Getrocknetes Fleisch Ötzis letzte Mahlzeit war Südtiroler Steinbock-Speck

Kurz vor seinem Tod aß Ötzi, die berühmte Gletschermumie aus der Steinzeit, getrocknetes Fleisch vom Steinbock. Forscher vergleichen die Mahlzeit mit Südtiroler Speck - er wird ebenfalls an der Luft getrocknet.

Rekonstruktion von Ötzi: So könnte er zu Lebzeiten ausgesehen haben
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Rekonstruktion von Ötzi: So könnte er zu Lebzeiten ausgesehen haben


Der Gletschermann Ötzi könnte kurz vor seinem Tod vor rund 5300 Jahren ein Stück Speck gegessen haben. Darauf wiesen neue Analysen seines Mageninhalts hin, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA. Da Ötzi von der Seite des heutigen Italiens auf das Tisenjoch in den Ötztaler Alpen aufstieg, habe es sich vermutlich um eine Art steinzeitlichen Südtiroler Speck gehandelt.

Die Forscher hätten die Nanostruktur des Fleisches analysiert und seien zu dem Schluss gekommen, dass es sich um "sehr fettes, getrocknetes Fleisch, vielleicht eine Art Speck" gehandelt haben müsse, sagte der deutsche Mumienspezialist Albert Zink bei einem Vortrag in Wien. Dass Ötzi zuletzt Steinbockfleisch gegessen hatte, war bereits bekannt, neu ist jedoch die Erkenntnis, dass es Trockenfleisch war.

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"Getrocknetes und rohes Fleisch behält seine Fasern, so wie wir sie in Ötzis Magen gefunden haben", so Zink, der am Institut für Mumien und den Iceman der Europäischen Akademie (Eurac) in Bozen forscht. Für die Trockenfleisch-These spricht auch, dass Ötzis Bogen nicht einsatzfähig für die Jagd war. Ein rohes Stück wäre zudem zu schnell verdorben.

Körperlich in ziemlich guter Verfassung

Ötzi war 1991 in einem Gletscher in den italienischen Alpen entdeckt worden. Der Fund der gut erhaltenen Mumie war eine archäologische Sensation; seitdem versuchen die Wissenschaftler mit Hilfe modernster Techniken, seinem Leben und Sterben auf die Spur zu kommen. Ötzi lagert im Archäologischen Museum in Bozen.

Ötzi-Mumie im Archäologischen Museum in Bozen
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Ötzi-Mumie im Archäologischen Museum in Bozen

Laut den Analysen der Forscher lebte er zwischen 3350 und 3100 vor Christus in der Kupfersteinzeit. Den wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge war der Gletschermann mit etwa 1,60 Metern für die Zeit durchschnittlich groß, wog um die 50 Kilogramm und war etwa 45 Jahre alt, als er mit einem Pfeil ermordet wurde.

Zinks Team fand auch heraus, dass Ötzi mit einem Bakterium infiziert war, das Magengeschwüre verursacht. Allen Problemen wie etwa schlechten Zähnen und verschlissenen Bändern zum Trotz sei er körperlich in "ziemlich guter Verfassung" gewesen, schrieb Zink kürzlich im US-Fachmagazin "Science".

jme/dpa/AFP



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