Organtransplantation Frauen stoßen Spendernieren häufiger ab als Männer

Die Transplantation einer Niere gelingt nicht immer. Das Immunsystem des Empfängers versucht, das fremde Organ des Spenders abzustoßen. Nun haben Mediziner herausgefunden, dass offenbar auch das Geschlecht dabei eine Rolle spielt: Frauen stoßen männliche Spendernieren häufiger ab als Männer.


Das Geschlecht von Spender und Empfänger spielt bei Nierentransplantationen eine größere Rolle als bisher gedacht. Besonders wenn Frauen eine männliche Spenderniere erhalten, ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass das Organ abgestoßen wird. Daher sollte in Zukunft das Geschlecht bei der Zuteilung von Spenderorganen mehr berücksichtigt werden, fordern Wissenschaftler aus der Schweiz. Von ihren Ergebnissen berichten die Mediziner um Alois Gratwohl vom Universitätsspital in Basel im Fachmagazin "Lancet" (Bd. 372, S. 49).

Nierentransplantation in Jena (Archivbild vom 29. Mai 1998): Geschlecht spielt eine Rolle bei der Abstoßungsreaktion
DPA

Nierentransplantation in Jena (Archivbild vom 29. Mai 1998): Geschlecht spielt eine Rolle bei der Abstoßungsreaktion

Die Forscher analysierten die Daten von nahezu 200.000 Organempfängern, denen zwischen 1985 und 2004 eine neue Niere eingesetzt worden war. Insgesamt war die Transplantation einer weiblichen Niere seltener erfolgreich als die einer männlichen Niere, stellten Gratwohl und seine Kollegen von der Universität Heidelberg fest. Allerdings traten am häufigsten Probleme auf, wenn Frauen eine männliche Spenderniere erhalten hatten: Bei ihnen war das Risiko, dass das Organ wieder abgestoßen wurde, im ersten Jahr nach der Operation um elf Prozent höher als bei anderen Spender-Empfänger-Kombinationen. Und auch zwischen zwei und zehn Jahren nach der Operation lag das Risiko einer Abstoßung noch um 10 Prozent höher als in den übrigen Gruppen.

"Vermutlich ist die höhere Abstoßungsrate auf Abwehrreaktionen des Immunsystems zurückzuführen, die mit dem männlichen Y-Chromosom zu tun haben", erklärt Gratwohl. "Deshalb sollte in Zukunft auch das Geschlecht berücksichtigt werden, wenn eine Entscheidung über eine Organtransplantation getroffen wird." Gratwohl und seine Kollegen nehmen zudem an, dass männliche Empfänger von einer männlichen Niere mehr profitieren, da diese größer ist und mehr Nierenkörperchen enthält, die den Wasserhaushalt regulieren. Frauen dagegen kommen nach Annahme der Mediziner auch mit einer geringeren Zahl von Nierenkörperchen aus. Für sie sei daher eine weibliche Niere günstiger, da diese vom Körper besser angenommen werde, sagt Gratwohl.

Immunfunktionen, die mit dem Y-Chromosom zusammenhängen und zur Abstoßung von Organen führen können, sollten in Zukunft genauer untersucht werden, betont auch Connie L. Davis, Nierenexpertin an der Universität Washington in Seattle (USA). Allerdings seien die Ergebnisse im Moment noch zu vorläufig, um zu empfehlen, nur gleichgeschlechtliche Organe zu transplantieren. "Denn langfristig ist der Erfolg auch bei unterschiedlichem Geschlecht von Spender und Empfänger gut", sagt Davis. "Außerdem sollte man berücksichtigen, dass meist nur wenige Spenderorgane zur Verfügung stehen."

lub/ddp



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