktivität des brasilianischen Fußballstars Neymar mit der von drei weiteren Profifußballern und einem Amateurkicker sowie zwei Profischwimmern verglichen. Es zeigte sich: Neymars Hirn schaltete beim Fußballspielen auf Autopilot.

Der 22-jährige Brasilianer beanspruche beim Fußballspielen in den für die Fußbewegungen zuständigen Hirnregionen nur "sehr geringe neuronale Ressourcen" schreiben Eiichi Naito von der Osaka University und ein Kollege im Fachmagazin "Frontiers in Human Neuroscience" .

Für die Versuche der Forscher im Februar 2014 sollten alle Kandidaten ihren Knöchel gleich schnell - mit einer Umdrehung pro Sekunde - rotieren lassen. Bei allen Sportlern war dabei die für die Bewegung zuständige Region im Gehirn aktiv - jedoch in deutlich unterschiedlicher Intensität. Die Fußballergehirne mussten weniger arbeiten als die der Schwimmer und der Amateurkicker. Doch selbst unter den Profispielern stach einer heraus: Neymar da Silva Santos Júnior.

Coole Tricks dank eingespieltem Hirn

Beim Dribbeln und Umtänzeln seiner Gegner zeigte Neymar weniger als zehn Prozent der Aktivität, die ein Amateurkicker in ähnlichen Situationen benötigen würde. Eine Erklärung dafür könnten genetische Faktoren oder die Art des Trainings sein, vermutet Neurologe Naito.

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In der Zeitung "Mainichi Shimbun" erklärte der Forscher, eine reduzierte Gehirnaktivität bedeute eine geringere Belastung des Gehirns. Neymar sei es dadurch möglich, gleichzeitig verschiedene komplexe Bewegungen zu vollführen. "Wir glauben, dass ihm das die Fähigkeit zu seinen Tricks verleiht."

Allerdings ist Neymar wahrscheinlich nicht der einzige Fußballprofi, dessen Gehirn bei Fußarbeit auf Autopilot schaltet. Es sei durchaus wahrscheinlich, dass das Hirn anderer Ballkünstler wie Lionel Messi und Cristiano Ronaldo ähnlich tickt, sagte Naito laut "ABC News" . Die drei Vergleichsprofis aus der aktuellen Studie spielen in der zweiten spanischen Liga.

Dass schicke Tricks im Fußball allerdings nicht alles sind, zeigen zahlreiche Beispiele. Sportpsychologen sind sich seit Langem bewusst, dass neben den Bewegungsabläufen auch die Einstellung im Kopf stimmen muss. Körpersprache, Selbstbewusstsein, sicheres Auftreten, das zum Teil auch durch Spucken demonstriert wird - auch das spielt beim Fußball mit und ist manchmal entscheidend. Klar ist aber auch: Ohne routinierte Ballkontrolle gelingt auch dem mental stärksten Spieler nichts.

jme/AFP
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