Nikotinfrei Pille gegen das Rauchen bald in Deutschland erhältlich

In 14 Tagen soll das Medikament mit dem Namen "Zyban" in Deutschland auf den Markt kommen. Vorerst wird das verschreibungspflichtige Präparat allerdings nicht von den Krankenkassen bezahlt werden.

Das Präparat mit dem Namen "Zyban" soll die Lust an der Zigarette nehmen, das Verlangen nach Nikotin dämpfen und Entzugserscheinungen wie schlechte Laune, Konzentrationsstörungen und Gewichtszunahme mildern, so der Hersteller Glaxo-Wellcome. Auf einer Pressekonferenz erklärte der Pharmakonzern, "Zyban" sei etwa doppelt so wirksam wie ein Nikotinpflaster.

Die Effektivität wurde die in einer kontrollierten Studie an 893 schweren und langjährigen Rauchern untersucht. Sie wurden in vier Gruppen eingeteilt, die entweder ein Scheinmedikament (Placebo), ein Nikotinpflaster, "Zyban" oder eine "Zyban"-Plaster-Kombination erhielten. Nach einem Jahr waren noch 15,6 Prozent der Placebo- und 16,4 Prozent der Pflastergruppe nikotinfrei. Die "Zyban"-Gruppe kam auf 30,3 Prozent und die Kombinationsgruppe sogar auf 35,5 Prozent.

"Das gilt unter Suchtexperten als ausgezeichnetes Ergebnis", sagte Hans-Ulrich Wittchen vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München. Eine weitere Steigerung erwarten die Experten von einer verhaltenspsychologischen Begleitung der Ausstiegswilligen in Form eines Begleitheftes.

In den USA wird "Zyban" seit 1997 zur Behandlung von Rauchern eingesetzt und ist auch in einigen europäischen Ländern schon erhältlich.

Das verschreibungspflichtige Medikament wird vorerst noch nicht von den Krankenkassen bezahlt. Die Kosten für eine Tagestherapiedosis sollen vermutlich dem Preis einer Schachtel Zigaretten entsprechen. Die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren  (DHS) forderte unterdessen, dass die Krankenkassen die Kosten für das Präparat übernehmen müssten. Die Abhängigkeit von Zigaretten sei als Krankheit anerkannt, erklärte Geschäftsführer Rolf Hüllinghorst, daher müssten Verordnung und Medikament vergütet werden.

Angesichts der dramatischen Schäden, die durch Tabakkonsum verursacht würden, sei jede Initiative zum Stopp des Rauchens begrüßenswert, so Hüllinghorst. Rund 6,8 Millionen Menschen in Deutschland rauchen nach Angaben der DHS mehr als 20 Zigaretten pro Tag.

Nikotin bewirkt eine abnorme Steuerung der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin im Gehirn. Das neue Medikament "Zyban" soll diese Botenstoffe auf einem konstant niedrigen Niveau halten. Als mögliche Nebenwirkungen der Therapie wurden Mundtrockenheit, Schwindel und Schlafstörungen genannt.

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