Paläontologie Raubsaurier ohne Biss

Ein Computermodell entlarvt den Raubsaurier Allosaurus als schwachen Beißer. Die Kieferkraft des urzeitlichen Ungetüms reicht nicht einmal an die heutiger Krokodile heran.


Allosaurus-Modell im Museum: Schwacher Beißer
DPA

Allosaurus-Modell im Museum: Schwacher Beißer

London - Große Probleme beim Kampf um Nahrung dürfte der Furcht erregende Allosaurus dennoch nicht gehabt haben. Der Raubsaurier habe die Schwäche seiner Kiefer vermutlich ausgeglichen, indem er seinen Oberkiefer mit hoher Geschwindigkeit in die Beute rammte, berichtet die Paläontologin Emily Rayfield von der University of Cambridge.

Rayfield fertigte für ihre Studie ein Computermodell des Schädels von "Big Al" an, einem 1991 in Wyoming gefundenen und rund 150 Millionen Jahre alten Allosaurierskelett. Mit einem Verfahren, das sonst Ingenieure zur Überprüfung mechanischer Bauteile verwenden, konnte sie Belastungen im Schädel simulieren und daraus auf die Kieferkraft des Sauriers schließen. Das Resultat war überraschend: "Die Kraft seines Bisses ist ungefähr viermal so schwach wie die des Tyrannosaurus rex oder heutiger Alligatoren", so Rayfield.

Doch die in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlichten Ergebnisse zeigen noch eine weitere Eigenart des Allosaurus: Sein schmaler Schädel ist zwar leichter und offener aufgebaut als der des verwandten Tyrannosaurus, der 85 Millionen Jahre später lebte. Dennoch ist der Allosaurierschädel extrem stabil und kann große Krafteinwirkungen auf den Oberkiefer abfangen.

Die relativ schwache Bisskraft und der widerstandsfähige Schädelaufbau lassen Rayfield zufolge auf ein spezialisiertes Jagdverhalten von "Big Al" schließen: Während der Tyrannosaurus problemlos Knochen zerbeißen konnte, musste sein älterer Cousin vermutlich den Oberkiefer wie ein Beil ins Fleisch seiner Opfer stoßen. Ein ähnliches Verhalten kann man auch beim heutigen Komodowaran, der größten lebenden Echsenart, beobachten.



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