Planeten-Missionen Nasa lässt die Roboter hüpfen

Als Neil Armstrong den Mond betrat sagte er: "Ein kleiner Schritt für einen Mann, ein großer Sprung für die Menschheit." Doch an springende Roboter dachte er dabei sicherlich nicht.

Von Alexander Stirn


Rollen? Die Technik von gestern. Laufen? Viel zu unsicher, schließlich lauern überall Steine und Löcher. Nein, die Roboter von morgen springen wie Frösche über die Oberfläche fremder Planeten und Asteroiden - zumindest dann, wenn es nach den Träumen von so manchem Nasa-Techniker ginge.

Metall, Federn, Kabel: Fertig ist der hüpfende Roboter
JPL/ NASA

Metall, Federn, Kabel: Fertig ist der hüpfende Roboter

"Frogbot" heißt der kleine, doch recht unförmige Kerl, den die Nasa jetzt vorgestellt hat. Das hoch gepriesene Stück Ingenieurskunst, das mit seinen Federn, Klemmen und Drähten wie das Machwerk aus einem Elektronikbaukasten für pubertierende Jungforscher aussieht, wiegt lediglich 1,3 Kilogramm.

Angetrieben von einem kleinen Motor kann es sowohl ganz konventionell durch die Gegend rollen, als auch große Sprünge machen: 1,80 Meter auf der Erde und stattliche sechs Meter auf Planeten wie Mars, die Dinge auf Grund ihrer deutlich geringeren Gravitation weit weniger stark an sich binden.

"Hüpfen ist bei verminderter Gravitation eine äußerst effektive Möglichkeit der Fortbewegung", sagt Paolo Fiorini. Als Roboter-Techniker am Jet Propulsion Laboratory (JPL) der Nasa ist Fiorini einer der Väter des kleine "Frogbots", der vom JPL zusammen mit dem renommierten California Institute of Technology in Pasadena entwickelt wurde.

"Unser springender Roboter ähnelt sehr stark einem Frosch - mit dem Unterschied, dass er nur ein Bein und keine Zunge hat", sagt Fiorini augenzwinkernd. Die Rolle der Froschschenkel übernimmt dabei eine Feder, die das Bein beugt und auch wieder streckt: Der Sprung ist perfekt; große Hindernisse und selbst senkrechte Wände sind kein Problem mehr.

Irgendwie hilflos: So ganz können die Nasa-Aufnahmen des "Frogbots" nicht überzeugen
JPL/ NASA

Irgendwie hilflos: So ganz können die Nasa-Aufnahmen des "Frogbots" nicht überzeugen

Ausgestattet mit einer Kamera und einem Computer, mit Solarzellen und Sensoren wird der "Frogbot" allerdings nicht allein auf Entdeckungsreise gehen. Die Nasa träumt davon, eine ganze Horde Miniroboter auf unerforschte Planeten loszulassen. Untereinander könnten die künstlichen Frösche dann Erfahrungen austauschen. Und wenn eine Entdecker - wie es bei der Nasa zuletzt häufiger vorkam - verloren geht, ist nicht gleich die ganze Mission gefährdet.

Wenn es um die Entwicklung hüpfender Roboter geht, ist die Nasa allerdings nicht allein. Bereits im Frühjahr haben, wie das Wissenschaftsmagazin "New Scientist" berichtete, japanische Wissenschaftler den Prototypen einer Sonde vorgestellt, die bei geringer Gravitation sogar neun Meter weit springen kann.

Die Forscher aus Fernost hoffen offensichtlich, ihre Neuentwicklung bei einer für 2002 geplanten Mission zum Asteroiden 1989 ML einsetzen zu können. Doch sie haben ein Problem. In zwei Jahren wird, so die ursprünglichen Planungen, ausgerechnet ein vom JPL entwickelter Roboter starten - und der wird wohl auf simplen Rädern über die Oberfläche rollen.



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