Natur- und Ingenieurwissenschaften Wie Professoren motivieren - und was sie alles falsch machen können

Forscher haben 150 Professoren nach ihren Lehrmethoden gefragt - und dann die Noten von 15.000 Studenten untersucht. Das Ergebnis: ein erstaunlicher Befund über die Psyche der Hochschullehrer.
Vortrag an einer Universität (Symbolbild)

Vortrag an einer Universität (Symbolbild)

Foto: Tom Werner/ Getty Images

"Manche können es halt, und manche können es überhaupt nicht", wer in der Schule diesen Spruch beispielsweise von seinem Physiklehrer hört, freut sich entweder, weil er zu den Könnern gehört - oder entscheidet nach kurzer Zeit, dass Physik ohnehin nie sein Ding war. Dabei hatte der Lehrer wahrscheinlich unrecht.

Menschen können Dinge dazulernen. Deutlich besser klappt das allerdings, wenn man es ihnen auch zutraut, berichten Forscher in einer Studie im Fachmagazin "Science Advance" , die sie auf der Wissenschaftskonferenz AAAS in Washington vorgestellt haben.

Größere Motivation, bessere Noten

Ein Team um die Sozialpsychologin Mary Murphy vom Indiana University Bloomington College of Arts and Sciences hat 150 Professoren und Dozenten aus den Bereichen Mathe, Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie Technologie gefragt, ob sie glauben, dass Intelligenz mit der Zeit wachsen kann - oder im Großen und Ganzen für immer gleich bleibt. Anschließend verglichen sie die Aussagen mit den Noten von 15.000 Studenten.

Das Ergebnis: Glaubten die Hochschullehrer, dass der Verstand wachsen kann, waren ihre Studenten erfolgreicher - obwohl sie die Kurse als genauso herausfordernd empfanden wie die Vergleichsveranstaltungen. "Die Studenten waren motivierter, weil sie den Eindruck hatten, dass sich ihr Professor für ihre fachliche Entwicklung interessiert", erklärt Erstautorin Elizabeth Canning. "Es geht also offenbar nicht darum, netter zu sein oder leichteren Stoff durchzunehmen."

Besonders stark profitieren Minderheiten, denen aufgrund von Stigmata oft weniger zugetraut wird. So waren die Noten von Schwarzen, Südamerikanern und Indigenen in Vorlesungen von Professoren mit steifer Intelligenzvorstellung im Schnitt um 0,19 Punkte schlechter als die von Weißen und Asiaten. Dabei gilt eine Notenskala von eins bis vier. In Vorlesungen von Professoren mit flexiblem Intelligenzdenken schrumpfte die Lücke auf 0,10 - also auf fast die Hälfte. Dabei war es egal, welche Herkunft die Professoren hatten.

"Tausenden Studenten helfen"

"Ob bewusst oder unbewusst, Professoren lassen die Studenten ihre Ansichten spüren - etwa, indem sie ihnen bei Schwierigkeiten nach kurzer Zeit raten, den Kurs zu verlassen", sagt Murphy. "Oder, indem sie ihnen immer wieder Rückmeldung geben, wie sie sich verbessern können."

Murphys Team versucht bei Hochschullehrern nun ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass ihre persönliche Einstellung die Motivation und das Abschneiden der Studenten beeinflusst.

"Professoren wird das Unterrichten nicht systematisch beigebracht. Deshalb freuen sie sich in der Regel über Unterstützung", sagt Murphy. "Es macht auch ihnen mehr Spaß einen Kurs zu unterrichten, in dem die Studenten aufmerksam sind und Fragen stellen." Um das zu erreichen, müssten sie dafür sorgen, dass ihnen die Studenten vertrauen und sich als Teil der Gruppe fühlen.

Oft könnten dabei schon kleine Signale einen Unterschied machen. "Es spielt beispielsweise eine große Rolle, ob Professoren ihre Studenten gleich in der ersten Vorlesung ermutigen, in Übungen zu gehen oder ihre Sprechstunden zu besuchen - oder ob sie das nicht tun", sagt Murphy. "Professoren bestimmen die Kultur in der Verlesung. Sie zu unterstützen, könnte Tausenden Studenten helfen."