Obama-Nano-Kunst Großer Mann ganz klein

Alle lieben Barack Obama - auch viele Wissenschaftler. Nun hat ein Nanomechaniker dem künftigen US-Präsidenten ein ganz besonderes Denkmal gesetzt: Aus Nanoröhrchen hat er Obama-Porträts gebastelt, die nur unter dem Mikroskop sichtbar sind.


Eigentlich ist John Hart Feinmechaniker - aber ein ganz besonders feiner: Er bastelt Dinge, die man nur mit dem Mikroskop sehen kann. Die macht er aus Nanotubes - feinsten Röhrchen aus Kohlenstoff, die Durchmesser von höchstens 100 Nanometer (1 Nanometer = 1 Milliardstel Meter) besitzen. Es geht also um Strukturen in den Dimensionen der Welt der Atome.

Hart ist Professor am Department of Mechanical Engineering an der University of Michigan. Er untersucht die genialen Eigenschaften dieser Röhren, die zwar hauchdünn sind, sich aber zu Fäden von bis zu 20 Zentimeter Länge spinnen lassen.

Die Nanoröhrchen faszinieren Wissenschaftler schon seit einiger Zeit: Sie sind nicht nur so winzig, sondern auch gut leitfähig für Strom und Wärme. Die Computerindustrie interessiert sich daher für sie und will sie in Transistoren und Speichern verbauen.

Aber die tollen Tubes haben noch mehr zu bieten, zum Beispiel eine höhere Zugfestigkeit als Stahl. Die Luftfahrtindustrie will mit ihnen robustere und leichtere Flugzeuge bauen. Und die Raumfahrt träumt bereits von einem Lift, der Astronauten an einem Nanotube-Seil ins Weltall und zur Internationalen Raumstation befördert.

Man kann aber nicht immer nur arbeiten. Daher macht Hart in seiner Freizeit mit den Nanotubes auch Kunst - und nutzt sie, um seiner Begeisterung für Barack Obama Ausdruck zu verleihen.

"Nanobamas" nennt er seine rund 500 Mikrometer großen Mini-Porträts des soeben gewählten nächsten US-Präsidenten. Sie sind aus mehreren Millionen vertikal angeordneten Nanotubes entstanden. Wie die Bilder genau entstanden sind, erklärt John Hart auf seiner Website Nanobama.com:

  1. Man nehme ein Porträt von Barack Obama und mache daraus eine Strichzeichnung.
  2. Das Bild wird verkleinert und mit einem Laser in eine Glasplatte geprägt.
  3. Durch die Glasvorlage wird UV-Licht auf die dünne Polymerschicht auf einem Silizium-Wafer gestrahlt.
  4. Auf den Wafer wird eine dünne Schicht Nanopartikel aufgebracht - als "Saat" für die zu züchtenden Nanotubes.
  5. Das restliche Polymer wird entfernt - die Nanopartikel in Form von Obamas Porträt bleiben.
  6. Darauf werden nun die Nanotubes gezüchtet - dazu kommt der Wafer in einen Hochtemperaturofen, in dem sich gasförmiger Kohlenstoff befindet.
  7. Fertig! Nun kann man die mikrometergroßen Obama-Porträts unter Licht- oder Elektronenmikroskopen bestaunen.

Bleibt zu hoffen, dass der große Obama genauso belastbar sein wird wie die kleinen aus den Nanotubes. Denn beide müssen enorm hohe Erwartungen erfüllen.



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