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Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Kurt Stukenberg

SPIEGEL-Klimabericht Klimaleck am Meeresgrund

Kurt Stukenberg
Von Kurt Stukenberg, Ressortleiter Wissenschaft
Mehrere Tausend Tonnen Erdgas sind durch die Beschädigungen der Nord-Stream-Pipelines in die Umwelt gelangt. Der Klimaeffekt ist überraschend groß.

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Welt rätselt, spekuliert, debattiert, wer hinter der Sabotage der Nord-Stream-Pipelines steckt . Eine unmittelbare Folge des Lecks steht indes schon fest: die Auswirkungen aufs Klima.

Die in den drei beschädigten Röhren enthaltene Erdgasmenge liege bei schätzungsweise etwa 328.000 Tonnen, die potenziell in die Umwelt gelangen könnten, sagte Gregor Rehder vom Leibniz Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) im Gespräch mit dem SPIEGEL . Erdgas besteht vor allem aus dem schädlichen Klimagas Methan.

Aber was heißt das konkret?

Sämtliches Methan in den Röhren war einmal für die Verbrennung bestimmt – man könnte also argumentieren, gefördert ist es ohnehin, für das Klima also kein zusätzlicher Schaden entstanden. Allerdings ist nun nicht CO₂ in die Atmosphäre entwichen, wie es bei der Gasverbrennung der Fall ist, sondern das ungenutzte Methan.

Je nach Zeitspanne ist der Klimaschaden durch das Gas deutlich höher: Auf 20 Jahre betrachtet wirkt es 84 Mal so stark wie Kohlendioxid, auf 100 Jahre gerechnet immerhin noch 28 Mal.

Für eine bessere Einordnung, kann man die Menge Methan wieder in CO₂-Äquivalente umrechnen – das Umweltbundesamt kommt so auf Emissionen von etwa 7,5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Das entspricht etwa einem Prozent der deutschen Jahres-Gesamtemissionen. Zum Vergleich: 2018, vor Beginn der Coronakrise, war der innerdeutsche Flugverkehr für zwei Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente jährlich verantwortlich.

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Gasleck an der Pipeline Nordstream 2, Aufnahme vom 27. September: Je nach Zeitspanne, ist der Klimaschaden durch das Gas deutlich höher

Gasleck an der Pipeline Nordstream 2, Aufnahme vom 27. September: Je nach Zeitspanne, ist der Klimaschaden durch das Gas deutlich höher

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Danish Defence Command / Forsvaret Ritzau Scanpix / REUTERS

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Bleiben Sie zuversichtlich,

Ihr Kurt Stukenberg

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