Tabak Passivrauchen stört Hustenreflex von Kindern

Passivrauchen ist nicht nur gefährlich wegen des Einatmens gefährlicher Substanzen. Für Kinder hat der Qualm noch eine weitere Folge, wie eine Studie jetzt ergeben hat: Er dämpft den Hustenreflex - und ebnet so den Weg zu Atemwegsleiden und einer Raucherkarriere im Erwachsenenalter.

Passivrauchen: Der giftige Qualm unterdrückt den Hustenreiz bei Kindern
Reuters / HHS

Passivrauchen: Der giftige Qualm unterdrückt den Hustenreiz bei Kindern


Passivrauchen schadet den Atemwegen - und offenbar sind dafür nicht allein die Partikel im Zigarettenrauch verantwortlich. Der Qualm dämpft den natürlichen Hustenreflex und verhindert so, dass Fremdpartikel aller Art aus den Atemwegen befördert werden, berichten Forscher jetzt im Fachmagazin "Tobacco and Nicotine Research". "Husten schützt die Lunge vor schädlichen Stoffen aus der Umwelt, etwa vor Chemikalien oder Staub", sagt Julie Mennella vom Monell Chemical Senses Center in Philadelphia, die an der Studie beteiligt war. "Passivrauchen schwächt diesen überlebenswichtigen Reflex."

38 Kinder zwischen zehn und 17 Jahren nahmen an den Tests der Forscher teil. 17 von ihnen waren regelmäßig Zigarettenrauch ausgesetzt, während 21 nie mit dem schädlichen Qualm in Berührung kamen. Im Versuch atmeten alle Kinder Capsaicin ein - einen Stoff, der den Hustenreflex auslöst. Bei jedem Versuchsdurchgang stieg die Dosis, bis die Kinder husten mussten. Das Ergebnis: Regelmäßig passiv rauchende Kinder konnten zweimal mehr Capsaicin einatmen als die Vergleichsgruppe.

Das zeige, dass die Atemwege von Kindern und Jugendlichen, die regelmäßig Zigarettenrauch ausgesetzt sind, weniger empfindlich auf schädliche Umweltstoffe reagieren. "Die Atemwege werden gereizt, obwohl die Kinder nicht husten", sagt Paul Wise, einer der Autoren der Studie.

Dass sich Dreck aller Art unbemerkt in den Atemwegen ansammelt, könne erklären, warum Raucherkinder häufiger unter Lungenentzündung, Bronchitis und anderen Atemwegserkrankungen leiden. Außerdem erhöhe die geringe Sensibilität gegenüber den schädlichen Stoffen die Wahrscheinlichkeit, im Erwachsenenalter selbst mit dem Rauchen anzufangen.

Von erwachsenen Rauchern kennt man den schwachen Hustenreflex schon länger. Jetzt sei klar, dass der Reflex schon durch Zigarettenrauch schwächer wird, meinen die Forscher. Sie wollen als nächstes untersuchen, ob der Hustenreflex sich erholt, wenn die Atemwege keinem Zigarettenqualm mehr ausgesetzt sind.

jme



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