Zweiter Weltkrieg Pentagon will Gefallene von Pearl Harbor identifizieren

2403 Amerikaner kamen bei Japans Angriff auf Pearl Harbor ums Leben, Hunderte von ihnen sind bis heute nicht identifiziert. Jetzt will die US-Regierung den Überresten von 388 Soldaten Namen geben.

DPA

Der Angriff auf Pearl Harbor war für die USA eine militärische Katastrophe und eine menschliche Tragödie. Mehr als 2400 Amerikaner kamen bei den Bombardements der japanischen Flugzeuge am 7. Dezember 1941 ums Leben, fast 1200 wurden verletzt. Die US-Marine verlor fünf Schlachtschiffe, drei weitere wurden teils schwer beschädigt, genauso wie drei Kreuzer und drei Zerstörer. 188 Flugzeuge wurden vernichtet und 155 beschädigt.

Jetzt, mehr als 73 Jahre nach dem Angriff, sollen auf dem US-Flottenstützpunkt Hunderte der damals getöteten Soldaten identifiziert werden. Das US-Verteidigungsministerium kündigte am Dienstag an, die sterblichen Überreste von 388 Marinesoldaten zu exhumieren. Ihre Identität solle unter anderem per DNA-Abgleich geklärt werden.

"Die Fortschritte in der forensischen Wissenschaft und Technologie sowie die Bereitstellung von Informationen durch die Familien ermöglichen es nun, Soldaten zu identifizieren, die lange anonym begraben waren", erklärte Vizeverteidigungsminister Robert Work. Dies werde nicht bei allen Soldaten möglich sein, es sollten aber "so viele Familien wie möglich" Klarheit bekommen. Die identifizierten Soldaten sollen anschließend mit militärischen Ehren beigesetzt werden.

Begraben, exhumiert, begraben

Die Untersuchungen konzentrieren sich auf die Besatzungsmitglieder des Schlachtschiffs "USS Oklahoma", das bei dem Angriff auf Pearl Harbor nach mehreren Bomben- und Torpedotreffern sank. 429 Marinesoldaten wurden damals getötet. Unmittelbar nach dem Angriff wurden 35 Besatzungsmitglieder der "Oklahoma" identifiziert und begraben. Die während der späteren Bergung des Wracks gefundenen Toten wurden auf einem Friedhof in Honolulu auf Hawaii begraben.

1947 wurden ihre Überreste exhumiert, doch die Forderung nach einer Identifizierung auf Basis der Zähne wurde nicht gestattet. Bis 1950 wurden die Überreste aller nicht identifizierten Opfer auf dem Nationalen Pazifik-Gedenkfriedhof in Honolulu erneut begraben.

Die Identifizierung so viele Jahre später könnte durchaus gelingen. 2003 ließ das Pentagon einen Sarg auf Hawaii ausgraben und konnte darin die Überreste von fünf Soldaten zuordnen. Nun sollen 61 weitere Särge exhumiert werden.

Zehntausende US-Soldaten bis heute vermisst

Der Aufwand, den das US-Militär bei der Suche und Identifizierung der Überreste Gefallener treibt, hat seit Jahrzehnten Tradition. Selbst Jahrzehnte nach dem Ende eines Kriegs fahnden die Forensiker noch nach den Überresten ihrer Kameraden, auch in Deutschland.

Allerdings haben die daran Beteiligten nicht immer für erfreuliche Schlagzeilen gesorgt. So war bis Januar 2015 das Joint POW/MIA Accounting Command (JPAC) für die Suche und Heimbringung von Gefallenen verantwortlich. Doch nach diversen Skandalen wurde die Spezialeinheit des US-Verteidigungsministeriums - ausgestattet mit mehreren hundert Mitarbeitern und einem zweistelligen Millionenetat - aufgelöst. Sie ging gemeinsam mit weiteren Behörden in der Defense POW/MIA Accounting Agency auf, die am 30. Januar eingesetzt wurde.

Deren Mitarbeiter werden auch in Zukunft viel zu tun haben. Allein aus dem Zweiten Weltkrieg gelten noch immer 73.515 US-Soldaten als vermisst, hinzu kommen unter anderem 7853 aus dem Koreakrieg und mehr als 1629 aus dem Vietnamkrieg.

mbe/AFP/Reuters

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