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06. Oktober 2013, 13:27 Uhr

Nobelpreisträger

Die Jungspunde aus dem Physiklabor

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Der typische Nobelpreisträger ist 58 Jahre alt und männlich. Doch das gilt längst nicht für alle Fachgebiete, wie die Analyse sämtlicher Preisträger seit 1901 zeigt. Und wie immer finden sich am äußersten Rand der Statistik die spannendsten Geschichten.

So lange hält kaum ein Rekord: Fast hundert Jahre ist es her, dass Lawrence Bragg mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurde. Mit 25 Jahren. Gemeinsam mit seinem Vater William hatte Bragg ein Verfahren entwickelt, das die Analyse von Kristallstrukturen mit Hilfe von Röntgenstrahlen ermöglichte. Bis heute ist der Brite der einzige Preisträger unter 30 Jahren - und die Datenanalyse zu allen Nobelpreisträgern seit 1901 lässt vermuten, dass es auch dabei bleiben dürfte.

Denn die Forscher werden in immer höherem Alter ausgezeichnet. Ihren 60. Geburtstag hatten bis 1970 nur wenige Laureaten bereits hinter sich, mittlerweile sind die jüngeren die Ausnahme. Dabei unterscheiden sich die Disziplinen deutlich. Junge Forscher kamen in der Physik am häufigsten zum Zug: Jeder achte Nobelpreisträger in diesem Fach war jünger als 40, das durchschnittliche Alter lag bei knapp 54 Jahren. Wer dagegen die Auszeichnung in den Bereichen Wirtschaft oder Literatur entgegennehmen durfte, war im Schnitt etwa zehn Jahre älter.

Während der Rekord des jüngsten Preisträgers schon sehr lange hält, ist das entgegengesetzte Extrem noch ganz frisch. Erst seit 2007 taucht auf der Liste der nunmehr 839 Nobelpreisträger ein 90-Jähriger auf: der Wirtschaftswissenschaftler Leonid Hurwicz, der ein Teilgebiet der Spieltheorie mitbegründet hat. Der US-Amerikaner konnte sich an der Auszeichnung allerdings nur kurze Zeit freuen, er starb 2008.

Doch fernab dieser Extreme tendieren auch Nobelpreisträger zum Durchschnitt. Rund um den Mittelwert von fast 59 Jahren gruppieren sich Altersstufen, die überdurchschnittlich häufig vorkommen - allen voran 56 und 63 Jahre. Es scheint also ein besonders günstiges Alter für den Nobelpreis zu geben - nach vielen Jahren der Forschung, kurz vor Ende der Karriere.

Damit verringert sich auch die Gefahr, dass die ausgezeichnete Leistung später von einer neuen Arbeit desselben Preisträgers in den Schatten gestellt wird. Bislang kam das immerhin viermal vor: Unter den doppelt Geehrten finden sich etwa der Friedensnobelpreisträger und Chemiker Linus Pauling sowie Marie Curie, die den Nobelpreis 1903 und 1911 in den Fachgebieten Chemie und Physik bekam.

Für das Verständnis radioaktiver Strahlung legte Curie wichtige Grundsteine - und sorgte zugleich dafür, dass die Frauenquote unter den Nobelpreisträgern zumindest ein wenig gestärkt wurde. Fünf Prozent der Ausgezeichneten waren bislang weiblich, nur 44 von insgesamt 839 Preisträgern. Immerhin jede dritte Ausgezeichnete bekam den Nobelpreis in den vergangenen zehn Jahren. Setzt sich dieser Trend fort, dürften sich die Verhältnisse also weiter in Richtung Gleichstand verschieben.

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