Nobelpreisträger Rowland Ozonschicht-Retter mit 84 gestorben

Die Entdeckung half dabei, die Ozonschicht vor weiterer Zerstörung zu bewahren: Der US-Chemiker Frank Sherwood Rowland und seine Kollegen stellten fest, wie gefährlich die weitverbreiteten FCKW für die Umwelt waren. Der mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Forscher starb am Samstag.

Frank Sherwood Rowland (Archivbild von 1989): Der Chemiker starb am 10. März
AP/University of California Irvine

Frank Sherwood Rowland (Archivbild von 1989): Der Chemiker starb am 10. März


Der Chemiker und Nobelpreisträger Frank Sherwood Rowland ist am Samstag im Alter von 84 Jahren gestorben. Wie die University of California in Irvine, mitteilt, erlag er seiner Parkinson-Erkrankung, bei der es zu Komplikationen kam. Rowland starb zu Hause im Kreise seiner Familie.

Rowland hatte 1995 zusammen mit Mario Molina und Paul Crutzen den Nobelpreis für Chemie erhalten. Rowland und Molina hatten Mitte der siebziger Jahren entdeckt, dass Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) die schützende Ozonschicht in der Stratosphäre schädigen können. FCKW wurden damals in zahlreichen Produkten verwendet, etwa als Treibmittel in Sprühdosen und als Kühlmittel in Kühlschränken. Im Jahr 1976 gelangten laut Umweltbundesamt allein in der Bundesrepublik Deutschland 53.000 Tonnen FCKW aus Spraydosen in die Atmosphäre.

"Mario und mir war klar, dass dies nicht nur eine wissenschaftliche Frage war, sondern ein schwerwiegendes Umweltproblem", sagte Rowland einmal. "Komplette biologische Systeme, die Menschen eingeschlossen, wären der Gefahr der UV-Strahlung ausgesetzt."

Rowland und seine Kollegen, die sich für ein Verbot der Chemikalien einsetzten, stießen daher auf starken Widerstand. Beispielsweise spekulierte die Fachzeitschrift "Aerosol Age", dass Rowland ein Mitglied des russischen KGB sei, der den Kapitalismus zerstören wolle. Die Entdeckung des Ozonlochs über der Antarktis untermauerte allerdings die Thesen der Forscher.

1987 unterzeichnete eine Reihe von Staaten das Montrealer Protokoll, in dem sie sich verpflichteten, den Einsatz der Ozonschicht-schädigenden Substanzen zu senken, bis Ende 2006 hatten es 191 Staaten ratifiziert.

In den vergangenen Jahrzehnten beschäftigte sich Rowland mit weiteren Umweltproblemen. Er untersuchte die Auswirkungen von Methan und anderen Treibhausgasen in der Atmosphäre. Seine letzte wissenschaftliche Veröffentlichung behandelte die Luftverschmutzung über dem Golf von Mexiko nach der Deepwater-Horizon-Katastrophe.

Wie die University of California mitteilte, arbeitete Rowland noch in diesem Jahr in seinem kleinen Büro im obersten Stockwerk des Universitätsgebäudes, das nach ihm benannt wurde. Und bis zum Alter von 80 Jahren unterrichtete er Erstsemester in Chemie.

"Wir haben unseren besten Freund und Mentor verloren", teilte Kenneth Janda, der physikalischen Fakultäten mit. "Er rettete die Welt vor einer großen Katastrophe: Er war unerschütterlich in seiner Hingabe an die Wissenschaft, die Wahrheit und die Menschheit und dabei immer integer und würdevoll."

wbr/dapd



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