Natur- und Ingenieurwissenschaften Wie Professoren motivieren - und was sie alles falsch machen können

Forscher haben 150 Professoren nach ihren Lehrmethoden gefragt - und dann die Noten von 15.000 Studenten untersucht. Das Ergebnis: ein erstaunlicher Befund über die Psyche der Hochschullehrer.

Vortrag an einer Universität (Symbolbild)
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Vortrag an einer Universität (Symbolbild)

Aus Washington berichtet


"Manche können es halt, und manche können es überhaupt nicht", wer in der Schule diesen Spruch beispielsweise von seinem Physiklehrer hört, freut sich entweder, weil er zu den Könnern gehört - oder entscheidet nach kurzer Zeit, dass Physik ohnehin nie sein Ding war. Dabei hatte der Lehrer wahrscheinlich unrecht.

Menschen können Dinge dazulernen. Deutlich besser klappt das allerdings, wenn man es ihnen auch zutraut, berichten Forscher in einer Studie im Fachmagazin "Science Advance", die sie auf der Wissenschaftskonferenz AAAS in Washington vorgestellt haben.

Größere Motivation, bessere Noten

Ein Team um die Sozialpsychologin Mary Murphy vom Indiana University Bloomington College of Arts and Sciences hat 150 Professoren und Dozenten aus den Bereichen Mathe, Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie Technologie gefragt, ob sie glauben, dass Intelligenz mit der Zeit wachsen kann - oder im Großen und Ganzen für immer gleich bleibt. Anschließend verglichen sie die Aussagen mit den Noten von 15.000 Studenten.

Das Ergebnis: Glaubten die Hochschullehrer, dass der Verstand wachsen kann, waren ihre Studenten erfolgreicher - obwohl sie die Kurse als genauso herausfordernd empfanden wie die Vergleichsveranstaltungen. "Die Studenten waren motivierter, weil sie den Eindruck hatten, dass sich ihr Professor für ihre fachliche Entwicklung interessiert", erklärt Erstautorin Elizabeth Canning. "Es geht also offenbar nicht darum, netter zu sein oder leichteren Stoff durchzunehmen."

Besonders stark profitieren Minderheiten, denen aufgrund von Stigmata oft weniger zugetraut wird. So waren die Noten von Schwarzen, Südamerikanern und Indigenen in Vorlesungen von Professoren mit steifer Intelligenzvorstellung im Schnitt um 0,19 Punkte schlechter als die von Weißen und Asiaten. Dabei gilt eine Notenskala von eins bis vier. In Vorlesungen von Professoren mit flexiblem Intelligenzdenken schrumpfte die Lücke auf 0,10 - also auf fast die Hälfte. Dabei war es egal, welche Herkunft die Professoren hatten.

"Tausenden Studenten helfen"

"Ob bewusst oder unbewusst, Professoren lassen die Studenten ihre Ansichten spüren - etwa, indem sie ihnen bei Schwierigkeiten nach kurzer Zeit raten, den Kurs zu verlassen", sagt Murphy. "Oder, indem sie ihnen immer wieder Rückmeldung geben, wie sie sich verbessern können."

Murphys Team versucht bei Hochschullehrern nun ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass ihre persönliche Einstellung die Motivation und das Abschneiden der Studenten beeinflusst.

"Professoren wird das Unterrichten nicht systematisch beigebracht. Deshalb freuen sie sich in der Regel über Unterstützung", sagt Murphy. "Es macht auch ihnen mehr Spaß einen Kurs zu unterrichten, in dem die Studenten aufmerksam sind und Fragen stellen." Um das zu erreichen, müssten sie dafür sorgen, dass ihnen die Studenten vertrauen und sich als Teil der Gruppe fühlen.

Oft könnten dabei schon kleine Signale einen Unterschied machen. "Es spielt beispielsweise eine große Rolle, ob Professoren ihre Studenten gleich in der ersten Vorlesung ermutigen, in Übungen zu gehen oder ihre Sprechstunden zu besuchen - oder ob sie das nicht tun", sagt Murphy. "Professoren bestimmen die Kultur in der Verlesung. Sie zu unterstützen, könnte Tausenden Studenten helfen."



insgesamt 70 Beiträge
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Seite 1
chrismuc2011 19.02.2019
1.
Gerade in den Naturwissenschaften bzw. besonders bei den Ingenieurswissenschaften wäre es gut, wenn die Dozenten den Studenten die Zusammenhänge in der Mathematik und Physik beibringen würden. Da die heutigen Abiturienten sowieso schlecht auf diese Fächer vorbereitet sind, wäre es sinnvoll dies von Grund auf den Studenten spielerisch und intensiv beizubringen. Das hält dann ein Leben lang. Ohne Taschenrechner. Das gilt ebenso für die Neigung von Dozenten UND Studenten mit dem Taschenrechner die Kräfte eines belasteten Bauteils bis 10 Stellen hinter dem Komma dem Taschenrechner zu entnehmen, die Studenten aber kein Gefühl haben für eine Überschlagsrechnung im Kopf, ob so ein Bauteil halten kann oder die Rechnung richtig sein kann.
BettyB. 19.02.2019
2. Seltsam
Dass sich die positive Einstellung von Lehrenden auf die Leistung der Unterrichteten auswirkt, ist wahrlich nichts Neues, dass in dem Artikel aber mal die Intelligenz und mal der Verstand wächst, obwohl es allein um reine Wissensvermittlung geht, ist schon verwunderlich.
jsavdf 19.02.2019
3. Witz eines Professors:
Völlig überfüllter Hörsaal zur Prüfung, Prof kommt herein und eröffnet den Studenten: "Jeder der die Prüfung besteht bekommt ein Bier." Stellt ein Sechserpack auf den Tisch. "Da bleibt noch eines für mich." Das Stigmata gegenüber anderen als der weißen Ethnie gehört endlich abgeschafft. Vielleicht hilft die Studie dabei.
Bruno Bug 19.02.2019
4. Lustig ist das Beamtenwesen
Leider werden bei uns Professoren (auch Lehrer) unabhängig dafür bezahlt wie gut (für Studenten) sie ihre Vorlesungen, Übungen und Prüfungen machen. Daher sind Professoren (oder sagt man Professierende?) genauso wenig motiviert wie sie ihre Studenten motivieren. Leider. Und was kann man dagegen machen? Die Bezahlung davon abhängig machen wieviel gut ausgebildete Studenten sie durch die Uni bringen. Jeder Durchfaller, jeder Abbrecher sollte sich im Portemonnaie auswirken. Nur geht das mit dem mittelalterlichen Beamtensystem nicht. Auch nicht mit dem neosozialistischen Bundesangestelltentarifsystem. Auch dort kann man tun oder nicht tun was man will, und es passiert nichts. Soviel Silberlöffel gibt es in der ganzen Republik nicht die man klauen müsste um im Staatsdienst irgendwelche wirksamen Konsequenzen fürchten zu müssen. Übrigens ist dies ein sehr gutes Beispiel was passiert wenn man das leistungslose Grundeinkommen bei uns einführen würde. Jeder arbeit nur wie und wann er will; ach wie ist das schön und lustig. Nur nicht für die Studenten. Aber die zahlen ja auch nichts dafür. Was wollen die also. Und steuern zahlen eh nur die Reichen. Selber schuld...
fasoulaki 19.02.2019
5. Der Professur ist der Sündenbock für das Scheitern der Gesellschaft
Der Artikel impliziert, dass es an den Professoren/-innen liegt, dass viele Studierende schlechte Leistungen im MINT Bereich erbringen. Meiner Erfahrung nach kann auch der motivierteste und charismatischte Professor das Scheitern der zerütteten Elternhäuser, des schlechten Schulsystems und der leistungsverweigerenden Studentenschaft nicht kompensieren. In jedem Jahrgang gibt es vereinzelt Studierende, die sich dem Studium mit Freude und Leidenschaft widmet, während die breite Masse mehr mit Gammelfleisch gemein hat, als jeder Gyros-Spieß.
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