Pandemie-Virus Neue Schweinegrippe-Fälle in Rheinland-Pfalz

Neue Infektionen in Deutschland: In Ludwigshafen gibt es drei Infektion und zwei Erkrankungen mit dem Erreger der Schweinegrippe. Die Patienten wurden isoliert und mit dem Grippemittel Tamiflu behandelt.


In Ludwigshafen sind zwei neue Fälle von Schweinegrippe aufgetreten. Zwei amerikanische Touristen, die mit einer Reisegruppe Europa erkunden und sich seit Samstag in Ludwigshafen aufhalten, sind an der Infektion mit dem Virus H1N1 erkrankt, wie die Feuerwehr mitteilte. Drei weitere Teilnehmer seien mit dem Virus infiziert, zeigten jedoch keine Symptome.

Weil die Betroffenen während der Reise über Grippe-Symptome geklagt hatten, wandte sich die Reisegruppe an die Heidelberger Uniklinik. Positive Testergebnisse bestätigten den Verdacht. Die beiden Erkrankten sowie die drei positiv getesteten Touristen wurden in ihren Hotelzimmern in Ludwigshafen isoliert und erhielten das Grippemittel Tamiflu.

Auch die anderen 45 Reiseteilnehmer sowie eine Hotelmitarbeiterin wurden vorsorglich mit dem Medikament versorgt. Das zuständige Gesundheitsamt Rheinpfalz-Kreis wurde informiert. Im Verlauf der Woche könne die Gruppe ihre Reise fortsetzen, hieß es.

Erst gestern war eine Schule in Berlin wegen mehrerer Schweinegrippe-Fälle geschlossen worden. Derweil beobachten Experten immer mehr Resistenzen des Virus gegen Tamiflu.

Das Schweinegrippe-Virus
Der Erreger
Es handelt sich um ein Influenza-A-Virus mit der Bezeichnung H1N1, das sich von Mensch zu Mensch übertragen kann - vor allem durch Händeschütteln, Niesen und Husten. Ein H1N1-Virus war auch der Auslöser der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 weltweit mindestens 25 Millionen Menschen getötet hat.
Die Symptome
Die Schweinegrippe bewirkt ähnliche Symptome wie eine normale Grippe: plötzliches Fieber, Muskelschmerzen, trockener Husten und ein trockener Hals. Allerdings sind der einhergehende Durchfall und die Übelkeit stärker ausgeprägt.
Die Gefahr
Neue Virenstämme können sich rasch ausbreiten, weil es keine natürliche Immunität gibt und es Monate dauert, bis ein aktueller Impfstoff entwickelt und produziert ist. Der neue Stamm des Schweinegrippe-Virus unterscheidet sich vom älteren H1N1-Virus, gegen das die aktuellen Grippeimpfstoffe schützen. Die gewöhnliche Grippe tötet jedes Jahr 250.000 bis 500.000 Menschen, vor allem ältere Menschen. Die meisten sterben an Lungenentzündung. Auch gesunde Menschen können tödlich erkranken.
Antivirale Mittel
Nach derzeitigem Wissensstand bieten die Wirkstoffe Oseltamivir (Handelsname Tamiflu) und Zanamivir (Handelsname Relenza) Schutz gegen das Schweinegrippen-Virus. Diese Wirkstoffe behindern unspezifisch die Vermehrung von Influenza-A- und Influenza-B-Viren im Körper.
Wandlungsfähigkeit von Grippeviren
Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern, die bekannt sind. Die Entwicklung gänzlich neuer Typen ist zwar selten, aber extrem gefährlich. Meist springen dabei irgendwo in der Welt Viren von Vögeln oder Schweinen auf den Menschen über. Wenn sie in dessen Körperzellen auf andere, ältere Grippeviren treffen, kann sich die Erbinformationen vermischen und neue Erreger hervorbringen.

lub/dpa



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