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Ägyptisches Museum in Kairo: Zerstörtes Welterbe

Foto: BPK

Plünderungen im Ägyptischen Museum Der zertrümmerte Tutanchamun

Was geschah in der "Nacht des Zorns" wirklich? Vermutungen, der Einbruch in das Ägyptische Museum von Kairo sei von der Regierung inszeniert worden, sind offenbar haltlos. Das Ausmaß der Zerstörung zeugt vom groben Unverstand der Ganoven. Einige Verdächtige sitzen nun in Haft.

Der Verdacht, dass der Einbruch ins Ägyptische Museum von Kairo während der "Nacht des Zorns" am 28. Januar von der Regierung inszeniert wurde, verliert an Zugkraft. Polizeiliche Ermittlungen haben ergeben, dass die Einbrecher mit roher Gewalt vorgingen. Über ein acht Meter hohes Fenster stiegen sie in das Schatzhaus am Tahrir-Platz ein. Einer stürzte dabei in einen Glaskasten und verletzte sich. Seine Blutspuren fand man auf fast allen Fluren.

13 Vitrinen wurden zertrümmert und dabei mindestens 70 Objekte umgestoßen oder beschädigt - darunter auch Preziosen aus dem berühmten Grabfund Tutanchamuns. Eine vergoldete Statue, die den Kinderkönig auf einem Panther stehend zeigt, benutzten die Räuber als Keule, um Scheiben einzuschlagen.

Zwei gestohlene Objekte warfen sie auf der Flucht in den Museumsgarten. Nach vorläufiger Bilanz sind noch 16 Objekte verschwunden, darunter ein Abbild der Nofretete. Eine Vitrine mit elf Uschebtis aus dem Prachtgrab der Juja und Tuja räumten die Diebe so hastig leer, dass eine der Statuetten unter die Vitrine rollte - wo man sie vorige Woche entdeckte.

Vom groben Unverstand der Ganoven zeugt auch ihr Umgang mit einem vergoldeten Bildnis: Tutanchamun sitzt dort huckepack auf einer Göttin. Die Männer zerbrachen das Ensemble. Splitter und Trümmer der Göttin fand man nahe eines Kiosks vor dem Gebäude, der Rest ist verschwunden. Ein weiteres Meisterwerk, das den Kinderpharao mit einer Harpune auf einem Schilfboot zeigt, brachen die Diebe ebenfalls mittendurch. Den 60 Zentimeter hohen Torso schleppten sie davon, Füße und Boot blieben zurück.

Als größten Verlust werteten die Forscher den Diebstahl einer bemalten Steinfigur des berüchtigten Ketzerkönigs Echnaton. Er ist dort als Junge mit gewölbtem Bauch abgebildet, auf dem Kopf trägt er die blaue Krone Ägyptens. Diese Figur wurde jedoch am Donnerstagabend direkt vor dem Museum, in einem Müllcontainer am Tahrir-Platz, wiedergefunden.

Nach Angaben der Antikenbehörde besteht Hoffnung, auch das übrige Raubgut wieder aufzuspüren. Einer der Einbrecher konnte gestellt und noch am Tatort angekettet werden. Zehn Verdächtige befinden sich derzeit in Haft. Angeblich stammen die Männer aus der Oase Fayum.

Das Museum will seine Pforten von Sonntag an wieder öffnen - trotz der fehlenden Kunstschätze.

cib
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