Pompeji Rettung der Ruinenstadt

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Pompeji bröckelt. Zwei Wissenschaftler haben einen Rettungsplan entworfen - sie wollen die antike Ruinenstadt zu einer Stätte für Forschung und Ausbildung machen.

Pompeji zu sehen macht einen glücklich und traurig zugleich. Glücklich, weil der Gang durch die Stadt wie eine Zeitreise direkt hinein ins Römische Reich ist - an kaum einem anderen Ort ist römisches Leben und Wohnen so gut nachfühlbar wie in den Straßen und Häusern der im Jahr 79 nach Christus verschütteten Stadt. Traurig, weil die Vergänglichkeit so greifbar wird. Nicht nur als Möglichkeit des plötzlichen Todes durch den Ausbruch eines Vulkans - sondern auch als ganz normaler, schleichender Verfall.

Während man durch die Stadt streift, kann man die Wandmalereien dabei beobachten, wie sie verblassen. Mosaike lösen sich von den Böden, Wände zerbröckeln. Pompeji krümelt vor sich hin.

Der Archäologe Albrecht Matthaei und der Restaurator Ralf Kilian vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik in Stuttgart haben bereits als Studenten in Pompeji gearbeitet. "Schon damals hatten wir die Idee, mal ein größeres Restaurierungsprojekt zu machen", erzählt Matthaei: "Ein Projekt, bei dem gleichzeitig die Bausubstanz restauriert, an neuen Restaurierungsmethoden geforscht und der Nachwuchs ausgebildet wird." Ihre Idee hat die beiden nie losgelassen. "Ich bin einfach ein großer Pompeji-Fan", gibt Matthaei zu.

Who's who der Archäologie

Vor etwa zwei Jahren wurde es dann konkret. Die beiden begannen, Pläne auszuarbeiten, nach und nach mehr Teilnehmer für das Restaurierungsprojekt zu begeistern und mit ins Boot zu holen. Mittlerweile liest sich die Liste der in das "Pompeii Sustainable Preservation Project" involvierten Institutionen wie ein Who's who der archäologischen Forschung in Europa.

Zu erforschen gibt es reichlich: Wie baut man die besten Schutzdächer, um ein gutes Raumklima in antiken Stätten zu erhalten? Mit welchen Pflanzen begrünt man die Gärten, so dass sie den Mauern nicht langfristig schaden? Womit kann man die Steine am besten stützen, womit auf keinen Fall?

"Und was vielen gar nicht so klar ist: In Pompeji wird ja schon seit der Wiederentdeckung im 18. Jahrhundert wiederaufgebaut und restauriert", sagt Matthaei. Pompeji sei damit zugleich das wohl größte europäische Restaurierungsarchiv. Es auszuwerten, wäre schon ein eigenes Projekt: Welche Maßnahmen, welche Substanzen haben sich langfristig bewährt?

Einfach wieder zuschütten

Für den endgültigen Startschuss fehlt allerdings noch die Finanzierung. Die Werbebroschüren für Großsponsoren sind schon gedruckt. Dass große Restaurierungsprojekte von Konzernen gesponsort werden, ist gar nicht so unüblich. Der Gründer der italienischen Nobelschuhmarke Tod's, Diego Della Valle, steckt derzeit 25 Millionen Euro in die Restaurierung des Kolosseums in Rom. Und die Konservierungsarbeiten in der pompejianischen Nachbarstadt Herculaneum wurden von David Woodley Packard, dem Sohn eines der beiden Gründer der Firma Hewlett-Packard, mit bislang 15 Millionen Euro unterstützt.

Auf so einen Geldgeber hofft nun auch das "Pompeii Sustainable Preservation Project". "Wir brauchen etwa zehn Millionen Euro", sagt Matthaei. "Denn wir wollen die Arbeiten auf mindestens zehn Jahre auslegen. Nur über einen so langen Zeitraum lassen sich die ambitionierten Ziele umsetzen."

Und wenn das Vorhaben scheitert? Es gibt durchaus auch Forderungen, man solle die Ruinen einfach wieder zuschütten. Nur unter der Erde wären sie ausreichend vor dem Klima und vor allem vor den Besuchern geschützt. "Aber auch das muss ja erst erforscht werden", sagt Matthaei. "Wir wissen doch noch gar nicht, welche Erde langfristig die Steine am besten schützen würde."



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4 Leserkommentare
gog-magog 20.09.2013
snickerman 20.09.2013
spon-1291141701081 20.09.2013
anni1964 20.09.2013

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