Forschung an gefährlichen Erregern Brand in russischem Virologielabor

Im westsibirischen Kolzowo hat es nach russischen Angaben eine Explosion in einem Laborkomplex gegeben, das Feuer sei inzwischen gelöscht. Brisant wird der Unfall, weil dort auch gefährliche Krankheitserreger gelagert werden.

Warnzeichen für Biogefährdung (Symbolbild): In dem betroffenen Komplex lagern Pockenerreger und Viren, die Ebola oder Hepatitis auslösen können
dpa

Warnzeichen für Biogefährdung (Symbolbild): In dem betroffenen Komplex lagern Pockenerreger und Viren, die Ebola oder Hepatitis auslösen können


Seit die Pocken durch eine gezielte Impfkampagne der Weltgesundheitsorganisation ausgelöscht wurden, gibt es nur noch zwei streng gesicherte Orte auf der Erde, an denen offiziell Virusproben gelagert werden. Einer davon sind die Centers for Disease Control and Prevention in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia), der andere das Vector-Labor in Kolzowo, nahe der westsibirischen Stadt Nowosibirsk.

In genau diesem Labor ist es nun nach Angaben der Forschungseinrichtung am Montag zu einer kleineren Explosion mit anschließendem Feuer gekommen. Explodiert sei ein Gaszylinder in einem Untersuchungszimmer im fünften Stock eines sechsgeschossigen Gebäudes. In dem Raum hätten gerade Renovierungsarbeiten stattgefunden, biologisches Material sei dort zum Zeitpunkt der Explosion nicht gelagert worden. Auf einer Fläche von 30 Quadratmetern habe sich ein Brand ausgebreitet, der aber gelöscht worden sei.

Forschung unter bestimmten Umständen noch zulässig

Eine Person sei verletzt worden, so das Labor. Die Struktur des Gebäudes sei intakt geblieben. Mehrere Medien wie der "Guardian" und Radio Free Europe berichten, die Scheiben des Hauses seien bei der Detonation zerstört worden. Der verletzte Mitarbeiter habe Verbrennungen dritten Grades erlitten.

Neben Pockenerregern lagern in dem Komplex auch noch andere gefährliche Viren, die unter anderem Ebola oder Hepatitis auslösen können. In dem Labor in Kolzowo wurde zu Sowjetzeiten an Biowaffen gearbeitet. Durch die 1975 in Kraft getretene Biowaffenkonvention ist das nicht mehr erlaubt.

Zulässig ist jedoch weiterhin Forschung zur Abwehr biologischer Angriffe, etwa durch Terroristen. Aus diesem Grund existieren auch noch die Proben der für die Pocken verantwortlichen Variola-Viren. Eine Nutzung der Erreger als Biowaffe bei einem Anschlag wäre auch deswegen besonders gefährlich, weil heute nur noch wenige Menschen gegen die Pocken geimpft sind. Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, können nur noch die Symptome behandelt werden.

chs



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