Optische Reize Frauenbilder stärken das männliche Ego

Zeitungswerbung mit attraktiven Frauen bringt offenbar die männliche Selbsteinschätzung gehörig durcheinander. Die Betrachter fühlen sich mächtiger und erfolgreicher, berichten US-Psychologen.


Werbekampagne mit Model Claudia Schiffer: "Unterbewusste Wirkung"

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Eine Modezeitschrift reicht aus, und die Psyche der Männer spielt verrückt: Fotos schöner Frauen verleiten sie unter anderem dazu, ihr Gehalt und ihre Karrierechancen besser zu beurteilen, will ein Team um James Roney von der Chicago University herausgefunden haben. Über die Studie der Psychologen berichtet das britische Fachmagazin "New Scientist" im Internet.

Roney und seine Kollegen hatten ihren Testpersonen im Alter von 18 bis 36 Jahren Anzeigenfotos vorgelegt und sie dabei in dem Glauben gelassen, sie müssten die Wirksamkeit der Kampagnen einschätzen. Eine Gruppe betrachtete Bilder von attraktiven jungen Frauen, die andere Fotos von älteren Damen. Danach mussten sich die Probanden einem Stimmungstest unterziehen und einen Fragebogen zu ihrer Persönlichkeit und beruflichen Situation ausfüllen.

Jene Männer, die Bilder junger Frauen begutachtet hatten, bewerteten ihr Einkommen, ihre Machtposition und ihren Ehrgeiz deutlich positiver. "Die Wirkung scheint unterbewusst zu sein", sagt Roney. "Die Männer waren davon überzeugt, die Wahrheit zu sagen."

Frühere Studien hatten Charakterzüge wie Ehrgeiz und Dominanz mit einer erhöhten Konzentration des männlichen Sexualhormons Testosteron in Verbindung gebracht. Mindestens eines dieser Merkmale kreuzten auch 80 Prozent der Männer, die Anzeigen mit jungen Frauen betrachtet hatten, im Fragebogen an. Bei der anderen Gruppe waren es lediglich 18 Prozent.

Weshalb sogar Fotos die männliche Selbsteinschätzung derartig verändern können, ist Roney zufolge noch unklar. Vermutlich reichen die visuellen Reize aus, um ein Werbeverhalten auszulösen. "Magazinanzeigen sieht man ständig", sagt der Wissenschaftler. "Ich hätte angenommen, dass Männer ein beständigeres Bild ihrer eigenen Persönlichkeit haben." Roney plant nun weitere Studien, bei denen auch der Testosteronpegel der Testpersonen gemessen werden soll.



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