Planetares Unwetter Schwerer Sturm fegt über den Mars

Auf dem Mars tobt derzeit der schwerste Staubsturm seit Jahren. Astronomen zufolge könnten die heftigen Turbulenzen bald einen Großteil des Roten Planeten erfassen.




Schwere Turbulenzen: Die Mars-Wetterkarte für den 7. Juli
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Schwere Turbulenzen: Die Mars-Wetterkarte für den 7. Juli

Die Wettervorhersage für den Mars fällt in diesen Tagen außergewöhnlich schlecht aus. Die Sonde Mars Global Surveyor, die 1997 in die Umlaufbahn um den Roten Planeten einschwenkte, liefert dramatische Bilder eines Unwetters. "Dies ist bei weitem der größte Sturm, den wir während der Mission des Mars Global Surveyor beobachtet haben", sagt Philip Christensen von der Arizona State University.

Christensen ist der Leiter eines Forscherteams, das die Daten des so genannten Thermal Emission Spectrometers auswertet. Dieses Instrument der Raumsonde misst die Temperatur und den Staubgehalt der Marsatmosphäre. Die planetaren Meteorologen erstellen aus diesen Informationen eine tägliche Wetterkarte, die sie auf ihrer Projekt-Homepage veröffentlichen.

Die ersten Anzeichen für den schweren Sturm waren bereits am 15. Juni auf der Südhalbkugel zu erkennen. Damals fiel den Astronomen eine Staubschicht in der Gegend des Hellas-Kraters auf. Anderthalb Wochen später begann sich das Unwetter auszudehnen. Den anwachsenden Sandsturm fing auch das Weltraumteleskop Hubble am 26. Juni in einer spektakulären Aufnahme des Roten Planeten ein.

Seither dehnen sich die Turbulenzen mit beeindruckender Geschwindigkeit über den Mars aus. Bis jetzt haben sie sich bis in die nördliche Hemisphäre vorgearbeitet und bedecken rund die Hälfte des Planeten. Und das ist vermutlich noch nicht alles: "Wir erwarten, dass der Sturm weiter anwachsen wird", so Christensen. "Vielleicht entwickelt er sich zu einem planetaren Unwetter in der Größenordnung, die in den siebziger Jahren während der Viking- und Mariner-9-Missionen beobachtet wurde."

Bemerkenswert ist den Astronomen zufolge auch, dass der Sturm für marsianische Verhältnisse ungewöhnlich früh ausbrach. Und ein früher Staubsturm, so besagt die planetare Bauernregel, macht weitere heftige Unwetter im Verlauf des Jahres wahrscheinlich. Christensen und seine Kollegen erwarten daher eine turbulente Saison.

Die Wettervorhersage für den Mars hat durchaus praktischen Nutzen: Im Oktober soll die Sonde 2001 Mars Odyssey beim Roten Planeten ankommen. Damit es Tempo verliert und auf eine tiefere Umlaufbahn gelangt, soll das Raumfahrzeug mehrmals die oberen Atmosphärenschichten passieren. In dieser Phase wird das Team um Christensen das Marswetter stündlich kontrollieren. Mit diesen Informationen, so hoffen die Forscher, kann die Bodenkontrolle die Sonde an den stärksten Turbulenzen vorbei lenken.

Martin Paetsch



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