Neue Entdeckung in Pompeji Der Raum der Sklaven

In Pompeji haben Archäologen in einer Villa eine kleine Kammer entdeckt. Dort lebten wohl einst Menschen, deren Schicksal üblicherweise im Dunkeln bleibt: Sklaven – ihre Nachttöpfe standen noch unterm Bett.
Sklavenunterkunft in Pompeji

Sklavenunterkunft in Pompeji

Foto: -- / picture alliance/dpa/Parco Archeologico di Pompei

In der Archäologie ist das größte Glück der Heutigen häufig die größte Tragödie der Gestrigen. Spuren von Krieg, Tod und Verwüstung in früheren Zeiten sind das tägliche Geschäft der Altertumsforscher. Und auf wohl kaum eine Stätte trifft das so gut zu wie auf Pompeji. Der antiken Stadt wurde 79 n. Chr. ihre Nähe zum Vulkan Vesuv zum Verhängnis. Innerhalb kurzer Zeit starben die Menschen bei einem Ausbruch wohl in sogenannten pyroklastischen Wolken und die Stadt am Mittelmeer wurde von meterhoher Asche, Schlamm und Lava begraben.

Dadurch hat sich der Ort so gut erhalten wie kaum ein anderer aus der Antike. Nach ersten Erschließungen im 18. Jahrhundert durch die Wissenschaft arbeiten die Archäologen inzwischen schon viele Jahrzehnte systematisch an der Freilegung der Stadt, die immer noch nicht abgeschlossen ist. Und immer wieder machen sie einzigartige Entdeckungen, oft mit einem außergewöhnlichen Detailreichtum.

Nun fanden Forscher einen gut erhaltenen Raum, in dem vermutlich Sklaven lebten. In der etwa 16 Quadratmeter großen Kammer auf einem Grundstück etwas außerhalb der antiken Stadt wurden drei Betten, einige Amphoren, Vasen und eine Kiste mit Zaumzeug für Pferde gefunden. Der Raum habe den Herren des Hauses wohl als Abstellkammer und zugleich als schmucklose Unterkunft für die Sklaven gedient. »Hier sehen wir nun etwas, das normalerweise im Schatten bleibt«, sagte Gabriel Zuchtriegel, der Museumsdirektor von Pompeji.

Der gebürtige Baden-Württemberger erinnert daran, dass in antiken Überlieferungen und Schriftstücken zumeist nur das Leben der oberen Schicht thematisiert wurde. Der neue Fund biete nun die Chance, auch einen kleinen Einblick in das Leben der Sklaven zu bekommen.

In dem Raum dürften mindestens drei Sklaven geschlafen haben. Die Betten waren einfache, mit Seilen bespannte Holzpritschen, auf denen Tücher oder Teppiche lagen. Zwei Betten waren etwa 1,70 Meter lang, eines – wohl für ein Kind – 1,40 Meter. In den Ecken standen Amphoren des Hausherren. In zwei Amphoren unter den Betten dürften die Sklaven ihr Hab und Gut aufbewahrt haben, sagte Zuchtriegel. Dort standen auch Nachttöpfe.

Mumifizierter Ex-Sklave entdeckt

Außerdem befand sich in der Mitte des Raumes, der nur ein kleines Fenster hatte, eine Holzkiste mit Zaumzeug und Metallen, am Bett lehnte eine Deichsel. Diese Gegenstände gehörten zu einem Prunkwagen, der Anfang des Jahres im Nebenzimmer entdeckt wurde. »Wir haben nicht damit gerechnet, so einen Raum vorzufinden. Dabei sind wir oft daran vorbeigegangen«, bemerkte Zuchtriegel. Einen Raum weiter waren die Überreste dreier Pferde entdeckt worden, was bereits 2018 für Aufsehen gesorgt hatte.

Die Villa, in der sich der Raum befand, bietet einen Panoramablick über das Mittelmeer. Sie liegt am Rande der römischen Stadt und gilt als einer der bedeutendsten jüngsten Funde in Pompeji. Das Haus wurde entdeckt, nachdem die Polizei 2017 auf illegale, von mutmaßlichen Raubgräbern gegrabene Tunnel gestoßen war.

Nach römischem Recht galten Sklaven als Eigentum ihres Herren und besaßen keinen rechtlichen Personenstatus. Doch manche hatten Glück. Erst im August konnten die Archäologen die Lebensgeschichte eines in einer Grabkammer bestatteten Toten rekonstruieren: Demnach war der Mann ebenfalls einmal ein Sklave, der dann aber zu einigem Reichtum kam. Marcus Venerius Secundio, so sein Name, wurde mit etwa 30 Jahren in die Freiheit entlassen. Er wurde ein wohlhabender Mann, erlangte soziales Prestige, um sich ein kostspieliges Grab leisten zu können. Zudem arbeitete er wohl als Wächter im Venustempel.

Pompeji liegt rund 20 Kilometer südöstlich von Neapel. Als der Ort unterging, lebten dort schätzungsweise 13.000 Menschen.

joe/dpa/Reuters
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