Psyche "Grabesstimme" verrät starke Depressionen

Selbstmordgefährdete können an ihrer Stimme erkannt werden. Stressbedingte Spannungen verändern die Höhe und den Frequenzbereich der Stimme von Depressiven.


London - Menschen, die ernsthaft an Selbstmord denken, können einer Studie zu Folge an ihrem besonderen Tonfall erkannt werden. Ihre Stimme verrate durch subtile Unterschiede die Tiefe ihrer Depression, berichtet das britische Wissenschaftsmagazin "New Scientist". Diese Differenzen könnten auch elektronisch gemessen und dazu benutzt werden, akut Selbstmordgefährdete zu erkennen.

Dem Psychiater Stephen Silverman von der amerikanischen Yale-Universität war aufgefallen, dass er oft an der Stimme seiner Patienten erkennen konnte, dass sie selbstmordgefährdet waren, berichtet die Zeitschrift. Zusammen mit dem Elektronikingenieur Mitchell Wilkes von der Vanderbilt Universität in Nashville untersuchte er Tonaufnahmen von 64 depressiven Menschen. 22 von ihnen unternahmen später einen Suizidversuch. Er verglich diese Aufnahmen mit solchen von 33 Kontrollpersonen, um herauszufinden, was dieses "gewisse Etwas war", das die starke Depression verriet.

"Bei Selbstmordgefährdeten wird die Stimme leer und hohl", berichtet Silverman. "Man könnte es eine Grabesstimme nennen." Die Unterschiede bestehen vor allem darin, dass Depressive für ihre Vokale nur einen kleinen Frequenzbereich benutzen und außerdem etwas höher als gewöhnlich sprechen. Der Grund dafür können stressbedingte Spannungen und Unterschiede in der Feuchtigkeit der Stimmlippen und des Rachenraums sein.

Die Analyse dieser feinen Unterschiede könnte Psychiatern, Sozialarbeitern und Mitarbeitern von Not-Telefonzentralen helfen, kritische Fälle zu erkennen. "Unser Ziel ist, ein elektronisches Diagnosegerät zu entwickeln, das mit Notfall-Telefonen gekoppelt werden kann", sagt Wilkes.



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