Nordpol Das Eis ist zurück

Vom "geschmolzenen Nordpol", den im vergangenen Jahr viele vorschnell postulierten, ist nichts mehr zu sehen. Deutsche Forscher entdeckten in der Arktis vielmehr ungewohnt dicke Eisschichten.


Noch vergangenes Jahr klaffte am Nordpol ein riesiges Wasserloch mitten im Meereispanzer. Von vielen wurde es als bedrohliches Indiz für die globale Klimaerwärmung gewertet.

Nordpolregion (im August 2000): Die Legende vom geschmolzenen Eis
AP

Nordpolregion (im August 2000): Die Legende vom geschmolzenen Eis

In diesem Jahr jedoch machte die Besatzung des deutschen Forschungseisbrechers "Polarstern" genau die gegenteilige Erfahrung. Das Schiff kämpfte sich durch 3,5 Meter dickes Eis. "Die Fahrt verlangte volle Maschinenleistung und höchste Konzentration", berichtet der Kapitän des Schiffes, Jürgen Keil, der Anfang dieses Monats das arktische Ziel erreichte.

Mit an Bord waren Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI), die Zweifel an der Theorie vom schmelzenden arktischen Meereis hegen. Deshalb bestimmten sie mit einem neu entwickelten, elektromagnetischen Messinstrument die Dicke des Eises. Das Gerät baumelt 10 bis 20 Meter über dem Eis an der Seilwinde eines Helikopters. So lassen sich auch die riesigen Presseisrücken in ihrem Ausmaß erfassen, die sich an den Bruchstellen zwischen zwei Eisschollen auftürmen.

"Bisher ließ sich lediglich die Gesamtfläche des Eises per Satellit ermitteln, nun werden wir sein Volumen erfassen", erklärt Peter Lemke, Klimaforscher am AWI. Zur langfristigen Beobachtung der Eismenge wollen die Klimatologen dann gemeinsam mit der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA in drei Jahren den Forschungssatelliten "CryoSat" starten.



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