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18. August 2016, 15:14 Uhr

Gletschermumie

Ötzi trug Russenmütze

Kappe aus Bärenfell, Köcher aus Rehleder, Leggins aus Ziegenleder: Die Garderobe der Eismumie Ötzi war überraschend hochwertig, fanden Wissenschaftler heraus. Fotos geben Einblick in seinen Kleiderschrank.

Was wissen wir nicht alles schon über den Ötzi: Was die 5300 Jahre alte Mumie im Magen hatte, welche Krankheiten den Mann plagten, welche Tattoos er trug und dass er Karies hatte.

Aber der Mann aus dem Eis ist und bleibt ein unerschöpflicher Quell für die Forschung, jedes noch so kleine Detail gibt spannende Einblicke, wie das Leben vor Jahrtausenden gewesen sein mag. Kurz vor dem 25. Jubiläum seiner Entdeckung am 19. September haben Wissenschaftler Neues herausgefunden.

Seine Mütze wurde genetischen Untersuchungen zufolge aus Braunbärenfell hergestellt, schreiben die Wissenschaftler um Niall O'Sullivan vom Forschungsinstitut EURAC in Bozen im Fachjournal "Scientific Reports".

Der Köcher, in dem Ötzi Pfeile transportierte, besteht aus Rehleder - und nicht aus Gämse, wie es einmal hieß. Die Forscher schließen aus der Verarbeitung von Wildtieren, dass Ötzi auch jagte und nicht nur mit der Viehhaltung beschäftigt war.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Kleidung der Eismumie untersucht wurde. "Es gab vorher zum Teil kontroverse Ergebnisse - zum Beispiel, was die Mütze betrifft - die wir nun endgültig klären konnten", sagt Albert Zink von der Eismannforschungsstelle am EURAC. "Das Neue ist, dass wir die Tierarten nun genau bestimmen konnten."

"Spannend und aufregend"

Die Forscher fanden nun zudem heraus, dass der Mantel aus einer Kombination aus Ziegen- und Schafhaut gefertigt wurde. Ötzis "Leggings" wiederum setzen sich aus Ziegenleder zusammen.

Eine Probe vom Lendenschurz deutet entgegen der bisherigen Annahme auf Schaf- und nicht auf Ziegenleder hin. Und die Schnürriemen seiner Schuhe stammen vom Rind - und nicht vom Bären.

"Sehr spannend und aufregend neu" nennt Angelika Fleckinger, die Leiterin des Archäologischen Museums in Bozen, wo der Ötzi in einer Eiszelle ausgestellt ist, die jetzigen Studienergebnisse. Die Studie zeigt, wie sich die Forschungsmethoden verbessern und Ergebnisse präziser werden.

"Versuche, die Fellreste zu bestimmen, gab es in den fast 25 Jahren Forschung rund um den Mann aus dem Eis mehrere - nicht zuletzt daran lässt sich auch die rasante Entwicklung der wissenschaftlichen Untersuchungsmöglichkeiten in den vergangenen Jahrzehnten aufzeigen", heißt es in einer Stellungnahme des Museums.

Karies und Tattoos

Am 19. September vor 25 Jahren entdeckte ein Wandererpaar aus Nürnberg zufällig die Gletschermumie im Schnee in den Ötztaler Alpen an der italienisch-österreichischen Grenze.

Das Erstaunen war groß, als klar wurde, dass es sich um einen Menschen aus der Kupferzeit handelte. Ötzi, der Eismann, wird seither genau erforscht.

Eine in der Schulter entdeckte Pfeilspitze aus Feuerstein offenbarte, dass der Mann getötet wurde. Kurz zuvor hatte er unter anderem Fleisch von einem Ziegenbock gegessen.

Man weiß auch, dass er Karies und Parodontitis hatte und unter Stress und Borreliose litt. Augenfarbe, DNA und Blutgruppe sind bekannt - ebenso, dass der Gletschermann laktoseintolerant und mit 61 Tattoos verziert war. Auch Versuche zur Rekonstruktion seines Gesichtsgab es.

boj/dpa

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