Nobelpreisträger Ketterle "Das wird mein Leben ändern"

Erst die Glückwünsche entgegennehmen und dann die Tochter zur Schule bringen: Der in Heidelberg geborene Physik-Nobelpreisträger Wolfgang Ketterle hat auf die plötzliche Aufmerksamkeit mit der ihm eigenen Bescheidenheit reagiert.

Mit dem frühmorgendlichen Anruf vom Nobelkomitee in Stockholm ging für den deutschen Physiker Wolfgang Ketterle am Dienstag "ein Traum in Erfüllung". Gleichzeitig ist dem gebürtigen Heidelberger mulmig zumute, wie er in einem Telefongespräch gestand. "Oh Mann, das wird mein Leben ändern", ging ihm sofort durch den Kopf.

Der seit mehr als zehn Jahren in den USA lebende Ketterle erwartet unter anderem, künftig als Sprecher für sein Feld im Rampenlicht zu stehen. "Wahrscheinlich zieht unser Erfolg mehr Studenten an, und wir haben Aussicht auf mehr Forschungsgelder", freut er sich. Er sei enorm dankbar, sagte der Wissenschaftler weiter, für alle, die ihn auf seinem Weg unterstützt hätten, seiner Familie, seinen Kollegen, seinem Doktorvater.

Mehr Zeit für das Gespräch nahm sich der Forscher, der zusammen mit den US-Amerikanern Eric Cornell und Carl Wieman für seine Arbeiten zur so genannten Bose-Einstein-Kondensation ausgezeichnet wurde, nicht. "Meine Tochter muss jetzt zur Schule", die nächsten Minuten gehörten ihr.

Ketterle lebt mit seiner Frau Johanna und drei Kindern in Brookline im US-Bundesstaat Massachusetts, 15 Autominuten von seinem Arbeitsplatz an der Elite-Uni MIT (Massachusetts Institute of Technology) entfernt. Dorthin war der Forscher 1990 einem Ruf gefolgt. Sein jüngster Sohn Holger kam zwei Jahre später zur Welt. "Er ist ein richtiger Amerikaner", sagt Johanna Ketterle stolz.

Stolz macht sich auch in der Wohnung von Ketterles Eltern breit. Der frisch gekürte Physik-Nobelpreisträger hatte seinen Vater und seine Mutter am Dienstagmorgen telefonisch über die gute Nachricht informiert. "Wir sind froh und stolz" berichtet Vater Manfred Ketterle. Die Auszeichnung sei natürlich nicht zu erwarten gewesen. "Aber Wolfgang hat immer sehr hart gearbeitet."

Der Sohn habe sich seit frühester Kindheit für Physik interessiert und sei ein sehr guter Schüler in allen Fächern gewesen. "Fleißig und ehrgeizig war er immer. Aber wir haben drei Kinder und fanden das normal", sagt der 74-Jährige. Ein Genie sei Wolfgang nicht gewesen - "und er ist auch immer ein normaler Mensch geblieben".

Die Eltern Gertrud und Manfred sehen ihren Sohn, der vor zehn Jahren nach Amerika ging, regelmäßig. Jetzt aber wollen sie ihm erst einmal Zeit geben, die Nachricht zu verdauen. "Wir gratulieren ihm und freuen uns mit ihm, das ist die Hauptsache", sagt Manfred Ketterle. Ohnehin muss er erst einmal am Telefon sitzen bleiben. Die Leitung steht seit Bekanntgabe der guten Nachricht nicht mehr still.

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