Plastikmüll Wie Seeleute das Meer verschmutzen

Plastikmüll erreicht selbst entlegenste Regionen. Nun haben Forscher Treibgut auf einer Insel im Südatlantik analysiert. Sie ziehen überraschende Schlüsse, woher der Abfall stammt - und wie er ins Meer gelangte.

Solche Halbliterflaschen für Wasser sind der häufigste Plastikmüll am Strand von Inaccessible Island
Peter G. Ryan/ DPA

Solche Halbliterflaschen für Wasser sind der häufigste Plastikmüll am Strand von Inaccessible Island


Pinguine, Albatrosse, Entensturmvögel - und die flugunfähige Atlantisralle, die es nirgendwo sonst auf diesem Planeten gibt: Auf rund 15 Quadratkilometern bietet Inaccessible Island einer beeindruckenden Vogelwelt ein Zuhause. Seit 2004 gehört das Eiland im Südatlantik zum Weltnaturerbe der Unesco. Menschen leben hier nicht dauerhaft - aber ihre Hinterlassenschaften machen der Tierwelt immer mehr zu schaffen.

Vor allem landen immer mehr Plastikflaschen an den Stränden der Vulkaninsel, die fast 3000 Kilometer westlich von Kapstadt liegt. Dort gibt es schon seit den Achtzigerjahren Untersuchungen von Treibgut. Ein Team um Peter Ryan von der Universität Kapstadt berichtet im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences", dass Forscher an der Westküste der Insel im Jahr 2009 mehr als 3500 Müllteile auf 1,1 Kilometern Küste gefunden haben. 2018 seien rund 7400 Funde mit einem Gesamtgewicht von etwa fünf Tonnen gezählt worden.

Sowohl 2009 als auch 2018 stellten Flaschen und ähnliche Behälter die größte Teilgruppe am Müll, wobei ihr Anteil von 29 auf 34 Prozent stieg. 98 Prozent der gefundenen Flaschen waren aus Plastik, fast ausschließlich aus Polyethylenterephthalat (PET, 87 Prozent) und High-Density-Polyethylen (HDPE, knapp 13 Prozent). Die meisten Flaschen, deren Produktionsdatum entzifferbar war, waren ein bis zwei Jahre alt und enthielten Trinkwasser.

Forscherin Maelle Connan mit Plastikabfall: Inaccessible Island vermüllt
Peter G. Ryan/ DPA

Forscherin Maelle Connan mit Plastikabfall: Inaccessible Island vermüllt

Weltweit werden jährlich rund 300 Millionen Tonnen Plastik produziert - mit steigender Tendenz. Teile davon gelangen in die Ozeane und sammeln sich dort vor allem im Zentrum von Meeresstrudeln zu regelrechten Müllteppichen an. "Dadurch erleben die Küsten von Inseln in der Nähe dieser Zonen oft ungewöhnlich große Mengen Plastikmüll, obwohl sie weit von dessen großen Ursprungsregionen entfernt liegen", schreibt das Team. (Lesen Sie hier eine detaillierte Analyse, woher das Plastik in den Weltmeeren kommt.)


Voraussichtlicher Anteil des weltweiten Missmanagements bei Plastikmüll im Jahr 2025

Missmanagement beschreibt in diesem Fall das Risiko, dass Kunststoffabfall unkontrolliert in die Weltmeere gelangt.

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Interessant war, wie sich die Herkunft der Flaschen veränderte: Während in den Achtzigern zwei Drittel aus Südamerika stammten, lag 2009 Asien knapp vorn. Im Jahr 2018 kamen drei Viertel der Flaschen aus Asien, mehr als die Hälfte wurde in China gefertigt. Aus Südamerika stammten noch 20 Prozent, aus Afrika und Europa jeweils zwei Prozent.

Plastikflaschen aus Afrika und Südamerika würden durch den Südatlantischen Strudel zu der Insel gespült, was bei den meisten Ursprungsregionen an der Ostküste Südamerikas ein bis zwei Jahre dauere. Bei den Flaschen aus Asien dauere dies wesentlich länger; daher vermuten die Forscher einen anderen Eintragsweg: Sie stammen demnach wohl nicht aus den Ländern selbst, zumal Müll aus China, Japan, Taiwan und Korea überwiegend in den Nordpazifik treibe. Auch Exporte schließen sie als Quelle aus, da China kaum Wasser nach Südafrika und Südamerika liefere.

Regeln werden nicht gut kontrolliert

Stattdessen gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Flaschen von Schiffen direkt ins Meer entsorgt wurden, insbesondere von Handelsschiffen. Der Handelsverkehr habe sich auf den Meeren von 1992 bis 2012 vervierfacht, schreiben sie. Demnach passierten 2016 mehr als 2400 Frachtschiffe den Tristan da Cunha-Archipel, zu dem die Insel gehört.

Diese Müllentsorgung ist durch das MARPOL-Übereinkommen für den Umweltschutz in der Seeschifffahrt verboten. Die Regelung müsse dringend besser kontrolliert werden, fordert das Team.

"Ich halte diese Studie für extrem wichtig, weil sie wie bisher nur wenige Studien zeigt, dass die Menge des Kunststoffabfalls in den Ozeanen über die vergangenen Jahrzehnte deutlich angestiegen ist", kommentiert Lars Gutow vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven, der nicht an den Arbeiten beteiligt war. Die Folgerungen der Forscher seien plausibel und nachvollziehbar. Die Abfallentsorgung von Schiffen zu kontrollieren sei jedoch sehr schwierig.

chs/dpa



insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
mescal1 01.10.2019
1. Alles wird gut
wenn wir hier in D oder auch in der EU Plastikstohhalme verbieten, dann wird das das Plastikmüllproblem auf den Meeren in Kürze lösen. Auch das Verbot von Platiktüten wird das Müllproblem auf den Weltmeeren lösen. Gar keine Frage.
flaffi 01.10.2019
2. Keine Überraschung
Wer wie wir, früher als wir gesundheitlich noch konnten, oft tagelang an Stränden entlang lief, konnte sich schon immer wundern, was so alles angeschwemmt wurde. War unterhaltsam, aber auch klar, dass der Müll von Schiffen kam. Ist halt auch zu einfach. Über die Reeling und aus dem Sinn.
silberblizzard 01.10.2019
3. Müllentsorgung schwer zu kontrollieren?
Wenn man's wirklich wollte wäre es ganz einfach: Jedes Schiff nimmt bestimmte Mengen an Verpackten Waren an Bord, die da zum Verbrauch bestimmt sind - und nun verpflichte ich jedes Schiff, nachzuweisen, wo er den Verpackungsmüll an LAND gebracht hat ... (Idealerweise da wo er an Bord gebracht wurde oder da wo neu "gebunkert" wird...) Wie gesagt, WENN man's wollte!!! Mann-O-Mann-O-Mann..., die Gedanken sind frei...
Boris_bombastik 01.10.2019
4. Hä Überraschung???
Das ist doch sehr verwunderlich, dass die Forscher da jetzt erst drauf kommen. Wer jemals auf dem Meer unterwegs war, kann beobachten wie die Seeleute von Frachtschiffen hemmungslos den Müll ins Meer kippen.
staublungenmessias 01.10.2019
5. #1
Irgendjemand muss schließlich anfangen. Im Dänemark des ausgehenden 18. Jahrhunderts gab es auch viele Stimmen, die sagten "Wenn wir als erste Nation den Sklavenhandel verbieten, ändert das weltweit gesehen gar nichts - bestenfalls machen wir uns lächerlich, schlimmstenfalls schadet es unserer Wirtschaft massiv".
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