Philippinen Haare sollen Ölpest lindern

Die philippinische Regierung will eine Ölpest mit unkonventionellen Methoden bekämpfen: Menschliche Haare in riesigen Mengen sollen im Kampf gegen die klebrige Masse an Stränden, Riffen und in Sümpfen helfen.

Manche Zeitgenossen finden eingeölte Haare einfach schön. Die Bewohner der Philippinen aber versuchen derzeit aus ganz anderen Gründen, ihre Haare so ölig wie nur möglich zu machen. Vor drei Wochen hat die Havarie eines Tankers vor der Insel Guimares die schlimmste Ölpest in der Geschichte der Philippinen verursacht. Nun ist die Regierung in Manila auf eine unkonventionelle Idee gekommen, um die verklebten Strände, Korallenriffe und Mangrovensümpfe zu säubern: Haare sollen es richten.

Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo hat angeordnet, menschliche Haare, Hühnerfedern, Stroh und vergleichbare Naturmaterialien einsammeln zu lassen. Allein in der Hauptstadt Manila beteiligen sich inzwischen rund 500 Friseursalons an der "Stoppt die Ölpest"-Kampagne, indem sie die täglich anfallenden Haarreste nicht wie üblich entsorgen, sondern säuberlich einsammeln.

"Nationale Anstrengung" in Friseursalons

"Unser Ziel sind mindestens 100.000 Haarsäcke", sagte Linda Francisco, Präsidentin des Friseurverbandes. Sie forderte ihre Landsleute auf, den Coiffeuren nachzueifern: In einer "nationalen Anstrengung" sollten nicht nur Friseursalons, sondern auch Freiwillige Haare spenden. Ihr Verband werde Schüler gratis frisieren und kommende Woche mit drei staatlichen Schulen anfangen. Allein eine von ihnen hat 8000 Schüler.

Sogar Strafgefangene sollen mitmachen. Aus dem Hochsicherheitsgefängnis in Manilas Vorort Muntinlupa hieß es, dass sich die meisten der mehr als 11.000 Insassen freiwillig zum Haareschneiden gemeldet hätten. Laut Francisco hat ein Recycling-Unternehmen angeboten, die Haare und Federn zur Küstenwache zu transportieren, die das Material wiederum zur Insel Guimares bringen solle.

Die Idee für den Haar-Einsatz kam Medienberichten zufolge bei einer Pressekonferenz auf, bei der ein Mitglied der Umweltorganisation Greenpeace von einem Experiment in den USA erzählt habe. Der Friseur Phil McCrory aus dem US-Bundesstaat Alabama habe 1989 die TV-Berichte über die Exxon-Valdez-Ölkatastrophe in Alaska gesehen und bemerkt, dass das Fell von Ottern die schwarze Masse gut aufsaugte.

"Die Arbeiter beschweren sich über den Gestank"

Also soll McCrory zweieinhalb Kilo Haare in eine Feinstrumpfhose seiner Frau gestopft und ein wenig Öl ins Planschbecken seines Sohnes gegossen haben. Experten seien anschließend zu der Einsicht gelangt, dass der haarige Schlauch das Öl zwar nicht aufsauge, dass das Öl aber an den winzigen Schuppen der Haare hängen bleibe. 1993 meldete McCrory ein Patent an, das ihm 1995 gewährt wurde. 1998 soll die Nasa den Effekt experimentell bestätigt haben.

Andere Wissenschaftler halten allerdings wenig von der haarigen Ölbekämpfung. Der Meeresbiologe Rex Sadaba von der University of the Philippines in the Visayas etwa hält Stroh für besser. Haare bräuchten eine lange Zeit, um abgebaut zu werden, absorbierten das Öl nicht wirklich und könnten unhygienisch sein. "Ich bin auch nicht einverstanden mit dem Einsatz von Federn, da sie beim Verrotten stinken und zusätzliche Probleme verursachen", sagte Sadaba.

Erste Erfahrungen solcher Art gibt es bereits. Küstenwachen-Kommandant Harold Jarder sagte, dass man tonnenweise Hühnerfedern erhalten habe und inzwischen keine mehr annehme. "Wir haben Schwierigkeiten mit der Handhabung", sagte Jarder. "Und die Arbeiter beschweren sich über den Gestank."

mbe/AP

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