Hilfe für Internetnutzer Psychologenverband führt Gütesiegel für Onlineberatungsangebote ein

Immer mehr Start-ups wollen mit psychologischer Onlineberatung Geld verdienen. Der Berufsverband Deutscher Psychologen sieht das kritisch: Mit einem neuen Gütesiegel will er gute Angebote hervorheben.

Mann mit Handy (Symbolbild)
Blend Images/ Getty Images

Mann mit Handy (Symbolbild)


Angesichts zahlreicher psychologischer Beratungsangebote im Internet will der Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP) ein neues Gütesiegel einführen. Das Siegel solle die Nutzer über die Qualität von Apps und anderer Angebote informieren, teilte der Verband nach einem entsprechenden Beschluss am Sonntag in Hamm mit.

Die Zahl der Start-ups mit automatisierten psychologischen und sogar psychotherapeutischen Angeboten habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, heißt es vom BDP. Mit Sorge beobachte der Verband, dass bei dieser Entwicklung die Qualität "häufig nicht gewährleistet" ist.

Julia Scharnhorst vom Berufsverband hält es für "besonders bedenklich", "wenn sich Angebote zweifelhafter Qualität an Menschen mit psychischen Erkrankungen richten und dabei eine zügige Inanspruchnahme geprüfter wirksamer Therapien verzögern oder diese sogar verhindern". Die Hilfsangebote aus dem Internet seien eine wichtige Ergänzung der bestehenden Interventionsformen und dürften nicht durch Geschäftemacherei in Verruf geraten.

Seitenbetreiber müssen Anträge stellen

Das neue Gütesiegel "Psychologisches Gesundheitsangebot" wird für die Dauer eines Jahres vergeben und verlängert sich automatisch, sofern keine Änderungen vorgenommen werden. Bei inhaltlichen Änderungen ohne Nachprüfung verliert das Siegel seine Gültigkeit. Die Betreiber von Onlineportalen müssen selbst einen Antrag stellen, damit ihr Angebot begutachtet wird, die Kosten dafür tragen sie.

Geprüft wird unter anderem, ob die Inhalte der Websites oder Apps auf abgesicherten psychologischen Erkenntnissen beruhen und ob die Nutzer über mögliche Risiken aufgeklärt werden. Hinterfragt wird ebenso, ob der Nutzer informiert wird, welche Daten von ihm erfasst werden und ob diese Datenerfassung verschlüsselt geschieht.

Zudem müssen laut den Vorgaben Kooperationen insbesondere mit der Pharmaindustrie gut sichtbar sein. Sichergestellt werden muss dem BDP zufolge auch, dass Ratsuchende bei einer krankheitsrelevanten Symptomatik an eine professionelle Heilbehandlung verwiesen werden. Im Impressum von Seiten mit Gütesiegel muss der Verantwortliche des Angebots samt der Information auftauchen, wie er zu erreichen ist. Psychologische Inhalte müssen außerdem von Werbung getrennt werden.

mbö/AFP



insgesamt 7 Beiträge
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susuki 21.05.2017
1.
Quatsch, Gütesiegel für Tarnkappen-Scientologen und andere Spinner sind unausweichlich. Sowas richtet der Markt.
black-mamba 22.05.2017
2. Ein _ guter_ Psychologe und ein _guter_ Coach tut sowas nicht
Psycologische Beratung und auch Coaching bewegen sich meist in einem sehr tiefen Bereich der Privat - oder gar Intimsphäre des Klienten(m/w). Themen dieser Art bearbeitet man nicht über das Internet. Aus bereits zwei einfachen Gründen: 1. Der Berater sowie der Coach können dem Klienten/Coachee nicht garantieren, dass seine Privatsphäre/Intimsphäre gewährt bleibt. Denn der Berater/ Coach hat keinen Überblick und auch keinen qualifizierten Einblicm, wer eventuell die 'Sitzungen' abhört oder gar mitschneidet. 2. Gerade psychologische Arbeit erfordert es, dass man als Psxchologe/Coach seinen Klienten wahrnimmt(!). Sowas geht in einem Chat oder einer Video- Sitzung nur sehr eingeschränkt. Und als verantwortungsbewußter Mensch. Darf man sowohl die mögliche Preisgabe der Belange des Klienten/ Coachees (m/w) als auch eine nur eingeschränkte Wahrnehmung seiner Anliegen und seiner Verfassung nicht riskieren. Ich bin ausgebildet als Systemischer Coach. Ich würde meine Dienstleistung niemals online azsüben.
nettes Gespräch 22.05.2017
3.
Zitat von black-mambaPsycologische Beratung und auch Coaching bewegen sich meist in einem sehr tiefen Bereich der Privat - oder gar Intimsphäre des Klienten(m/w). Themen dieser Art bearbeitet man nicht über das Internet. Aus bereits zwei einfachen Gründen: 1. Der Berater sowie der Coach können dem Klienten/Coachee nicht garantieren, dass seine Privatsphäre/Intimsphäre gewährt bleibt. Denn der Berater/ Coach hat keinen Überblick und auch keinen qualifizierten Einblicm, wer eventuell die 'Sitzungen' abhört oder gar mitschneidet. 2. Gerade psychologische Arbeit erfordert es, dass man als Psxchologe/Coach seinen Klienten wahrnimmt(!). Sowas geht in einem Chat oder einer Video- Sitzung nur sehr eingeschränkt. Und als verantwortungsbewußter Mensch. Darf man sowohl die mögliche Preisgabe der Belange des Klienten/ Coachees (m/w) als auch eine nur eingeschränkte Wahrnehmung seiner Anliegen und seiner Verfassung nicht riskieren. Ich bin ausgebildet als Systemischer Coach. Ich würde meine Dienstleistung niemals online azsüben.
Nunja, die Evidenzlage für Onlinetherapie sieht allerdings recht gut aus. https://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article134704968/So-erstaunlich-effektiv-sind-Onlinetherapien.html http://www.zeit.de/karriere/2016-11/psychologische-online-beratung-ausland-vorteile-termin Es scheint Arten von Online-Beratung/Therapie zu geben die helfen, aber für einen Laien ist es schwer zu wissen was seriös ist und was nicht. Ich finde es deshalb sinnvoll wenn es eine Zertifizierung gibt, allerdings wird die vermutlich viel zu unbekannt bleiben um etwas zu erreichen...
lachina 22.05.2017
4.
Zitat von black-mambaPsycologische Beratung und auch Coaching bewegen sich meist in einem sehr tiefen Bereich der Privat - oder gar Intimsphäre des Klienten(m/w). Themen dieser Art bearbeitet man nicht über das Internet. Aus bereits zwei einfachen Gründen: 1. Der Berater sowie der Coach können dem Klienten/Coachee nicht garantieren, dass seine Privatsphäre/Intimsphäre gewährt bleibt. Denn der Berater/ Coach hat keinen Überblick und auch keinen qualifizierten Einblicm, wer eventuell die 'Sitzungen' abhört oder gar mitschneidet. 2. Gerade psychologische Arbeit erfordert es, dass man als Psxchologe/Coach seinen Klienten wahrnimmt(!). Sowas geht in einem Chat oder einer Video- Sitzung nur sehr eingeschränkt. Und als verantwortungsbewußter Mensch. Darf man sowohl die mögliche Preisgabe der Belange des Klienten/ Coachees (m/w) als auch eine nur eingeschränkte Wahrnehmung seiner Anliegen und seiner Verfassung nicht riskieren. Ich bin ausgebildet als Systemischer Coach. Ich würde meine Dienstleistung niemals online azsüben.
Und was ist mit den vielen Menschen, die 6 Monate bis 1 Jahr und teilweise noch länger auf einen Therapieplatz warten? Denen hilft ein Online-Angebot doch, diese Zeit zu überbrücken. Sonst wäre die Situation ja noch kritischer als sie schon ist.
black-mamba 22.05.2017
5. @#3 und #4
Ich habe die Gründe/Risiken genannt, die nach _meiner_ Ansicht gegen Onlineangebote zum Thema sprechen. Jeder muss selbst entscheiden, was ihm wichtig ist und was nicht. Ich habe mich mit dem Thema Online- Coaching intensiv auseinandergesetzt. Dabei habe ich auch mit dem Gründer eines dieser Portal- Startup intensiv diskutiert. Bei meiner Frage nach der Wahrung der Privats-/Intimsphäre, erhielt ich als "Antwort": Schweigen... Bei Sitzungen mit meinen Coachees, kommt es zuweilen auch schonmal zu emotionalen Reaktionen. In diesen Fällen, würde uch mich sehr unwohl fühlen, wenn die Person die meine Hilfe gesucht hat, faktisch alleine und ohne echtes Aug in Aug der Situation ausgesetzr wäre. Was wenn dann grad ein Server streikt oder die I-Net-Verbindung sonstwie unterbrochen wird. Mir ist da meine Klientel und deren Wohlergehen Viel zu wichtig als dass ich hier Risiken eingehe. Und was Statistken betreffend die Wirksamkeiten angeht: die basieren doch viel zu oft eher auf den Interessen derer die sie in Auftrag geben, als an der Realität - so jedenfalls meine Erfahrung. Aber wie geschrieben, jeder muss für sich entscheiden. Abschließend: die ein oder andere Person, die zu mir kam bräuchte stattt einem Coaching eine Therapie. Ob wine App sowas auch erkennt und die Sirzung mit einer entsprechenden Empfehlung dann sofort abbricht? Ich hab da massive Zweifel.
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