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Schacht in die Vergangenheit: Tiefster Brunnen der Steinzeit

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Nordrhein-Westfalen Tiefster Steinzeit-Brunnen Europas geborgen

20 Tonnen wiegt allein sein Boden aus Eichenholz: Im Rheinland haben Archäologen den mit 15 Metern bislang tiefsten Brunnen aus der Steinzeit gehoben - er ist rund 7100 Jahre alt. In dem Schacht warten offenbar weitere Entdeckungen.

Niederzier - Der tiefste aus der Steinzeit stammende Brunnen Europas ist am Dienstag am Rande des Braunkohletagebaus Hambach in Nordrhein-Westfalen geborgen worden. Der rund 7100 Jahre alte Brunnen ist 15 Meter tief und aus Eichenholz. 1,20 Meter des Brunnenkastens sind noch am Stück erhalten, wie der Landschaftsverband Rheinland (LVR) weiter berichtete.

Der Verband stuft den Fund, der bereits 2006 gemacht wurde, als "sensationell und von großer wissenschaftlicher Bedeutung" ein. Die im Brunnenblock befindlichen Überreste aus der Zeit um 5100 vor Christus sollen nun gründlich untersucht werden, bevor der Brunnen ins LVR-Landesmuseum nach Bonn gebracht und wenn möglich ausgestellt werden soll.

Den "Fund des Jahres" nennt Milena Karabaic, Leiterin des LVR-Dezernats für Kultur und Umwelt, die Ausgrabung. Denn gefunden haben sie "vielleicht den ältesten Brunnen des Rheinlandes", sagt sie in der Hoffnung auf die Untersuchungsergebnisse der Uni Köln.

20 Tonnen wiegt allein der 1,20 Meter hohe Boden. Ein schwerer geländegängiger Raupenkran hat den Block am Rande des Braunkohletagebaus Hambach geborgen.

"Speicherkarte aus der Steinzeit"

Im Labor des LVR werden nun Stücke des gefundenen Holzes untersucht. Mittels der Jahresringe soll das Alter der Eichenbretter bestimmt werden, aus denen der Brunnen gebaut wurde. Dass Teile des Holzes nach mehr als 7000 Jahren überhaupt noch vorhanden seien, liege einzig daran, dass sie ständig im Wasser lagen und ohne Zufuhr von Sauerstoff konserviert wurden, sagt Wolfgang Gaitzsch, Leiter der Ausgrabung. Und mit ihnen Spuren der Lebensweise der damaligen Zeit, der Zeit der Bandkeramiker. Die Menschen der Jungsteinzeit schmückten etwa 5500 bis 4900 vor Christus handgeformte Tongefäße mit eingeritzten Bandverzierungen.

Im Sediment des Brunnens kann alles liegen: Werkzeugstücke, Feuersteinklingen, organisches Material wie Steinzeit-Insekten, vielleicht sogar Keramiken, Geflechte oder Lederutensilien. "Speicherkarte aus der Steinzeit" nennt Gaitzsch deshalb den Brunnenboden, der nun erst einmal vier bis fünf Monate auf dem Gelände von RWE Power in Niederzier im Kreis Düren untersucht wird, bevor er für weitere Forschungen ins LVR-Landesmuseum nach Bonn gebracht wird.

Einer aber ist an diesem Tag besonders glücklich: Jan Janssens, der technische Grabungsleiter des LVR. Er hatte 2006 die Siedlung der Bandkeramiker entdeckt und die Mulde im Erdboden, die auf den Brunnen schließen ließ. Er war 2008 dabei, als man neben dem mutmaßlichen Brunnen in die Tiefe graben ließ und sich die Hoffnungen bestätigten. Jetzt ist der Brunnen abtransportiert. Janssens hat alles fotografiert. "So einen Fund", sagt der 58-Jährige, "macht man als Archäologe nur einmal in seinem Leben. Und da muss man schon viel Glück haben."

boj/dapd
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