Stockholm Nobelpreis für Physik geht an Deutschen Klaus Hasselmann

Es ist der renommierteste Wissenschaftspreis der Welt: Die Physiker Klaus Hasselmann, Syukuro Manabe und Giorgio Parisi werden für ihre Arbeiten zur Klimaforschung ausgezeichnet.
Nobelpreisträger Manabe, Hasselmann und Parisi (v.l.)

Nobelpreisträger Manabe, Hasselmann und Parisi (v.l.)

Foto: Ill. Niklas Elmehed / Nobel Prize Outreach

Die Folgen des Klimawandels beschäftigen die Menschen derzeit überall auf der Welt, nun auch die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm. Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an den Deutschen Klaus Hasselmann sowie den amerikanisch-japanischen Forscher Syukuro Manabe und den Italiener Giorgio Parisi. Sie werden für ihre Modelle zum Erdklima ausgezeichnet und zum Verständnis komplexer physikalischer Systeme, hieß es zur Begründung.

Hasselmann forschte am Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie, dessen Direktor er bis 1999 war. Die Arbeiten des 89-Jährigen haben maßgeblich zum Verständnis der globalen Erwärmung und zum Beitrag des Menschen aufgrund von Kohlendioxidemissionen an dieser Entwicklung beigetragen. Seine Modelle verknüpften Klima- und Wetterentwicklungen miteinander und zeigten, dass solche Simulationen trotz wechselhaftem und chaotischem Wetter zuverlässig sein können.

»Ich bin noch ganz überrascht. Ich will gar nicht aufwachen, für mich ist das ein schöner Traum«, sagte Hasselmann der Nachrichtenagentur Reuters. »Ich bin ja jetzt pensioniert und in letzter Zeit war ich ein bisschen faul. Ich freue mich über die Ehre. Die Forschung geht weiter«, so die Reaktion des gebürtigen Hamburgers.

Computer-Pionier für Klimamodelle

Hasselmann erhält den Preis zusammen mit Manabe zur Hälfte. Der amerikanisch-japanische Meteorologe arbeitete lange bei einer Vorläuferorganisation der Wetter- und Ozeanografie­behörde NOAA in den USA und erforschte, wie ein erhöhter Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre zu erhöhten Temperaturen an der Erdoberfläche führen. Der 90-jährige Wissenschaftler von der Princeton University gilt als Pionier bei der Verwendung von Computern zur Erstellung von komplexen Klima-Simulationen ab den Sechzigerjahren. Die andere Hälfte des Preises geht an Giorgio Parisi von der Universität La Sapienza in Rom für die »Entdeckung des Zusammenspiels von Unordnung und Fluktuationen in physikalischen Systemen vom atomaren bis zum planetarischen Maßstab«.

Die Arbeit des 73-Jährigen ermöglichte ein besseres Verständnis von komplexen Systemen und legte damit nicht nur den Grundstein für bessere Klimamodelle, sondern lieferte auch Erkenntnisse, die für die Mathematik, Biologie, Neurowissenschaften und maschinelles Lernen wertvoll sind. Mit Blick auf den Klimawandel sagte er während der Bekanntgabe des Preises, dass klar sei, dass »wir für künftige Generationen jetzt sehr schnell handeln müssen«.

Physiker Hasselmann

Physiker Hasselmann

Foto: J.j. Guillen / dpa

In den vergangenen Jahren war der Physik-Nobelpreis von Astronomen geprägt. 2020 wurden der deutsche Physiker Reinhard Genzel und die US-Amerikanerin Andrea Ghez ausgezeichnet, die das supermassereiche schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße entdeckten. Zudem wurde der Brite Roger Penrose , der erkannte, dass die Bildung von schwarzen Löchern eine Vorhersage der Allgemeinen Relativitätstheorie ist, ausgezeichnet. Im Vorjahr triumphierten der kanadisch-amerikanische Kosmologe James Peebles für Erkenntnisse zur Entwicklung des Universums sowie die Schweizer Astronomen Michel Mayor und Didier Queloz. Sie entdeckten den ersten Exoplaneten, der um einen sonnenähnlichen Stern kreist.

Bereits am Montag waren die Nobelpreisträger für Medizin bekannt gegeben worden. Diese Auszeichnung geht diesmal an David Julius (USA) und den im Libanon geborenen Ardem Patapoutian. Die beiden Forscher haben Zellrezeptoren entdeckt, über die Menschen Temperaturen und Berührungen wahrnehmen. Der Nobelpreis für Chemie wird am Mittwoch vergeben. Wie im Vorjahr sind die Nobelpreise mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 980.000 Euro) pro Kategorie dotiert. Verliehen werden die prestigeträchtigen Nobelmedaillen und Diplome traditionell am 10. Dezember, dem Todestag von Preisstifter und Dynamit-Erfinder Alfred Nobel.

Der Physik-Nobelpreis wird seit 1901 vergeben. Die erste Auszeichnung erhielt der deutsche Physiker Wilhelm Conrad Röntgen für die Entdeckung der »X-Strahlen«, der später nach ihm benannten Röntgenstrahlen. Bisher erhielten 215 Preisträger Physik-Nobelpreise, darunter aber nur vier Frauen. Der US-Forscher John Bardeen wurde gleich zweimal geehrt.

joe/Reuters
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