Niederlande Renommierter Psychologe gesteht Fälschungen

Diederik Stapel hat zahlreiche Studien veröffentlicht, die für Schlagzeilen sorgten. Doch nun hat sich herausgestellt: Der niederländische Forscher hat in großem Maßstab Daten gefälscht.
Diederik Stapel: "Ich habe Daten verändert und Forschung gefälscht."

Diederik Stapel: "Ich habe Daten verändert und Forschung gefälscht."

Foto: Tilburg University

Hamburg - Diederik Stapel war fleißig in den vergangenen Jahren. Mehr als 150 wissenschaftliche Studien veröffentlichte der niederländische Psychologe seit 2004, einige davon auch in den renommiertesten Fachzeitschriften der Welt. Wie etwa eine Untersuchung, dass Unordnung Vorurteile wachsen lässt, die im April in "Science" erschien.

Doch der Sozialpsychologe hat offensichtlich nur wenige echte Erkenntnisse durch die Forschung gewonnen - tatsächlich ist ein Teil seiner Studien gefälscht, was Stapel inzwischen zugegeben hat.

"Ich habe Daten verändert und Forschung gefälscht. Nicht nur einmal, sondern viele Male, und nicht nur kurz, sondern über eine lange Zeitspanne", sagt Stapel in einer Stellungnahme, die die niederländische Zeitung "Brabants Dagblad"  veröffentlicht hat. Er schäme sich und bedauere die Ereignisse sehr. Bereits im September wurde er als Professor an der Universität von Tilburg suspendiert, als eine Kommission begann, die Vorfälle zu untersuchen. Sie hat nun einen ersten Bericht vorgelegt, demzufolge der Anteil der Fälschungen beträchtlich ist.

Zum Teil hat Stapel wohl Forschungsergebnisse so verändert, dass sie besser zu seiner These passten - zum Teil hat er gar keine Experimente durchgeführt, sondern die Daten schlicht erfunden. Diese Datensätze legte er anscheinend seinen Mitarbeitern vor, ohne die Herkunft weiter zu erklären.

"Ich wollte zu viel, zu schnell"

"Ich konnte den Druck nicht aushalten, Erfolge zu erzielen, Studien zu veröffentlichen, immer besser zu sein. Ich wollte zu viel, zu schnell", wird Stapel zitiert. "In einem System, in dem wenig kontrolliert wird und Menschen oft alleine arbeiten, habe ich den falschen Weg eingeschlagen."

Ganz allein hat der Psychologe indes nicht gearbeitet. Er hatte Mitarbeiter, Studenten, die in seiner Arbeitsgruppe promoviert haben. Laut einem Bericht des zu "Science" gehörenden "Science Insider" kamen erste Hinweise auf Stapels Fehlverhalten von drei Nachwuchsforschern. Im Nachhinein waren sie nicht die Ersten, die solche Vorwürfe machten - aber die Ersten, die ernst genommen wurden.

Die Universität von Amsterdam, an der Stapel promoviert hat, hat bisher nicht entschieden, ob sie Stapel den Doktortitel entzieht. Ob der Forscher angeklagt wird - etwa wegen des Missbrauchs von Forschungsgeldern -, ist ebenfalls noch unklar.

Immerhin eine Sorge konnte der britische Sozialpsychologe Miles Hewstone beschwichtigen: Der Schaden für das Forschungsfeld an sich sei gering, sagte der Forscher gegenüber "Nature News". Beim Verfassen eines Buches über Sozialpsychologe habe er am Ende festgestellt, dass die Arbeiten von Stapel nicht so wichtig gewesen seien, wie er davor gedacht habe.

wbr/Reuters
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