Auf der Suche nach Nofretete Neue Radar-Scans deuten auf versteckte Grabkammer hin

Gibt es doch noch mehr Räume in Tutanchamuns Grab? Das legen neue Radar-Scans von Archäologen nahe - das schürt Hoffnungen bei Nofretete-Fans.
Foto: Fabrizio Bensch/ REUTERS

Spekulationen um das Grab der "schönsten Frau des alten Ägypten" bekommen neue Nahrung: Archäologen haben mit Radartechnik zwei Hohlräume im Grab von Tutanchamun entdeckt. Ob es sich dabei um weitere Grabkammern handelt, ist aber noch ungewiss, wie es in einer Veröffentlichung von Nature  heißt.

Das Team von Archäologe Mamdouh Eldamaty, ehemaliger ägyptischer Minister für Altertümer, hat mit Hilfe eines Bodenradarscans (Ground Penetrating Radar, GPR) in gleicher Tiefe unterirdische Hohlräume entdeckt, die rund zwei Meter hoch und zehn Meter lang sind. Sie sollen nur wenige Meter von der Grabkammer entfernt liegen. Unklar ist, ob die Räume mit Tutanchamuns Grab verbunden sind oder es sich hier um ein benachbartes Grab handeln könnte. Man habe umgehend den Obersten Rat für Altertümer (SCA) in Ägypten informiert.

Die Nature-Autoren hatten Einblick in einen ersten Bericht der Archäologen, die im Tal der Könige in Ägypten weiter nach der letzten Ruhestätte von Nofretete suchen. Sie war die Ehefrau des Pharaos Echnaton und später kurzzeitig Alleinherrscherin über das Land am Nil. Sie lebte im 14. Jahrhundert vor Christus.

Hinweise auf eine mögliche weitere Kammer gefunden zu haben, sei unglaublich aufregend, erklärte der Ägyptologe Ray Johnson vom Oriental Institute der Universität Chicago. Andere Experten reagierten eher verhalten. Der Streit um die Grabtheorie von Nofretete könnte wieder aufleben.

Forscher vermuten zwei Hohlräume hinter den Wänden des Pharao-Grabes (rötlich gekennzeichnet). Eine Theorie der Archäologen besagt, dass dort Nofretete begraben liegt.

Forscher vermuten zwei Hohlräume hinter den Wänden des Pharao-Grabes (rötlich gekennzeichnet). Eine Theorie der Archäologen besagt, dass dort Nofretete begraben liegt.

Foto: Quelle:nature.com; Illustration: DER SPIEGEL

Große Hoffnungen, ernüchternde Scans

Vor rund zwei Jahren hatten Spezialisten der italienischen Universität Turin mit drei verschiedenen Radaranalysen nachgewiesen, dass es keine weiteren Kammern gebe. Die Enttäuschung war daraufhin groß.

Der Brite Nicholas Reeves, Ägyptologe an der University of Arizona, stellte 2014 die Theorie auf, dass Nofretetes Grab hinter Tutanchamuns Ruhestätte liegen könnte. Reeves hatte Linien an den Wänden des Grabes entdeckt, die angeblich die Umrisse zweier Durchgänge in weitere Kammern sein sollten.

Ein Jahr später analysierten die Forscher die Wände mit einer Wärmebildkamera und bestätigten Reeves Verdacht. Auch 2016 war man weiter optimistisch, als Archäologen aufgrund von hochauflösenden Radaraufnahmen unregelmäßige Strukturen entdeckten und davon ausgingen, dass hinter Tutanchamuns Gruft zwei weitere verborgene Kammern liegen müssen. Daraufhin stritten die Forscher darüber, ob in diesen die legendäre ägyptische Königin Nofretete begraben sein könnte.

Nach der Theorie, die sich bis heute hartnäckig hält, könnte das Grab Tutanchamuns nur die Vorkammer des Nofretete-Grabes sein. Der Kindkönig Tutanchamun starb schon mit 19 Jahren und hat eine auffällig kleine Grabkammer. Nofretete hingegen war die Gemahlin des Pharaos Echnaton und später Alleinherrscherin über das Reich am Nil. Ihre letzte Ruhestätte wurde aber nie gefunden. Der Brite Nicolas Reeves glaubt weiter an diese Version. Er begrüßte gegenüber Nature die neue Entdeckung.

Die Forscher hoffen weiterhin einen Sensationsfund zu machen. Die Entdeckung von Nofretetes Grab würde die größte archäologische Sensation überhaupt sein, glaubt der britische Ägyptologe Nicholas Reeves. Mittlerweile ist es 100 Jahre her, seit der Stararchäologe Howard Carter die Grabkammer des Pharaos Tutanchamun entdeckte. Es war einer der größten Funde des 20. Jahrhunderts.

sug
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