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Archäologie: Massaker am Meer

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Peru Archäologen entdecken Massengrab mit geopferten Kindern

Es ist ein weltweit einzigartiger Fund: An der Nordküste Perus haben Forscher Überreste von mehr als 140 Kindern gefunden. Sie starben wohl, weil ihnen bei lebendigem Leib das Herz herausgeschnitten wurde.

Es ist eine grausige Ausgrabung, die Archäologen in der Nähe von Trujillo durchgeführt haben, der zweitgrößten Stadt in Peru: Nur wenige Meter vom Pazifik entfernt lagen die Körper von mehr als 140 Kindern in einem Massengrab. Mit ihnen starben etwa 200 junge Lamas.

Die archäologische Stätte Huanchaquito-Las Llamas befindet sich unmittelbar neben heutigen Siedlungen. Auf sie wurden die Archäologen durch einen Zufall aufmerksam. Eigentlich arbeiteten Gabriel Prieto von der Universidad Nacional de Trujillo an der Freilegung eines Tempels in der Nähe, als ihm Anwohner von Oberflächenfunden berichteten.

Prieto begann dann, das Gebiet zusammen mit John Verano von der Tulane University zu untersuchen und auszugraben. Dabei entdeckten sie die in dem trockenen Sand teilweise sehr gut erhaltenen Körper der Kinder.

Wie Radiokarbondatierungen ergaben, liegt ihr Tod etwa 550 Jahre zurück. Sie starben vermutlich vor den Toren der nahe gelegen Stadt Chan Chan, der ehemaligen Hauptstadt des Chimú-Reiches.

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Fund in Mexiko: Archäologen entdecken Menschenopfer

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Der Tod der Kinder als auch der Tiere war aber wohl ein gewaltsamer: Ihre Rippen waren auseinandergebrochen und teilweise ausgerenkt, zudem fanden sich zahlreiche Schnittspuren an den Brustbeinen. Solche Opferungen sind vor allem von den Azteken, in geringerem Maße aber auch von den Mayas oder Inkas belegt.

Die Forscher vermuten, dass den Kindern der Brustkorb aufgetrennt wurde - möglicherweise, um ihnen das Herz herauszunehmen. Darauf deuten sehr gezielte und effiziente Schnitte, wie sie von jemandem ausgeführt worden sein müssen, der gute anatomische Kenntnisse gehabt haben muss.

"Ich hätte das nie erwartet"

Für solche Herzopferungen nutzten die Priester in Mexiko etwa Messer aus dem Vulkanglas Obsidian, sie waren scharf wie ein Skalpell und ermöglichten sehr präzise Schnitte. In Mexiko-Stadt fanden Archäologen etwa Reste von 42 Kindern, denen bei grausigen Ritualen das Herz herausgeschnitten wurde. Dieser Fund wurde am ehemaligen Templo Mayor gemacht, er stand einst in Tenochtitlán, der Hauptstadt des Aztekischen Reichs.

Die große Zahl geopferter Kinder wäre aber selbst im Vergleich mit den bisher bekannten Fälle außergewöhnlich. "Ich jedenfalls hätte das nie erwartet", sagt Verano "National Geographic". Das Magazin hatte zuerst über den Fund berichtet und die Grabung auch mitfinanziert . "Solche Funde sind extrem selten".

Kinderschädel mit Lamakopf

Kinderschädel mit Lamakopf

Foto: "Gabriel Prieto/ National Geographic"

Die Kinder waren zwischen fünf und 14 Jahre alt, die meisten zwischen acht und zwölf. Viele hatten Spuren von roter Farbe im Gesicht, ihre Körper wurden in den Gräbern auf dem etwa 700 Quadratmeter großen Areal nach Westen mit Blick auf das Meer ausgerichtet. Die Lamas dagegen wurden mit Blick nach Osten begraben.

Die Forscher vermuten, dass alle Kinder bei einer einzigen rituellen Zeremonie getötet wurden. Denn die Skelette wurden alle in derselben Lehmschicht im Boden gefunden.

Warum Kinder und Lamas?

Auch auf die Täter gab es Hinweise: Die Archäologen entdeckten Fußabdrücke von Erwachsenen in Sandalen aber auch von Hunden und Kamelen. Die Spuren deuten darauf hin, dass die Kinder und die Lamas aus unterschiedlichen Richtungen an den Opferplatz am Steilufer geführt wurden.

Kinderopfer aus Südamerika sind durchaus belegt, etwa von den Inka. Überreste der jungen Verstorbenen fanden Forscher unter anderem auf den Gipfeln der Anden. Doch warum starben an dieser Stelle so viele Kinder und Lamas auf einmal?

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Nazca-Linien: Neue Spuren im Sand

Foto: Genry Bautista/ dpa

Eine Antwort könnte im Boden der Grabstätte liegen: Die Forscher vermuten, dass der Lehmboden einst extrem feucht gewesen sein muss - möglicherweise könnte es vor über 500 Jahren heftige Regenfälle und Überschwemmungen gegeben haben, vielleicht ein außergewöhnliches Klimaereignis.

Einige Forscher vermuten, dass Priester mit den Opferungen von Kindern erst begannen, nachdem die vorausgegangenen Opferungen von Erwachsenen keine Auswirkungen auf das Wetter gezeigt hatten und man verzweifelt versuchte, mit immermehr und immer wertvolleren Opfern Einfluss zu gewinnen.

Diese These hält auch Karoline Noack von der Universität Bonn für möglich, sie beschäftigt sich mit der Region schon lange und kennt sie gut. "Die von den Forschern aufgeführten Gründe, warum so viele Kinder geopfert worden sind, sind nachvollziehbar", sagt sie. Es handele sich um einen sehr interessanten Fund.

Doch um mehr über das Schicksal der Kinder herauszufinden, sind noch weitere Untersuchungen in der Region notwendig. Eine erste DNA-Analyse ergab zumindest Hinweise darauf, dass sowohl Jungen als auch Mädchen geopfert wurden. Zudem stammen viele vermutlich nicht aus der Region und könnten von weiter weg hierher gebracht worden sein. Noch sind die Forscher nicht am Ende mit ihren Ausgrabungen.

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